Full text: Hessenland (32.1918)

ohne Jahreszahl), Großenbach (1749), Mackenzell 
(1791), Odensachsen (1771), Rhina (1658), Ro 
thenkirchen (2 Glocken 1775 und 1787), die drei 
Glocken zu Oberstoppel (1780) usw. 
Die größere Glocke der Gemeinde Ransbach 
aus dem Jahre 1778 mit 6 geschwungenen Hen 
keln trägt am Hals zwischen Linien in lateinischen 
Großbuchstaben die Inschrift: 
8. J. Schreiber in Allendorf goss mich der Ge 
meinde Ransbach anno 1778. 
In der Mitte des Mantels steht: 
Mensch, denk bei jedem Glockenschlag 
An deinen jüngsten Tag, 
Befiehl dich in Gottes Hände, 
Sei ihm getreu bis an dein Ende. 
Den unteren Mantel zieren 4 Engelköpfe. Der' 
Glockengießer G. I. Schreiber dürfte ein Nach- 
komme des Glockengießers Johann Justus Schrei 
ber aus Allendorf an der Werra sein, der nach 
Ottes Glockenkunde S. 209 1664 die Glocke von 
Brevörde (Sfr. Hameln) goß. Die Ransbacher 
Glocke ist wegen ihres künstlerischen Wertes durch 
den Herrn Bezirkskonservator aus der Klasse B, 
der sie zeitlich angehört, in die Klasse 0 überschrie 
ben und von der Beschlagnahme befreit worden. 
Die letzte Glocke des 18. Jahrhunderts ist die 
südöstliche Glocke im Kirchturm zu M e ck b a ch aus 
1788. Am Hals zwischen Schnüren findet sich 
in gotischen Majuskeln die Inschrift: 
DER GEMEINDE MECKBACH GEHOERE ICH 
CHRIST PETER ZU HOMBERG GOS MICH. 
Unter der Schriftreihe ist ein Blumenkranz an 
gebracht. 5 geschweifte Henkel tragen die Glocke. 
Am Mantel bemerken tvir zwei gekreuzte Schlüs 
sel in einem Schild, die Glockengießermarke der 
lFamilie Peter, die sich auch aus den oben er 
wähnten Glocken von Christian und Könrad Peter 
wiederfindet. 
Unter den 16 Glocken des 19. Jahrhunderts sind 
nur wenige bemerkenswert. Die meisten sind mit 
dem Namen und Wappen der Stifter, den Namen 
der Pfarrer und Kirchen ältesten oder Gemeinde- 
verordneten und Laubfriesen, Engelsköpfen und 
dergleichen in oft aufdringlicher Weise geschmückt, 
während der Klang der Glocken zuweilen unter 
der Anhäufung von Zierat leidet. Als Inschriften 
werden neben Bibelstellen und Kirchenliedern häu 
fig gereimte Sprüche weltlichen Inhalts bevor 
zugt. 
Die von der Ablieferung vorläufig befreite ein 
zige Glocke von H il l a r t s ha u s e n aus dem 
Jahre 1816 trägt die Inschrift: 
1. Reihe: Für die Gemeinde Hillartshausen. 
2. Reihe: Dem grossen Gott allein soll alle 
Ehre sein. 
Darunter der Name des Gießers: Balthasar 
Bittorf und dessen Söhne in Seligental. Von 
Jakob Bittorf stammen außer der jetzt beschlag 
nahmten Gymnasialglocke (1831) die beiden Glocken 
von Motzfeld (1841), die kleinste der 3 Glocken 
von Ransbach (1822), die kleinere Glocke von 
Wölfershausen (1826), von Wilhelm und Heinrich 
Bittorf die Glocken von Neumorschen (1847), 
Rotensee (1847) und von Niederaula (1847). 
Die letztere Glocke ist am Mantel reich verziert 
durch Girlanden mit Naturabdrücken von Früch 
ten, an den Henkeln durch Männerköpfe. Die In 
schrift in Antiqua lautet: 
Ehre sei Gott in der Höhe. 
Darunter: 
Zu der Zeit als Herr Landrat von Specht zu Hersfeld 
Herr Bürgermeister Y. Nuhn zu Niederaula 
und Herr Pfarrer Walper zu Niederaula waren, 
Bürgermeister Webnes zu Cleba, 
Bürgermeister Kaiser zu Solms, 
gossen mich Wilhelm und Heinrich Bittorf in 
Seligenthal 
für das Kirchspiel Niederaula. Anno 1847. 
Die Motzfelder Glocke aus dem Jahre 1841 ist 
ähnlich reich verziert mit Weinranken am Mantel 
und Lanbfriesen am Hals, mit Männerköpfen an 
den 6 Henkeln. Ebenso steht am oberen Hals Ehre 
sei Gott in der Höhe! und am Mantel der schlecht 
stilisierte weltliche Vers: 
Von des Turmes Höhe 
Ruf ich Euch Christen schön 
Zum Mahl des Lebens 
Zu Gottes heilgeu Hallen 
Ruf ich Motzfeldern allen 
Nur nicht vergebens. 
Ihre Zwillingsschwester aus demselben Jahr 
trägt am Hals die Inschrift: 
Und Eriede auf Erden! 
Und darunter am Mantel: 
Ich sing die reine Terz 
In sanft harmon'schem Ton, 
Doch dieses macht mir Schmerz, 
Wer Gott veracht mit Hohn. 
Auch auf der Ransbacher Glocke von 1822 ist 
Jakob Bittorf mit einem gereimten Spruch welt 
lichen Inhalts vertreten: 
Ich will läuten und will klingen, 
Bis ihr werd im Himmel singen. 
Darunter am unteren Mantel: 
Zu der Zeit als Mr. (d.h Magister) Jost Schmidt pastor 
Peter Sippel Schullehrer 
Wilhelm Deisenroth schultheiss waren, 
goss mich der Gemeinde Ransbach Jak. Bittorf in 
Seligenthal anno 1822.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.