Full text: Hessenland (32.1918)

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inachte zuerst allgemeinere Angaben über die seit >532 
als Korporation bestehende hessische Ritterschaft, die 
1810 durch Teilung des Vermögens, der Einkünfte der 
Stifte Kaufungen und Wetter, in einen knrhessischen und 
einen darmstädtischen Teil zerlegt worden ist. lim 1550 
gab es in Hessen noch etwa 170 adelige Geschlechter, 
1633 noch 94, 1888 konnte t>. Buttlar in sein Stamm 
buch noch 39 Familien aufnehmen, seitdem sind wieder 
einige davon erloschen, anderen droht dasselbe Geschick. 
Von den der hessischen Ritterschaft Kasselischen Anteils 
angehörigen Geschlechtern sind 23 althessischen Ursprungs, 
8 sind niedersächsischer Herkunft, 2 stammen aus Thü 
ringen. Dazu kommen die Grasen, von Schaumburg und 
die Freiherren von Cornberg, die beide des Stammes 
Brabant sind, die Schanmbnrger als Enkel des letzten 
Kurfürsten, die von Cornberg als Nachkommen Landgraf 
Wilhelms IV. An diese 35 Geschlechter reihen sich noch 
4 Familien an, deren Vorgeschichte ausführlich besprvcheit 
nmrde. Die aus den Niederlanden, stammenden Frei 
herren v. Berschuer sind seit dein 17. Jahrhundert in 
der Gegend von Rotenburg ansässig, sie wurden 1696 
in den Reichssreihcrrenstand erhoben und 1820 in die 
hessische Ritterschaft aufgenonlmen. Die Freiherren Waitz 
von Eschen genannt von Hilchen werden ans einer bürger 
lichen Familie der Nicdergrafschast Katzenelnbogen aus 
Bärftadt bei Langenschwalbach hergeleitet. 1768 wurde 
Johann Friedrich Hilchen geadelt und erhielt gleichzeitig 
vom Landgrafen Friedrich II. die Erlailbnis znr An 
nahme des Namens Waitz von Eschen genannt von 
Hilchen nach seinem Schwiegervater, dein Staats 
minister Jakob Siegmund Waitz (seit 1764 Waitz v. 
Eschen), der ihn adoptiert hatte. Die Aufnähn re in die 
hessische Ritterschaft erfolgte 1804. Die von Hesberg, 
die 1602 in den Rcichsadelstand erhoben und seit 
1820 Mitglieder der Hess. Ritterschaft sind, stammen 
aus Homberg, >vo zuerst ein Hans Hesperg- genannt 
Kuchener urkundlich von 1497—1527 erscheint. Ein 
Zusammenhang mit der fränkischen Adelsfamilie von 
Hesberg ist nicht anzunehmen. Vielleicht stammen die 
Homberger Hesberg ans der Wctterau oder aus den, 
Hanauischen (Steinau, Schlüchtern?). Die von Hehd- 
wolff zu Germershausen endlich sind ein altes Münzen 
berger Geschlecht, als dessen Stammvater vielleicht Hans 
Heidolf aus Udenhain, der 1370 Bürger zu Geln 
hausen Ivnrde, angesehen werden kann. 1474 kam Peter 
Heidolf nach Marburg, sein Sohn Hans, Schultheiß 
zu Niederweiniar, erwarb 1511 das noch heute der Fa 
milie zustehende Gut Germershausen und erwirkte sich 
einen kaiserlichen Wappenbries. In die althessische Rit 
terschaft wurde die Familie 1741 aufgenommen. Zum 
Schlüsse wies der Vortragende auf die allbekannten Heer 
führer v. Linsingen und v. Heringen, v. Scheffer-Boyadel, 
v. Loßberg und Wild von Hohenborn hin, die dem 
Hessenlande entstannnen, ebenso wie Scheer und Hoff- 
mann. Endlich übergab Hauptmann v. Lepel deur 
Vorsitzenden einen in seinem Besitz besindlichen Orden 
der Westfälischen Krone als Geschenk für die Samm 
lung des Vereins und knüpfte daran einige erläuternde 
Worte über die Stiftung des Ordens und die mehrfache 
Änderung seiner Form. Der Orden hatte weder die Ge 
stalt eines Sternes noch eines Kreuzes, sondern die des 
italienischen Ordens der Eisernen Krone, ähnlich einen, 
Petschaft. Der französische Adler umschlang sinnbild 
lich durch eine in seinen Krallen gehaltene Schlange 
das Hannoversche und Braunschweigische. Pferd, den 
Hessischen Löwen und den halben Preußischen Adler, 
die Wappentiere der Landesterle, aus denen das König 
reich Westfalen zusammengeflickt war. Bald aber er 
fuhr das Ordenszeichen eine Änderung. Die Schlange 
wurde bezeichnenderweise fortgelassen. Auf einer Krone 
mit 6 Fleurons, die auf einem Bande in blauen, Schinelz 
die Worte trägt: „Charakter und Aufrichtigkeit" und 
„errichtet XXV. Dezember M.D.CCOIX.", ruhen ein 
Adler und ein Löwe mit dem Rücken zusammenstoßend. 
