Full text: Hessenland (32.1918)

in Nassau: im Aspich, Aspig, Espesgrund (aus 
Espichs bzw. Espechsgrund) liiro. 
Die Schreibung Aspich neben Asbich, Espig 
neben Esbich, Anspach (Bezirksamt Lahr) neben 
Ansbach, Aspach neben Asbach steht tm Ein 
klang mit der Schreibung piund (peunt) neben 
biund (biend), pan, pen neben bau, ben. Tast 
pan, pen gleich pinnt zu fetzen ist, beweist der 
Ortsname^ Allmerspan, 1040 Almarespiunt 
und Espen, 1 > 97 Espan, ferner Espenfeld, 1039 
Esph i n n eseid. 
19 Oesterley a. a. O- S. 13 und 171. 
(Schluß folgt.) 
— 
Ein Winterlag in Willingshausen. 
Zu Wilhelm Thielmanus 50. Geburtstag. 
In Treysa verlasse ich den ungeheizten Zug, der ! 
dadurch nicht behaglicher war, daß die drei Grad ! 
Minus des frischen Morgens durch die zerbrochenen 
Scheiben mit eisigen Fingern die Insassen des Ab 
teils umklammerten. Es ist halb acht. In Rich 
tung Wasenberg geht's über den hartgefrorenen 
Boden der hochgelegenen Landstraße. Die auf 
steigenden Nebel enthüllen dem Blick nur einen 
Teil des weitgespannten Bildes, das sich sonst hier 
dem Wanderer aufrollt. Eben zeichnet sich noch 
die steile Landsburg in verschwommenen Konturen 
vom grauen Hintergrund ab, der Knüll gleicht 
einem Gockel, dem ein beutegieriger Fuchs er 
barmungslos den Kopf abgerissen hat. Schnei 
dender Südwind hemmt den vorwärtsstrebenden 
Schritt. Und doch atmet man befreit auf und wähnt 
sich für Stunden einmal der Erinnerung an die 
harte Kriegszeit entrückt. Unmöglich. Schon nach 
kurzem Marsch begegnen mir unablässig hoch- 
beladeue, von Kriegsgefangenen geleitete Heu- 
wagen. Ich ahne ihr Ziel. Und wie ich dann 
durch Wasenberg schreite, erinnert mich das düstere 
Schwarz der in der ganzen Schwalm jetzt allge 
mein getragenen Landestrauer aufs neue an den 
männermordenden Krieg. Der Städter, der heute 
durch ein Dorf kommt, wird nicht eben freundlich 
angesehn. Ein Spießrutenlaufen zwischen halb 
mitleidigen, halb hochmutsvock-verächtlicheu Blicken 
verrät, daß dank dem fleißig geübten Brauch so 
manches Zeitgenossen jetzt für den Laudmaun der 
Begriff des Stadtbewohners und Hamsterers in 
eins verschmolzen ist. Hiergegen ist auch der Un 
schuldigste wehrlos. Die Sonne hat inzwischen 
das Gewölk durchbrochen und gibt den fahlen 
Wiesen und kahlen Ackerschollen, die im Sommer 
die farbeusatte Glut der reifen Ährenfelder tragen, 
eine freundlichere Note. Nach kurzem Aufstieg 
erkennt man bei der Wegkrümmung an den- hoch- 
wipfligen Parkbäumen der Herren von Schwertzell, 
deren Ahnen die Sage mit der heiligen Elisabeth 
aus Ungarn einwandern läßt, die Nähe des Ziels. 
Einer ihrer Verwandten, der Maler von Reutern, 
war wohl der erste, der den Schwälmer Bauer 
für die Kunst entdeckte und ein munteres Maler 
völkchen in das entlegene Dörfchen au der An 
treff führte. Seitdem ist dieses jedem modernen 
Verkehr entrückte Schwalmdorf den deutschen 
Kunstfreunden immer geläufiger geworden. Es 
war der Liebling des deutschen Volkes, in dessen 
Person ein französischer Kritiker von 1855 das 
Talent ganz Deutschlands vereinigt glaubte, der 
Wiesbadener Ludwig Knaus, der in Willings 
hausen und Umgegend — seine „Goldene Hoch 
zeit" entstand unter den Tanzlinden des nahen 
Merzhausen — seine bekannten Genrebilder schuf. 
Wer jetzt Willingshausen betritt, erfährt zunächst 
eine Überraschung. Das alte Gasthaus von Hase 
steht nicht mehr, der Besitzer hat sich zur Ruhe 
gesetzt, aber das altberühmte Malerstübchen nebst 
dessen reichen Schätzen mit in seinen Neubau über 
nommen und auch die bekannte Tür des Stübchens 
wieder eingelassen, auf der Paul Thumann, Adolf 
Lins, Hans von Volkmann und andere Zeugnisse 
ihres Könnens und ihrer Laune in Farben bann 
ten. 
Während aber alle die alten und jungen Maler 
nur zur schönen Sommerszeit ihr heiteres Heim 
in Willingshausen aufschlugen, ist einer von ihnen, 
Wilhelm Thiel mann, seit Jahren dort seß 
haft geworden. So erlebt er wie kein Zweiter 
die Jahreszeiten dieser Hessenlandschast, die win 
terlichen und sommerlichen Freuden und Leiden 
ihrer Bewohner. In dem mit erlesenen Gaben 
Thielmannscher Kunst geschmückten Treppenhaus 
des neuzeitlichen geräumigen Fachwerkbaus weisen 
mich des Meisters Kinder, ein prächtiger Junge 
und ein liebreizendes zweijähriges Mädlein, zum 
Atelier. Nach gastlichem Willkomm durch den 
Meister und seine jugendliche Gattin werden im 
lauschigen Alkoven allerhand gemeinsame Kasseler 
Erinnerungen der neunziger Jahre ausgetauscht. 
Das nach zweistündigem Marsch dankbar angenom 
mene Frühstück und später das von einer Schwälme- 
rin aufgetragene Mittagsmahl machen den erneuten 
Entschluß zum Durchhalten zur freudigen Selbst 
verständlichkeit. Inzwischen habe ich mich etwas
	        

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