Full text: Hessenland (33.1919)

Italien gehen will, bricht der Krieg aus. Kurze 
Zeit ist auch er Soldat, wird aber bald wieder 
entlassen und erst Ende 1917 wieder eingezogen. 
Nachdem er etwa ein Jahr als Zeichner bei einem 
Generalkommando und zuletzt bei einer Luftschiffer- 
Abteilung tätig gewesen ist, stirbt er, 37 Jahre 
alt, in Rastatt. Ich weiß nicht, ob ihm bei 
längerem Leben ein neuer Anfang als Mäler be- 
schieden gewesen wäre. Einige seiner späteren 
Bildnisse sind ganz lebendig und frisch, doch ohne 
jede Eigenart; seine letzten großen Bilder (die 
„Wandervögel"-Bilder Nr. 1, 8 und 9) aber zeign 
ein so starkes Nachlassen der Kraft, sind so gänz 
lich seelenlos und erinnern so stark an Theater- 
kulissen und Pappe, daß ich kaum an jene Mög 
lichkeit glauben kann. 
Köstlich bleiben immer seine Skizzen und 
Studien. Sie sind stets ein viel unmittelbarerer 
Ausdruck seines Empfindens und seiner künstle 
rischen Absichten als seine ausgeführten Bilder. 
Niemals reizt ihn das Kleine, Intime und Ein 
zelne, und nicht nur beim Schaffen, sondern auch 
beim Sehen ist er ganz auf das Weiträumige und 
Harmonische eingestellt. Er hat denn auch nie 
den Techniken des kleinen Formats und der in 
timen Kunst seine Beachtung geschenkt. 
Als Bildhauer hat Höger eigentlich nur seine 
Entwicklung als Maler fortgesetzt. Er begann bei 
der Kunst der Florentinischen Renaissance und 
der Antike; auf Formenschönheit und Monumen 
talität war ja auch sein Sinn gerichtet. Das Hef 
tige und Gewaltsame Sascha Schneiders, den er 
in Florenz kennen lernte, weckte keinen Widerhall 
in ihm; er suchte vielmehr wie Adolf Hildebrand 
nach Klarheit und Ruhe der Form und voller 
Bildwirkung des Umrisses. Auf diesem Wege hätte 
er wohl noch weiter gefunden, wenn ihm eine 
längere Entwicklung vergönnt gewesen wäre. 
Alles in allem: kein Dichter, kein jenseitiger 
und eigentlich puch kein moderner Mensch, aber 
ein Künstler mit zwar beschränkter, doch starker 
Begabung für das Formal-Schöne, einer jener 
„griechischen" Menschen, wie sie der deutschen 
Kunst niemals gefehlt haben. A. F r i ck e. 
Aus Heimat 
Historische Kommission für Hessen ünd 
W.a l b e cf. Nach dem vom Vorsitzenden Geheimrat 
Professor Dr Frhr. v. d. Ropp, vorgetragenen Jah 
resbericht, sind ' als Stifter der Kommission beigetreten 
Geheimrat Dr. Herrsche! in Kassel, Geheimrat von 
P a s s a v a n t - Gontard auf Schloß Ziegenberg bei 
Butzbach, das Bankhaus L. P f e i f f e r in Kassel und 
Graf Friedrich v. S ch a u m b u r g in Söcking bei Starn 
berg. Als neue Patrone sind zu verzeichnen die Frank- 
schen Eisenwerke auf Adolfshütte bei Dillenburg, Erb 
kämmerer Graf Berlepsch auf Schloß Berlepsch, 
Major a. D^ v. B uttlar in Riede, Landrat v. Gilsa 
in Kirchhain, Kammerherr v. Goldammer auf Plaus 
dorf, Landgraf Chlodwig v. Hessen-Philipps 
thal - B a r ch f e l d auf Schloß Herleshausen, Dr. Karl 
H i tz e r o t h in Marburg, Fürst Franz Joseph zu 
Isenburg und Büdingen-Birstein auf Schloß Bir- 
stein, Professor R. Lambert in Marburg, Kom 
merzienrat Fritz Rechberg in Hersseld, Landesdirektor 
Präsident v. R e d er n in Arolsen und Negierungsrat a. D. 
