Full text: Hessenland (33.1919)

statte, auf der einst die Verbrecher aufgeknüpft wurden. 
Eine gesellige Zusammenkunft im nahen Belvedere 
bildete den Beschluß des wohlgelungenen Ausflugs. 
P e r s o n a l ch r o n i k. Die Kasseler Stadtverord 
netenversammlung ernannte den sein Amt niederlegenden 
Stadtältesten Sei dl er zum Ehrenbürger. — Der 
Stadtälteste Friedrich H o f f a in Kassel beging am 
2. Mai seinen 80 Geburtstag. — Der Senat der Tech 
nischen Hochschule Dresden verlieh dem Stadtbaurat Geh. 
Baurat H ö p f n e r in Kassel in Anerkennung seiner 
hervorragenden wissenschaftlichen, praktischen und orga 
nisatorischen Leistungen auf dem Gebiet der Ingenieur- 
wissenschaften im Dienste der deutschen Städte die Würde 
eines Doktor-Ingenieurs Ehrenhalber. — Zum Führer 
der anstelle des bisherigen XI. Armeekorps aufgestellten 
Reichswehr-Brigade 11 Kassel wurde Generalleutnant 
Paulus v. S t o l z m a n n ernannt. 
Marburge r H o ch s ch ulna ch richten. Zünl 
Nachfolger des verstorbenen Geh. Bergrats Professor 
Dr. Frech im Ordinariat sowie in der Leitung des 
geologisch-Paläontologischen Instituts an der Universi 
tät Breslau wurde Privatdozent Dr. Hans Cloos 
ausersehen. — Der zur Zeit als Mitglied der deutschen 
Friedensdelegation in Versailles tveilende Professor 
Dr. Schücking lehnte einen Ruf nach Halle als Nach 
folger von Geheimrat Loening ab. — Der ord. Prof, 
in der theologischen Fakultät Dr. Otto lehnte es ab, 
das Amt eines Personaldezernenten für das Universitäts 
wesen im Unterrichtsministerium zu übernehmen. — Die 
philosophische Fakultät erneuerte dem Geh. Studienrat 
Dr. Braun in Hanau anläßlich seines 50 jährigen 
Doktorjubiläums das Diplom. 
Vom E s ch w e g e r Heimatmuseum. Unser 
Heimatmuseum in der alten Schloßkapelle ist in der 
letzten Zeit wieder durch wertvolle Altertümer bereichert 
worden. So überwies ihm der Magistrat von Eschwege 
einen über 700 Jahre alten Eschweger Brakteaten, den 
er von einer Frankfurter Mllnzenhandlung für 100 M 
erworben hat. Das auf dem Cyriakusberge in Eschwege 
gelegene Nonnenkloster, das von der Schwester Kaiser 
Ottos III., Sophie, Äbtissin von Gandersheim, ge 
gründet wurde, besaß neben dem Markt-, Fisch- und 
Zollrecht auch das Recht, Münzen zu prägen. Im 
13. Jahrhundert galten die Eschweger Pfennige in 
ganz Niederhessen. Später waren sie nur in den Ämtern 
Eschwege, Bilstein, Boyneburg und Wanfried gebräuch 
lich. Der vom Magistrat dem Heimatmuseum über 
wiesene Brakteat ist ein aus seinem Silber einseitig 
ausgeprägter Breitpfennig. Die Prägung zeigt in reicher 
Ornamentik das Bild der Äbtissin Gertrudis, die zur 
Zeit des Kaisers Friedrich Barbarossa dem Eschweger 
Cyriakuskloster vorstand, mit einem Palmzweig und 
einem Buche in der Hand. Nicht minder wertvoll ist 
das Geschenk des Vorstandes vom „Verein zur Pflege 
der Kunst" in Eschwege, ein kurfürstlich-hessisches Pet 
schaft. Das Petschaft, in Gold fein gefaßt, zeigt das 
hessische Wappen ^nit einer Krone darüber. Der präch 
tige Griff ist aus Elfenbein geschnitzt. Juwelier Friedrich 
Keulmann hier stiftete dem Heimatmuseum aus dem 
Nachlaß des Bäckermeisters Heinrich Hempfing eine 
größere Anzahl Kaufverträge aus dem Anfange des 
vorigen Jahrhunderts. Allen Gebern sei auch an dieser 
Stelle gedankt. 
