Full text: Hessenland (32.1918)

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Freude, die Überraschung und die Furcht auf den 
vierundzwanzig Gesichtern in die beste Laune ver 
setzten, so daß er sich nur ungern von seinem dank 
baren Publikum trennte. 
Bevor es zum Abschied kam, brachten die Schwe 
stern „einige Proben ihres Künstsleißes, vortreff 
liche Nonnen-Seufzer, süß und gewürzhaft, zierliche 
Herzen und Körblein aus Silberdraht, Stickereien 
u. dgl. m." Das ganze Kloster-Personal geleitete 
die Gäste auf den Chor, wo eine Schwester die 
Orgel spielte, während eine andere ihr gefällig 
die Bälge trat; auch einige Zellen wurden den 
Fremden gezeigt, „freundliche Gemächer, aus denen 
der Geist eines stillen Friedens jeden Eintretenden 
unverkennbar ansprach, sogar die Küche mußte die 
,Frau Professorin' sehen," und die Glocken, die 
die Schwestern zum gemeinsamen Fastenmahle rie 
fen, tönten ihnen und ihren Gästen viel zu früh. 
Gedichte 
von H. Bunge, Leutnant d. 9t., zurzeit im Felde. 
Fn der Hölle von Monldidier. 
Wir brachen vor — zu weit, zu weit, 
viel hundert Hindernisse breit 
vermochten nicht zu halten 
den Ingrimm, Grenadierer Mut; 
im Feuer sank das Heldenblut, 
wo wir auf Feinde prallten. 
Da vorne ragt das Ziel — 
die Höhen bei Mesnil. 
Wir brechen durch in Hast und Eil 
und treiben wütend unsern Keil 
in unsrer Feinde. Mitte. 
Doch an der Flanken Überlast 
wir werden hinterrücks erfaßt 
vom Donnertodestritte. 
Der Tapfern Blüte fiel 
am Berghang bei Mesnil. 
Wir brachen nieder in der Schlacht, 
in tückisch welscher Niedertracht 
von Eisenflut umschmettert. 
Der Heldenleben kleiner Rest 
zu neuem Sturm sich enger preßt, 
ob's noch so brüllt und wettert! 
Es gilt das alte Ziel — 
die Höhen bei Mesnil. — — 
Karfreitag am Grabe meines Bataillon 
kommandeurs und zweier Offiziere. 
Hebt an ein großes Weinen! — 
Der Tod fuhr wild in uns hinein. 
Er hat fein Ziel gefunden 
in bitterschweren Wunden, 
der Helden Beste mußten's sein! 
Hebt an ein tiefes Klagen! 
Wir steh'n an unsrem Golgatha, 
wo sich bei harten Stürmen 
die Männerhügel türmen, 
wie sie die Welt noch niemals sah. 
Hebt an ein innig Beten! — 
Eine neue Gruft ist aufgetan; 
nach mörderischem Streiten 
die treuste Seele leiten 
wir schmerzgebeugt nun himmelan. 
Hebt an ein heilig Freuen! — 
Karfreitagssonne endet bleich. 
Nach Bluterlösungsqualen 
soll neue Sonne strahlen 
dem auferstand'nen Deutschen Reich. — 
Vor Ham. 
Als roter Wimpel sank der Mond — 
Es ist die Nacht —, 
wo es sich lohnt: 
Da wird kein Britenherz geschont 
für jahrelange Niedertracht. 
Erloschen ist des Mächtigen Welt 
in schwarzem Dunst. 
Er war gestellt 
auf Goldgranit, daran zerschellt 
der Freundschaft Dank, der Liebe Gunst. 
Der Auferstehung ew'ge Uhr 
hebt an zum Schlag. 
Zur Unnatur 
trieb uns der Heimat Hungerschwur, 
er steigt empor zum Rachetag. 
Die Stunde der Entsetzlichkeit 
entfacht die Wut 
Wir sind bereit, 
im Feuermeer viel Meilen iveit 
zu fordern, Engelland, dein Blut. 
Kindergedanken. 
Mein Vater ist ein Grenadier 
im bösen Welschland drüben. 
Und daß er gar so ferne mir, 
will mir das Herz betrüben. 
Mein Vater sitzt im Trümmerschloß 
und auch im tiefen Graben. 
Doch soll kein feindliches Geschoß 
ein' Anteil an ihm haben! 
Ich will mit meinem Herzelein, 
mit meinen Kinderhänden 
als lieber Engel um ihn sein, 
ein Unheil abzuwenden. 
— Doch wenn vorbei der schlimme Krieg, 
Der letzte Schuß gefallen, 
vom Frieden und vom großen Sieg 
Fanfaren hell erschallen, 
dann kommt als Königsgrenadier 
mein Vater hoch zu Pferde. 
Den ersten Kuß kriegt er von mir 
aus deutscher Heimaterde.
	        

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