Zur Rechten bäumt das Westfälische Pferd, zur Linken 
der Hessische Löwe auf. Über allem ragt der gekrönte, kai 
serliche Adler auf Donnerkeilen ruhend empor. Der 
Orden wurde am dunkelblauen Bande im Knopfloch ge 
tragen. 
Der Kasseler Verein brachte au, 13. März in, 
Landesmusenm einen Lichtbildervortrag des Regiernngs- 
baun,eisters Becker über das „Fritzlarer Rathaus 
in, Rahmen der älteren Ortsgeschichte", auf den wir 
noch zurückkommen. 
Am letzten dieslviuterlichen Herrenabend des K a sse- 
l e r Vereins wies Bibliothekar Dr. L a n g e darauf 
hin, daß außer in der bekannten Urkunde von 913 Kassel 
für dasselbe Jahr noch einmal an anderer Stelle er 
wähnt wird, nämlich in der im 10. Jahrhundert ver 
faßten sächsischen Geschichte Widukinds von Corvey 
(Rorum Costarum Laxon-aarum Üb. I. 21). Es handelt 
sich un, den geheiumisvollen Plan Erzbischofs Hatto 
von Mainz, den Sachsenherzog Heinrich durch eine 
goldene Kette zu erdrosseln. Der Goldschmied reist 
dem Herzog entgegen, um ihn zu warnen und begegnet 
ihm bei dem i9rtc Kassel. Herzog Heinrich verzichtet 
aus die Eiickadung des Erzbischofs zum Gastmahl urrd 
bleibt im ruhigen Besitz seines Landes. Die Stelle 
beweist, daß Kassel damals in Mitteldeutschland doch 
nicht so unbekannt war, als man gewöhnlich annimmt. 
Rechnungsdirektor Wo ringer teilte Aufzeichnungen 
des verstorbenen Baurats Müller mit, in denen eine 
lebendige Schilderung des Überfalls der in Kirchditmold 
1762 lagernden Franzosen durch hessische Jäger von 
Hohenkirchen aus gegeben wird. Hierauf sprachen Ge- 
heimral Scheibe über die älteste Tochter des Land 
grafen Moritz, Prinzessin Elisabeth, nnd Bankier F i o - 
r i n o unter Vorlage von Bildmaterial über Schloß 
Wilhelmsthal. Studienrat Dr. Fnckel machte ergän 
zende Mitteilungen zu seinem früheren Vortrag über 
den Freiherr,, Adolf von Knigge. 
Marburger H o ch s ch n l n a ch r i ch t e n. Zun, 
Nachfolger des Geh. Medizinalrats Professor Dr. Jo- 
r e s, der mit seinem ersten Assistenten Professor Dr. 
Berblinger nach Kiel übersiedelt, ivnrde Professor 
Dr. M a % Löblein, Prosektor am Krankenhaus 
Westend und Leiter des Untersuchungsamts für an 
steckende Krankheiten in Charlottenburg, berufen. — 
Unter bei, Preisaufgaben, die zur Kaisergeburistagsfeier 
gestellt wurden, befindet sich auch eine solche über die 
mittelalterlichen Skulpturen der Kirche in Frankenberg. 
P e r s o n a l ch r a n i k. Oberbürgermeister K o ch - 
Kassel wurde vom Bundesrat anstelle des früheren Ober 
bürgermeisters Wallraf zun, Mitglied des Reichsgesund 
heitsamts gewählt. — Mit Ablauf des Schuljahres treten 
Geh. Studienrat Dr. H e l d m a n n und Oberlehrer 
Professor Berlit vom Gymnasium zu Rinteln in den 
Ruhestand. Ihre Nachfolger sind Direktor Dr. Peters 
vom Gymnasium in Haddamar und Studienassessor 
Dr. K neuster von der Oberrealschnle in Marburg. 
— Der Radierer Professor Bernhard Mann 
feld in Frankfurt a. M., ein geborener Dresdener 
(„Limburger Dom", „Universität 'Marburg"), der seit 
1875 am Städelschen Kunstinstitul wirkt, beging am 
6. März seinen 70. Geburtstag. — Seinen 80. Geburts 
tag beging am 7. März der frühere langjährige Di-
	        

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