Eschwege. Bierwirth. 
Die Abfindung des Groß Herzogs von 
Hessen. Die hessische Volkskammer nahm die Verein 
barung zwischen dem ehemaligen Großherzog und dem 
hessischen Staat an. Danach gehen sämtliche in Benutzung 
und Nutznießung des Großherzoglichen Hauses befind 
lichen Grundstücke und Gebäude in den Besitz und in 
die Nutznießung des hessischen Staates über; ausge^ 
nommen davon sind das Jagdschloß Wolssgarten, 
das Schloß Romrod und das Dominialgrundstück von 
Schloß Kranichstein. Das neue Palais in Darmstadt 
ist Privateigentum des Großherzogs. Der hessische Staat 
übernimmt die dem früheren Großherzog, seinen Be 
amten und Bediensteten gegenüber obliegenden Ver 
pflichtungen. Das Hoftheater geht an den hessischen 
Staat über. Der Staat übernimmt alle dem Groß 
herzog aus dem Betrieb des Hoftheaters zukommenden 
Rechte und Pflichten. Die Staatskasse zahlt dem ehe 
maligen Großherzog jährlich den Betrag von 440000 M., 
außerdem gewährt der hessische Staat eine Abfindungs 
summe, bestehend in einer in das hessische Staatsschuld 
buch einzutragenden vierprozentigen Staatsschuldbuch 
forderung in Höhe von 10 Millionen Mark und 
in einer Barzahlung von 900000 Mark. An dem 
Tage der Verzinsung dieser Abfindungssumme fallen 
die jährlichen 440 000 Mark fort. Die vorstehenden 
Vereinbarungen traten, soweit nicht in Einzelheiten ein 
anderes vereinbart ist, am 1. April d. I. in Kraft. 
Todesfälle. In seiner Vaterstadt Kassel erlag, 
erst 41 jährig, der seit 1914 am ehemaligen Kasseler 
Hoftheater tätige Schauspieler Wilhelm Bünting 
einer Lungenentzündung. Er spielte vor allem Chargen- 
und Väterrollen. 
Gleichfalls in seiner Vaterstadt Kassel verschied am 
5. Mai der Rechtsamvalt und Notar Justizrat Dr.-Fe r- 
d i n a n d R o ch o l l. 
Plötzlich und unerwartet verschied am 6. Mai zu 
Rotenburg a. d. F. der Landgräflich hessische Ober 
förster Professor Ludwig Schwarz, ein bedeutender 
Ornithologe. Er war bis vor kurzem Dozent an der 
Forstakademie in Eisenach und beabsichtigte in eben diesen 
Tagen Vorlesungen über Vogelschutz an der Marburger 
Hochschule zu halten. Auch dem „Hessenland" hatte er 
eine Reihe von Aufsätzen über den Vogelschutz in Kur 
hessen in Aussicht gestellt. 
Am 1. Mai entschlief 79 jährig zu Kassel der Pfarrer 
a. D. Bernhard Schafft. Er war längere Jahre 
hindurch Geistlicher an der Garnisonkirche zu Kassel und 
wirkte dann bis zu seiner Pensionierung als Anstalts 
geistlicher zu Breitenau. Er hat sich Jahrzehnte lang um 
die Taubstummen-Seelsorge verdient gemacht. 
Nationalpark W i l h e l m s h ö h e. Die Kasse 
ler Vereinigung „Nationalpark Wilhelmshöhe mit Bühne 
der Deutschen" wählte am 1. Mai einen Ausschuß mit 
der Aufgabe, die Bestimmung des Habichtswaldes als 
Nationalpark zu betreiben und ferner sich für die Er 
richtung einer nationalen Schauspielbühne bec Kassel 
einzusetzen. 
50-Jahrfeier d e s Kasseler Realgymna 
siums. Am 10. Mai beging das Realgymnasium in 
Kassel die Feier seines 50 jährigen Bestehens. Mit 300 
Schülern wurde die neu errichtete Anstalt in Mieträumen 
der Wolfschlucht untergebracht 1871 wurde das Schul 
haus in der Schomburgstraße, 40 Jahre später dasjenige 
in der Wilhelmshöher Allee bezogen. 1906 wurde die 
Anstalt zur Reformschule umgewandelt. Dem -Festakte 
schloß sich eine weihevolle Gedächtnisfeier für die
	        

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