daß dieser ursprünglich einem einzelnen Teile,
mitunter sogar einem bestimmten Punkte, angehört
hat. Es fallen daher die Namen der Berge ebenso
wie die der Gewässer zusammen mit den Namen
von Feldern und Muren, mit andern Worten, die
Erforschung der Berg- und Flußnamen bleibt
unfruchtbar,, wenn sie nilht ausgeht von den Flur
namen als der Grundlage jeglicher Ortsnamen
kunde.
Das gilt u.a. auch für die Herleitung des Namens
Meißner. Wenn Vilmar Kurhess. Idiotikon
S. 266 behauptet, daß die ältesten bis in die erste
Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückgehenden Ur
kunden Wisener schreiben und daß diese Schrei
bung bis in das 16. Jahrhundert bleibt, so wider
spricht dem ein von Oesterley, Historisch-geogra
phisches Wörterbuch S. 437 angeführter Beleg
Meisner ca. 750 (Chrom u. Herkomm. Senkenb.
Sei. jur. 3, 316). Da andrerseits die volksübliche
Aussprache Wissner seit alter Zeit her bezeugt ist
und da Bolksaussprache und Urkunden oft über
einstimmen, so liegen zwei Möglichkeiten der Er
klärung vor. Es kommt oft vor, daß die in den
ältesten Urkunden vorkommende Schreibung mehrere
Jahrhunderte hindurch verschwindet und dann
plötzlich wieder auftaucht. So kann die urkund
liche Schreibung kleiner, als sie dem Volke an
fing unverständlich zu werden, durch die volks
tümliche Form Wiener eine Zeitlang verdrängt
worden sein, oder es muß angenommen werden,
daß Wisener die ursprüngliche Form ist und daß
durch gelehrte Schreibung in der Urkundensprache
daneben die Form Meiner auskam, die sich vom
16. Jahrhundert an durchsetzte.
Entsprechend diesen beiden Möglichkeiten läßt
das Bestimmungswort eine doppelte Deutung zu,
während das Grundwort, wie zahlreiche hessische
Bergnamen das zum bedeutungslosen Suffix -er
herabgesunkene Wort berg enthält, das in mund
artlicher Gestalt zu berieh, berch, ber bzw. unter
regressiver Assimilation all den vorhergehenden
Konsonanten des Bestimmungswortes zu merieb
bzw. dissimilatorlsch zu -nerieb, -nerch, -ner
wird. Wir würden dann als Urform entweder
Meisenberg, mundartlich Meisenberich, Meis-
merich, Meismer, mit Dissimilation Meisnerieh,
Meisnerch, Meisner oder Wissenberg, Wissen
berich, Wissmerch, Wissrner bzw. Wissner an
zusetzen haben.
Wird Meisen als die Urform des Bestimmungs
wortes angesehen, so steckt darin zweifellos eine
prosthetische Form am Eisen, und wir kommen
damit auf das oben Gesagte zurück, daß Berg
namen oft nach den sie umgebenden Fluren be
nannt sind. Denn am Eisen ist ein uralter
Flurname, den wir in mehr oder weniger ver
änderter Gestalt unzähligemal wiederfinden. Eisen
ist unter volksetymologischer Anlehnung an nhd.
„Eisen" aus einer älteren Form Essen bzw. Assen
„Weidegerechtsame. Weideplatz" hervorgegangen,
Vgl. Buck, Obd. Flurnamenbuch S. 61. Diese ist
selbst wieder eine Nebenform von Ess, Ass „Weide,
Weideplatz", woraus Ortsnamen wie Asbach, 0s-
bacli bzw. Rosbach entstanden sind. Wie Eisen
zu Essen, Assen, verhält sich Eis in Flurnamen
unter volkstümlicher Angleichung an ahd. îs „Eis"
zu Ess, Ass. Vgl. dazu württembergisch* * Essen-
hansen, 1180 Asenhansen, 1275 Eisenhusen,
thüringisch^ am Eisbirkig, ma. Assbärkg, Flur
Wölfis, die Eiswiese, ma. Iswesen, Flur Tam
bach, am Eisenberge, das Eisfeld, Straßenname
von Crawinkel, das Eischfeld, Flur Holzhausen,
das Eichsfeld, Straßenname von Herbsleben,
Eisenach u. a. m., hessisch Eiswinkel, Eisfeld
Lokalbezeichnungen in Obergrenzebach, die Eis-
kante Gemarkung Steina (Kr. Ziegenhain), das
Eiswinkelsfeld Gem. Dodenhausen, Eisenbach
Gem. Lauterbach, Ober-, Nieder-Eisenhausen bei
Biedenkopf, am Eisfeld, Straßenbezeichnungen in
Hersfeld und Fuldas Eisenberg öfters, z. B. bei
Corbach und Oberaula, nassauisch* Eisen (Wald),
Eischen, Eisbachsrain, Eispfad, Eiswies, Eis
baum, Eisberg, Eisborn, Eiseck, Eisheck, Eis-
wasem, Eisemerfeld (— Eisenbergfeld), Eisen
bach, Eisenbäumchen, Eisenberg, Eisengass,
Eisengraben, Eisenheck, Eisenhölle, Eisenhut,
Eisenstrass, Eisental, Eisenwies usw., lippisch^
Eisberg, Essenbrede, Eisfeld, wahrscheinlich auch
in einer Reihe von Namen, die bisher als vor
deutsch angesehen worden sind : ls-ana, Is-ara
(Isar, srz. Isère), Isa (Nebenfluß der Aller), Is-ala
(Mel), Is-arca(Eisack), Is-ada,Is-ida (Jsthe) u.ä.m.
Durch Prosthese des m der bei Flurnamen üb
lichen Präposition am oder zum entstehen hessische
Weiterbildungen wie Meisfeld aus am Eisfeld, z. B.
Gem. Wasenberg (Kr. Ziegenhain), Meise(n)bach
aus am Eise(n)bach, z. B. Gem. Hersfeld und
Siedlung an der Hanne im Kreis Hünfeld, Meisen
burg (Meysenburg) aus am Eisenberg, später
zu Eisenburg umgedeutet, Meisengesceid, ca. 1100,
zwischen Schlitz und Jossa, meist volksetymologisch
angelehnt an ahd. rneisa „Meise". Vgl. dazu
noch thüringisch 6 bei dem Meisenbaum, Flur
1 OesterIet) a. a. O. S. 171.
3 Gert> ing, Flurnamen des Herzogtums Gotha S. 6.
22. 118, 153 u. 5.
3 Vgl. dazu Pabst im „Hessenland", 1906. S. 190 ff.
* Kehrein. Nassauisches Namenbuch S. 378.
3 Preuß, Lippische Flurnamen S. 48.
3 G e r b i n g a. a. O. S. 303, 317 u. ô.