Full text: Hessenland (32.1918)

ZS8L. 148 §*SäSb 
danke, von betn ich ausging, war vielmehr der, 
daß jener Verkauf an Alexander zwar rechts 
widrig gewesen war, aber immerhin hatte der Zar 
eine für die damalige Zeit namhafte Summe ge 
zahlt, um in den Besitz der Bilder zu kommen. 
Daher beantragte ich, durch Rückkauf das vor 
100 Jahren an der Kasseler Galerie begangene 
Unrecht aus der Welt zu schaffen. Nicht mit Ge 
walt zurücknehmen, sondern zurückkaufen wollten 
wir unsere Bilder. Ich glaube in der Annahme 
nicht fehl zu gehen, daß den russischen Unter 
händlern in Brest; tatsächlich ein solcher Vor 
schlag gemacht worden ist. 
Was ich gegen Ihre Ausführungen vorzu 
bringen habe, ist hiermit erschöpft und ich könnte 
demnach schließen- Wenn ich es nicht tue, son 
dern noch ein paar Worte folgen lasse, so ge 
schieht es, um das Andenkeir des Fürsten, dem 
Kassel seine kostbare Galerie verdankt, gegen einen 
völlig ungerechtfertigten Zweifel, beit Sie laut 
werden lassen, in Schutz zu nehmen. Indem Sie 
vom Kurfürsten Wilhelm I. sprechen, schieben Sie 
eine Klammer ein, die die Frage enthält: „Wer 
weiß, wie sein Ahn sie (die Bilder) einst erwarb?" 
Vergebens habe ich mich gefragt, welchem Zweck 
der eingeschobene Satz dienen soll. Wußten Sie 
nichts von diesen Dingen? Dann blieb Ihnen 
zweierlei. Entweder Sie schwiegen, oder Sie 
machten sich die Mühe, einen größeren Katalog 
der Galerie zur Hand zu nehmen. In dem vor 
züglichen des Jahres 1888, den Oskar Eisenmann 
verfaßt hat, hätten Sie eine ausführliche Darstel 
lung der Geschichte der Galerie, namentlich der 
bedeutendsten Erwerbungen unter dem Landgrafen 
Wilhelm VIII. gefunden, aber auch in dem kleinen 
Katalog von 1913, für den ich verantwortlich bin, 
würden Sie sich rasch haben unterrichten können. 
Sie würden sich überzeugt haben, daß der hessische 
Fürst, als passionierter Sammler hinter keinem 
der großen Sammler des 18. Jahrhunderts zu 
rückstehend, auf völlig rechtmäßige Weise, für gutes 
Geld, seine Kostbarkeiten ans dem Wege des Kunst 
handels, namentlich in Belgien und Holland, aber 
auch in Paris und Frankfurt zusammengebracht 
hat, daß kein Makel irgendwelcher Art, wie er 
z. B. auf der Ermitage durch die Malmaison- 
Bilder lastet, seine Sammlertätigkeit befleckt. Sie 
hatten kein Recht, das Andenken dieses Fürsten, 
der sich durch die Schätze, die er zusammenge 
bracht, um unser deutsches Vaterland, das sein 
Erbteil zu eigen besitzt, hochverdient gemacht hat, 
auch nur durch den Schatten eines Zweifels zu 
trüben; Sie würden nicht in der Lage sein, solchen 
Zweifel irgendwie zu rechtfertigen. 
Ich finde vielmehr, die großartige Sammler 
leistung dieses Mannes verpflichtet uns, die der 
Zufall in diese Zeit gestellt hat, sein Andenken 
dadurch zu ehren, daß wir uns bemühen, alle, ein 
jeder an seiner Statt und nach seinen Kräften, 
das wieder zu gewinnen, was Wilhelms VIII. Ga 
lerie 1806 und 1815 widerrechtlich entzogen wor 
den ist. Sie haben es vorgezogen, einer leidigen 
deutschen Gewohnheit folgend, die kein Ausländer 
je verstehen, geschweige denn teilen wird, nicht die 
Rechtsgründe zu vertreten, die unsere Sache 
stark machen, sondern sich ganz auf den Stand 
punkt der anderen Partei zu stellen. Das hat ein 
Ausländer, ein Franzose, schon 1815 mit begreif 
lichem Erstaunen beobachtet. Jacob Grimm hat 
uns den Ausspruch erhalten, den der damalige 
stellvertretende Direktor des Louvre, Quatremore 
de Quincy, tat, als er die Ängstlichkeit' der Deut 
schen bei den Reklamationen sah: die Deutschen 
schämten sich mehr bei der Zurückforderung des 
Raubes, als seine Nation bei der Wegnahme des 
selben getan hätte. 
Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung 
habe ich die Ehre zu sein Ihr ganz ergebener 
vr. Georg Gronau, 
Kgl. Galeriedirektor. 
Waffenlied der grauen. 
Noch feget ein Eisenbesen 
Weit über Gottes Land, 
Noch legt der alte Hader 
Die Erde rings in Brand. 
Wir aber schmieden die Waffen, 
Für euch, ihr Brüder, in Ruh'. 
Wir drehen die sausenden Räder 
Und singen ein Lied dazu. 
Ein Lebenslied auf den Lippen 
Und doch in des Todes Sold — 
Wir füllen die Kisten und Kasten 
Mit gleißendem Todesgold! 
Denn Heiliges, Hohes und Falsches 
Muß sterben erst und vergeh'n, 
Soll aus der roten Lohe 
Ein neues Geschlecht ersteh'n! 
Doch wenn dann der Tod bereitet 
Der neuen Ernte den Plan - 
Wenn siegreich über die Höhen 
Die grauen Reiter nah'n 
Dann sollen die Bänke ruhen; 
Dann sollen die Räder steh'n. 
Dann wollen wir euch, ihr Brüder, 
Frohlockend entgegengeh'n. 
Dann sollen Meere von Blüten 
Weh'n über Berg und Tal, 
Dann rüsten die Schwestern den Brüdern 
Fm festlichen Saale das Mahl. 
Dann wollen wir lachend uns stellen 
Fn des siegenden Lebens Sold — 
Dann wollen wir schmieden und hämmern 
Eine Krone von lauterem Gold! 
Tilly Buß. 
Darmstadt.
	        

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