Full text: Hessenland (32.1918)

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mein lebhaftes Bedauern, daß ich Ihren Wün 
schen nicht besser zu entsprechen vermag, zu 
gleich aber auch die Versicherung, daß es mir 
zum großen Vergnügen gereicht, die bei Ger 
lachsheim angeknüpfte, leider nur flüchtige Be 
kanntschaft bei dieser Gelegenheit erneuern zu 
dürfen. Ich verbleibe 
Euer Hochwohlgeboren 
ganz ergebenster Diener 
Graf Neipperg F.--M.--L. 
Kommandant der 14. Armee-Division. 
Sv bliebe:: also auch die Husaren ohne Feld 
zugsabzeichen. 
Gewissermaßen, wenn auch, nicht im vollen 
Sinne, gehört hierher schließlich noch die im Jahre 
1913 zur Erinnerung an das 100 jährige Be 
stehen der kurhessische:: Regimenter von Sr. Maje 
stät dem Kaiser gestiftete „Kurhessische Jubiläums- 
Medaille". Sie trägt auf der Vorderseite den 
hessischen Löwen, auf der Rückseite die Angabe 
des Stiftungstags der einzelnen Regimenter und 
wird am Bande des Allgemeinen Ehrenzeichens ge- 
trageu. Sie wurde allen denen verliehen, die in 
der kurhessischen Garde, dem 1. bis 3. Infanterie- 
Regiment, dem Jägerbataillon, der Gardedukorps, 
dem 1. und 2. Husaren-Regiment und im Ar 
tillerie-Regiment gedient hatten. 
—— —— 
Cividale und die heilige Elisabeth. 
Von Prof. Dr. Karl SS e ins. 
Anläßlich der Einnahme Cividales durch deutsche 
Truppen handelt eine Notiz im Feuilleton der 
„Franks. Ztg." „Cividale und Walther von der 
Vogelweide" (Abeudbl. v. 3. Novbr.) von dem hoch 
willkommenen urkundlicheir Zeugnis, das die 1874 
im Kapitelarchiv zu Cividale aufgefundenen Reise- 
rechnungen Bischof Wolfgers von Passau für 
Walther und dessen Beziehungen zu jenem treff 
lichen Kirchenfürsten bieten. Die Rechnungen wa 
ren, wie erwähnt, in jenes Archiv gelangt durch 
den Zufall der Berufung Wolfgers zum Patri 
archen von Aquileja. Kurz nach ihnen aber sind 
ebendahin zwei Prachtwerke deutscher Kunst ge 
kommen; und von diesen hoher: Schätzer: deut 
scher Buchmalerei, dem Psalter der heiligen Eli 
sabeth und dem Psalter Erzbischof Egberts vor: 
Trier, den: Ooäex Gertrudianus, will ich hier 
ein kurzes Wort sagen. Sie verdienen es, und 
in besonderem Maße gilt von ihnen das Wort 
„Bücher haben ihre Schicksale". So haben sie auch 
nicht durch Jahrhunderte das gleiche verborgene 
Dasein geführt wie jene Reiserechnungen Wolfgers. 
Recht eingehend allerdirrgs hat sich die Forschung 
erst im letzten Menschenalter mit ihnen beschäf 
tigt. 
Unter kulturellem Gesichtspunkt ist ihre Über 
tragung ins Friauler Land schwerlich als vorbe 
dacht einzuschätzen, wenn auch eine um 1500 in 
den Egbertpsalter gemachte Eintragung die An 
regung des Patriarchen Bertold von Aquileja an 
die Spenderin Elisabeth von Thüringen, seine 
Nichte, bezeugt. (Näher liegt es vielleicht, an 
zunehmen, daß Bertold sich zur Empfehlung sei 
ner Bitte darauf berufei: habe, der Psalter Egberts 
werde bei ihm, dem Patriarchen von Aquileja, 
sich zu dem berühmten noch viel älteren „Evan 
geliar" gesellen, von den: man im Mittelalter er 
zählte, es sei von des Markus eigner Hand ge 
schrieben — auch dies findet sich noch heute in Civi 
dale.) Wir wissen ja nicht, auch nach den For 
schungen Walter Lenels (Benezianisch-Jstrische 
Studien, Straßburg 1911), ob Bertold plan- 
u:äßig die Förderung deutscher Kultur in seinem 
welschen Landesstaat u::ternommen hat. Nur daß 
auch im Hause der Herzöge von Andechs-Meran, 
den: er angehörte, Förderur:g der Dichtkunst und 
der Dichter damals heimisch war, ist bekannt. 
Vorbedingung aller jener Verpflanzungen war 
aber die enge politische Genreinschaft des Patri 
archenstaats mit Deutschland in jener Zeit. Noch 
einmal haben Mitglieder des deutschen Adels die 
Patriarchenwürde innegehabt, zum letztenmal, nach 
ihnen verfiel sie Italienern. Wolfger von Ellen- 
brechtstirchen aus altem bayerischen Adelsgeschlecht 
und Bertold aus den: Hanse der Herzöge von 
Andechs-Meran haben zusammen fast ein halbes 
Jahrhundert (1204—1218—1251) gewaltet, zu 
meist in engster Fühlung mit den Inhabern der 
deutschen Krone und zugleich als Vorkämpfer des 
Reichs in Jtalier:. Bertold war der Bruder der 
Königin von Ungarn, der Mutter von St. Els- 
beth. Als überaus jugendlicher Erzbischof von 
Colocza in Ungarn war er von dieser Schwester 
und ihrem schwachen Gatten, dem König An 
dreas von Ungarn, in einer Weise begünstigt und 
mit weltlichen Ämter:: versorgt worden, daß Neid 
und Mißgunst gegen ihn, Groll gegen das Königs- 
paar emporstieg. Diese Stimmung wurde der 
hauptsächlichste Grund einer Verschwörung un 
garischer Großen und der Ermordung der Königin 
Gertrud im Jahre 1213. 
Auch als Patriarch von Aquileja hat Bertold 
dann binnen kurzen: Aufruhr und Empörrmg 
wider sich entfacht. Ebenso wie der Egbertpsalter
	        

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