Full text: Hessenland (31.1917)

73 ssasä. 
Auch in der seit 1647 hessen-kasselschen Grafschaft 
Schaumburg hat der Hexenwahn schrecklich gewütet, 
zumal man hier eine besonders grausame, von 
Göhausen, einem Professor der Rechte an der Rin- 
teler Universität, im Jahre 1630 herausgegebene 
Anweisung zur Hexenverfolgung dem Verfahren 
zu Grund legte. Namentlich aus dem Jahre 1654 
liegen im Hessischen Staatsarchiv zahlreiche Rin- 
teler Hexenprozeßakten. Verhaftung und Verhör 
lagen formell dem Bürgermeister und Rat ob. Das 
Protokoll wurde daun der Rechtsfakultät vorge 
legt, die selbstredend die Angeschuldigten zur Be 
fragung durch die Folter verurteilte. Erboten sich 
diese in ihrer Angst zur Wasserprobe, so war ja die 
Weser bequem zur Hand: sie wurden dann zwei 
mal an Händen und Füßen kreuzweis gebunden, 
einmal ungebunden ins Wasser hinabgelassen. 
Meist schwammen sie und wurden nun von der 
Fakultät erst recht der Folter überantwortet. 
Waren durch diese die erwarteten Geständnisse 
herausgequält, so hielt die Fakultät auf offenem 
Markt das Schlußgericht, worauf die unglücklichen 
Opfer entweder noch einmal für einige Tage ein 
gekerkert oder sofort dem Scheiterhaufen über 
liefert wurden. 
1654 Hexenprozeß zu Nieder-Wildungen.^) 
In Nieder-Wildungen wurde 1654 die Frau 
eines Bartscherers angeklagt und peinlich befragt. 
Am Morgen nach der Folterung fand man sie 
tot in ihrem Gefängnis. Ihr Leichnam wurde 
von einem Scharfrichter in einen Sack gesteckr 
und verscharrt. 
1655 Hexenprozeß zu Marburg?«) 
1655 Hexenprozeß zu Nieder-Wildungen?^) 
Das Urteil lautete auf Verbrennung und wurde 
ausgeführt. (Ob es sich dabei um ein oder mehrere 
Personen handelte, ist aus Curtze nicht ersichtlich.) 
1656 Hexenprozeß zu Corbach??) 
1656 Hexenprozeß zu Arolsen?«) 
1656 Hexenprozeß zu Nieder-Wildungen?^) 
Dort wurde (nach Curtze 544) eine Person ge 
foltert, desgleichen (nach S. 545) eine andere 
verbrannt, eine dritte mit dem Schwert hingerichtet, 
ihre Leiche verbrannt. 
1656 Hexenprozeß zu Landau?«) 
Die angeschuldigte Person, eine Frau, wider 
stand der Folter) „hat aber hernach gestanden." 
s») Curtze 546, 548. 
9v) Soldan-Heppe II, 106; Tiedemann, Hess. Beitr. 
z. Gelehrsamkeit und Kunst II, 577/605. 
61) Curtze 545, 548. 
62) Curtze 548 (ohne nähere Angaben). 
69) Wie 62. 
6*) Curtze 544, 545, 548. 
«st Curtze 545, 548. 
1656 Hexenprozeß zu Rhoden.66) 
Der Verdächtigte war „Werwolf" geschimpft 
worden. Das genügte, um ihn ins Gefängnis zu 
bringen. Er versuchte, seine Unschuld durch die 
Wasserprobe zu erweisen und wurde daher im Bei 
sein von einigen Tausend Menschen im Wrexer 
Teich geschwemmt. Das erste und zweite Mal 
blieb er etwas unter Wasser, das drittemal aber, 
als man ihn ungebunden aufs Wasser warf, 
schwamm er. Er wurde nun gefoltert, hielt aber 
fünfviertel Stunden lang die entsetzliche Pein aus, 
ohne etwas zu bekennen. Erst als man ihn am 
anderen Tage mit neuer Folterung bedrohte, ge 
stand er, erhing sich aber nachts darauf im Ge 
fängnis. 
1656 Hexenprozeß zu Sachsenhausen in Wal 
deck? 7 ) 
1656 Hexenprozeß zu Waldeck?«) 
1657 Hexenprozesse zu Arolsen und Corbach.69) 
1657 Hexenprozeß zu Rhoden?") 
Die angeklagte Frau gestand, wie natürlich, 
tu dem ersten am 5. Mai mit ihr abgehaltenen 
Verhör nichts. Am 17. Juli wurde sie deshalb 
zur Folter verurteilt, ihr aber zugleich ein Tag 
Bedenkzeit gegeben. Die Aussicht auf die ihr bevor 
stehenden Qualen übte die erwünschte Wirkung: 
sie gestand im voraus und wurde zum Feuertod 
verurteilt, dann zum Schwert begnadigt. Auf 
S. 545—46 verzeichnet Curtze für Rhoden zu 
1657 zwei Hinrichtungen durch das Schwert. In 
einem Fall wurde der Leichnam verbrannt, im 
anderen begraben. Ob einer von den beiden Fällen 
and welcher für den obigen Prozeß gilt, ist nicht 
ersichtlich. 
1657 Prozeß gegen einen Einwohner von Bas 
dorf (Waldeck)?i) 
Im Jahre 1657 wurde ein Mann aus Basdorf 
wegen Hexerei ins Gefängnis geworfen und ge 
foltert. Er entwich, wurde aber nach einen: halben 
Jahr im Lippischen wieder aufgegriffen, nach Wal 
deck. zurückgebracht und auf dem Eisenberge ge 
richtet. 
1657 und 1659 Hexenprozesse in Wildungen. * 61 62 * * * * 67 * * 70 71 72 ) 
Die Angeklagten, zwei Männer, widerstandet: 
der Folter. Der eine war aber dermaßen übel 
zugerichtet, daß er drei Tage danach im Gefäng 
nis starb. Über das Schicksal des anderen sagt 
Curtze nichts. 
66) Curtze 540, 542, 545, 548. 
67 ) Curtze 548 (ohne nähere Angaben). 
66) Curtze 548 (ohne nähere Angaben). 
69) Curtze 544 u. 548. (Nur Angabe, daß Personen 
gefoltert wurden.) 
70 ) Curtze 544, 548 u. 545/46. 
71 ) Curtze 547. 
72 ) Curtze 545.
	        

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