Dr. v Waldthausen in Gersfeld. Zu neuen Mit 
gliedern der Kommission wurden gewählt Oberst Frhr. 
v. Dalwigk in Weimar, Universitätsprosessor D- Dr. 
Hermelink und Gymnasialdirektor Dr.Hölk inMarburg, 
Universitätsprosessor Dr. Vigener in Gießen und 
Superintendent a. D. D. Wolfs in Kassel. Druckfectig 
liegen vor: 1. das zweite Heft des ersten Bandes der 
hessischen Landgrafenregesten (1309—1328), das der ver 
storbene Archivrat Dr. Rosenfeld nahezu vollendet hin 
terlassen hatte, und das durch Dr. A r m b r u st in Berka 
mit einem Personen- und Ortsnamenverzeichnis für 
beide Hefte (1247—1328) vermehrt, im Manuskript 
vorgelegt worden ist; 2. das von Geh. Archivrat Dr. 
Reimer bearbeitete geschichtliche Ortsnamenbuch, um 
fassend das Gebiet des ehemaligen Kurfürstentums Hessen 
einschl Kreis Biedenkopf samt den, Wüstungen; 3. die 
Geschichte der hessischen Behördenorganisation von Stadt 
archivar Dr. Gundlach in Kiel; 4. die Ouellen 
zur Rechtsgeschichte der Stadt Marburg, Band 2, von 
und fremde. 
Geh. Archivrat Dr. Küch. Nahezu abgeschlossen sind 
ferner ein dritter Band der Klosterarchive von Geh. 
Archivrat Dr. Reimer mit den Urkunden der Klöster 
Breitenau, Hafungen, Nordshausen und Merxhausen 
und die von Geheimrat Professor Dr. Frhr. v. d. R o p p 
besorgte Ausgabe des „Landbuches" des Landgrafen 
Wilhelm IV. von Hessen. Fortgesetzt bzw. wieder auf- 
genpmmen wurden die Arbeiten am Fuldaer Urkunden 
buch (Professor Dr. Stengel), der Vorgeschichte der Re- 
fopmation (Archivrat Dr. Dersch) und dem hessischen 
Lehenstaat (Archivrat Dr. Knetsch). Weiter sollen die 
Frankenberger, Alsfelder und Grünberger Stadtrechts 
quellen in Angriff genommen und zur vierhundertjähri 
gen Jubelfeier der Universität Marburg 1927 ein neues 
Unternehmen vorbereitet werden. Die Kommission hofft 
zuversichtlich, daß ihr noch mehr Stiftungen und Bei 
hilfen aus geschichtliebenden Kreisen zufließen, damit 
ihr ermöglicht wird, ihren hohen Aufgaben auch ferner 
hin auf dem Gebiet der heimatlichen Geschichtsforschung 
gerecht zu werden und insbesondere den zweiten Band 
der Marburger Rechtsquellen drucken zu können. 
Hessischer Geschichtsverein. Der Kasseler 
Verein unternahm ain 22. August einen Ausflug nach 
Altmorschen zur Besichtigung des ehemaligen Zisterzienser 
klosters Heid au, das 1527 aufgehoben, von Landgraf 
Moritz seiner Gemahlin geschenkt wurde, bis es schließlich 
in den Besitz des Landgrafen Karl kam, der den statt 
lichen Lustgarten neu herstellen ließ. Nach einem Vortrag 
des Pfarrers Jungermann von Altmorschen wurde 
das Kloster besichtigt, wobei Baürat Dr. Holtmeyer 
eingehende Erläuterungen über dessen Architektur gab. 
Marburger Hochschulnachrichten. Der Di 
rektor der chirurgischen Universitätsklinik Professor Dr. 
G u l e k e nahm einen Ruf nach Jena, der Direktor 
der zahnärztlichen Klinik Professor Dr. Fis ch e r und 
der Professor der klassischen Philologie Dr. Karl Rein 
hardt einen solchen nach Hamburg an. — Zu De-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.