Full text: Hessenland (31.1917)

§^6 72 §*5^ 
zwei verdächtigte Weibspersonen, um den Ge 
fängnis- und Folterqualen zu entgehen, freiwillig 
erboten, ihre Unschuld durch die sog. „Wasser 
probe" zu erweisen. Bei Anwendung derselben 
wurden die Angeschuldigten mit kreuzweise ge 
bundenen Händen und Füßen an einem Seil in 
einen Fluß oder Teich hinabgelassen. Gingen sie 
unter, so galten sie als unschuldig, andernfalls 
als schuldig. Die beiden Waldeckerinnen hatten 
das Mißgeschick zu schwimmen, sie wurden des 
halb verbrannt. Hinsichtlich Berndorf weiß Curtze 
zu berichten, daß 1641 eine aus diesem waldeckischen 
Ort stammende Frau gefoltert und hingerichtet 
wurde. 
1642 Prozesse zu Corbach, Arolsen und Wil 
dungen?«) 
In Corbach unterzogen sich wieder zwei Frauen 
der Wasserprobe. Da das Ergebnis auch für sie 
ungünstig ausfiel, erging es ihnen wie ihren Lei- 
densgenossinen von 1641, d. h. sie wurden ver 
brannt. Für Arolsen und Wildungen weiß Curtze, 
oaß daselbst 1642 Verurteilte mit dem Schwert 
gerichtet, dann ihre Leichen verbrannt wurden. 
In Wildungen wurden Gefangene gestäupt, dann 
des Landes verwiesen. 
1648 Hexenprozeß in Hessen-Kassel?«) 
Eine Bettlerin aus Bottendors bei Franken 
berg hatte sich des Abfalls von Gott schuldig 
gemacht und überdies die Bauern geschädigt, in 
dem sie deren Vieh behexte, Mäuse machte 
u. dgl. m. Selbstredend kam die arge Zauberin 
zu dem verdienten Lohn, d. h. sie wurde hinge 
richtet. 
1650 Hexenprozesse zu Nieder-Wildungen und 
Landau?^) 
In Landau stellten sich zwei verdächtigte 
Frauenspersonen zur Wasserprobe. Beide schwam 
men, sie wurden daher eingekerkert, schließlich aus 
dem Amtsbereich ausgewiesen. Für Wildungen 
verzeichnet Curtze für 1650 Hinrichtung durchs 
Schwert mit anschließender Verbrennung des Leich 
nams. Nähere Angaben inacht er dazu nicht. 
1650—1653 Zweiter Hexenprozeß zu Lindheim 
(Wetterau)?«) 
In diesen zweiten Lindheimer Prozeß wurde 
nach und nach das ganze Dorf verwickelt, so daß 
er einer ganzen Anzahl von Männern und Wei 
bern das Leben kostete. 
1651 Hexenprozeß zu Wildungen. * 50 51 52 53 * ) 
«) Curtze 542, 544, 545, 547, 548. 
50 ) Soldan-Heppe II, 104. 
51 Curtze 542, 548. 
52 ) Tewaag, Erzählungen, Märchen, Sagen und 
Mundarten aus Hessen, 27. 
53) Curtze 547. 
Gefangene wurden gestäupt und des Landes 
verwiesen. 
1652—1659 Hexenprozesse in Bingenheim (Wet 
terau). 
Das Amt Bingenheim oder die Fuldische Mark 
(heute zum Kreis Büdingen gehörig) war 1648 
von Georg II. von Hessen-Darmstadt an seinen 
Schwiegersohn Wilhelm Christoph, Sohn Fried 
richs I. von Hessen-Homburg, abgetreten worden, 
der von da an als „Landgraf zu Hessen-Bingen 
heim" in Bingenheim seinen Sitz nahm. Zu 
Bingenheim gehörte das eine halbe Stunde ent 
fernt gelegene Echzell. Beide Orte wurden von 
1652—1659 durch Hexenprozesse schrecklich heim 
gesucht. Nach einem Gerichtsverzeichnis von Bin 
genheim wurden in den genannten Jahren nicht 
weniger als sechsundfünfzig Personen, davon etwa 
drei Viertel aus Echzell, abgetan, meist durchs 
Schwert, ihre Leichen verbrannt, die Asche be 
graben. Nur einige Mädchen, die noch Kinder 
waren und die daher als Verführte galten, wurden 
gleich nach ihrer Enthauptung in Särge gelegt 
und an der Kirchhofsmauer zu Echzell begraben?^) 
Auch der bekannte unter dem Decknamen „Kirch- 
berg" schreibende hessische Romanschriftsteller Eber 
hard Werner Happel (f 1690), der vom Früh 
jahr 1659 bis Herbst 1663 die angesehene Schule 
zu Echzell besuchte^), kennt dadurch aus erster 
Hand diese greulichen Dinge. Als er „in diesen 
Flecken kam / war derselbe wegen der vielen 
Zauberer und Zauberinnen hesslich berufsen / idanin 
/ auf stätes Andringen des Herrn Pastoris da- 
selbsten / der ein gewaltiger Gesetz-Prediger / 
fing der appennagierte Landes-Fürst / so nur eine 
Viertel Meile von dannen wähnte / einen schweren 
Hexen-Prozeß an / und wurden über 40 Personen/ 
Männer und Weiber / allein aus diesem Flecken 
verbrannt / darunter waren 10 Kinder zwischen 
10 und 14 Jahren .... sie wurden doch alle mit 
einander eines nach dem anderen geköpffet." 56) 
1653 Hexenprozeß zu Nieder-Wildungen? 7 ) 
Curtze redet hier von einer Hinrichtung mit 
anschließender Verbrennung und — was bekannt 
lich als geringeres Strafmaß galt — von einer 
Enthauptung mit anschließender Beerdigung des 
Leichnams. 
1654 Hexenprozesse in Schaumburg (Rin 
teln)?«) 
54) Archiv f. Hess. Gesch. u. Altertumskunde VIII, 
420. 
55) Eberhard Werner Happel. Von vr. Theo Schu- 
wirt (Marburger Diss.) S. 14/15. 
56) Kirchberg - Happels Roman „Teutscher Carl" 
S. 112. 
57 ) Curtze 545, 546, 548. 
58 ) Soldan-Heppe II, 109/110.
	        

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