Full text: Hessenland (32.1918)

der Homberg bei Reizenhagen 434 , das Burgholz 
bei Züschen 432 , der Haartberg bei Wellen 433 . 
Selten nur gilt ein Brunnen (z. B. der Kellerborn 
zwischen Spieskappel und Ebersdorf) 434 , oder ein 
Loch in einem Hohlwege (Ropperhausen) 433 als 
Eingang zu ihrer Wohnung. Übler diese selbst weiß 
die hessische Überlieferung irertig, fast nichts: als 
„schönen Saal" 436 , als „Helles, geräumiges Ge 
mach" 437 kennzeichnen sie die wenigen Bevor 
zugten, denen es vergönnt war, bis zu ihr vor 
zudringen. Eine Quelle gar 433 Ml wissen, sie 
hätten auf (soll wohl heißen „in") dem Bilstein 
ein „Schloß" gehabt, das durch einen vom Wichtel- * 132 133 134 135 136 * 138 
434 Curtze 228. 
132 Wie vor. 
133 Curtze 228. 
134 Pfister 45 Nr. 5. 
135 Pfister 46 Nr. 6 . 
136 Lynker Nr. 88 (jSchaumburg). 
43,7 Lynker Nr. 71 (Frankenberg). 
138 Lynker Nr. 74. Die verhältnismäßige Dürftig 
keit der hessischen Überlieferung hinsichtlich der Be 
schaffenheit der zwergischen Behausung wird in erwünsch 
ter Weise ergänzt durch einen Bericht aus .Südhanno 
ver, der im Jahre 1473 einen Studiosus Theologiä in 
das unterirdische Reich der Zwerge eindringen und dort 
eingehende Wahrnehmungen machen läßt. Der Bericht 
gewinnt für uns noch dadurch an Interesse, daß er sich 
an sozusagen „althessischen Boden", nämlich an die 
einst in langjährigem Besitz der hessen-kasselschen Land 
grafen befindliche Burg Plesse bei Göttingen heftet. 
Man sehe die Sage bei Eckart, Südhannoversches Sa 
genbuch 106/108. 
stein bei Witzenhausen ausgehenden und unter 
Fahrenbach hindurchlaufenden unterirdischen Gang 
zu erreichen gewesen wäre. Einstimmig sind alle 
Berichte darin, daß die Wichtel gesellig, als 
„Stämmchen" 433 oder „Völklein" 443 Hausen, die 
aber oft eine gewisse nachbarliche Verbindung 
unterhalten 444 . Allzu geringzählig werden wir 
uns dabei diese Sippenverbände nicht denken dür 
fen, denn ein Bauer aus Singlis, ber bei dem Ab 
oder Umzug eines von ihnen mitwirkt, sieht, sobald 
ihm die Augen geöffnet werden, daß das weite 
Feld voll von Wichtelmännchen ist 442 , und eine 
Quelle aus dem thüringisch-hessischen Grenzgebiet 
berichtet, daß es um den Wackenhof bei Kupfersuhl 
vordem von Wichteln „gewiebelt und gewabelt" 
habe 443 , desgleichen eine andere von ebenda, daß 
im Hügel Scherbeda (zwischen Förtha und Ober 
ellen) die Wohnung unzähliger Wichtel ge 
wesen sei 444 , aber auch ein rein hessischer Be 
richt 443 redet von vielen Tausenden von Wichteln, 
die eines Nachts den Wichtelstein bei Witzen 
hausen verlassen hätten und über die Werra ge 
zogen wären. 
_ (Schluß folgt.) 
439 Pfister 43 Nr. 2 . 
443 Hoffmeister 81. 
444 Lynker Nr. 81. 
442 Lynker Nr. 82; Grimm D. M. I 4 , 380. 
443 Wucke I, 117. 
444 Wucke I, 121 . 
443 Lynker Nr. 74. 
Chevalier Andrea de Nerciat. 
Von Ä. W o r i n g e r. 
(Schluß.) 
Die Bibliothek, der Nerciat nun als Unter- 
bibliothekar angehörte, hatte er zunächst über 
haupt nicht besucht. Nach einiger Zeit zog ihn 
aber sein nunmehriger Vorgesetzter Luchet zum 
Dienste heran. Mit vereinten Kräften gingen 
beide an die Neueinrichtung ber Bibliothek, die 
damals gerade aus ihren bisherigen Räumen im 
ersten Stockwerk des Marstalls am Marställer- 
platz in die oberen Räume des neuerbauten Mu 
seum Fridericianum, in dem sie sich noch heute 
befindet, verlegt wurde, und an die Aufstellung 
eines neuen Katalogs. Weder Luchet noch Nerciat 
hatten die geringste Kenntnis vom Bibliotheks 
wesen. Aber das machte ihnen keinen Kummer. 
Mit Hilfe einiger Schreiber, die ebensowenig da 
von verstanden als die beiden Bibliothekare (es 
waren ein ehemaliger französischer Komödiant, 
zwei bisherige Bediente, ein entlassener Laternen 
inspektor, ein mit Rechen- und Schreibunterricht 
sich ernährender Handelsmann und ein Unter 
offizier von der ersten Garde), wurde ein neuer 
Katalog aufgestellt, der in seiner Anlage gegen 
jede Regel der Bibliothekswissenschaft verstieß. Zu 
dem wurden aber auch noch innerhalb dieser ver 
fehlten Einteilung die einzelnen Bücher vielfach 
völlig verkehrt eingeordnet. So fanden sich bei 
spielsweise ein Werk über Freimaurerei unter 
Genealogie, Kurs- und Wechseltafeln unter Di 
plomatik, eine Historia orientalis unter Geschichte 
von Holland, ein Werk über Roßarzenei unter 
Kunstgeschichte, Ciceros Briefe unter Kirchenge 
schichte usw. Am meisten belacht wurde aber in 
Fachkreisen die Einteilung der Geschichte in 81- 
storla Europaeana und Historia Exeuropaeana. 
Der Landgraf war mit allem diesem Treiben 
der beiden Franzosen einverstanden, um so mehr, 
als Nerciat unter seiner in der Bibliothek auf 
gestellten Büste die Verse anbrachte:
	        

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