Full text: Hessenland (31.1917)

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teilung, dem westfälischen 1. Regiment und 2 
bayerischen Bataillonen die Russen (1 Reserve 
bataillon und 150 Reiter) in Friedrichstadt über 
fiel. Bauer wurde mit 2 Kompagnien zur Unter 
stützung der in erster Linie vorgehenden Preußeri 
und Bayern bestimmt. Der Überfall gelang aber 
so schnell und so vorzüglich, daß die Westfalen gar 
nicht zum Schuß kamen. 11 Ofsiziere und 160 
Mann wurden gefangen genommen ' und 40 
Pferde 75 erbeutet. Im ganzen wurden 1600 Ge 
fangene gemacht und 4 Kanonen genommen, wäh 
rend die Angreifer nur 10 Tote und 20 Verwun 
dete verloren. Der Marschall sprach der Truppe 
seinen Dank aus und betonte dem Offizierkorps 
des westfälischen 1. Regiments gegenüber, daß 
das Regiment nicht daran schuld sei, wenn es dies 
mal keine Gelegenheit gefunden habe, sich hervor 
zutun. 
Das 10. Korps blieb nun wieder an der Düna 
entlang stehen, die häufig von den Russen mit 
kleineren oder größeren Truppenabteilungen über 
schritten wurde, die über das Eis gingen. We 
sentliche Kämpfe kamen aber nicht vor. 
Mittlerweile hatte sich das Schicksal der Großen 
Armee vollzogen. Völlig vernichtet, flutete sie 
zurück. Macdonald blieb darüber im Ungewissen, 
während Jork bereits am 3. Dezember 1812 durch 
den Leutnant v. Canitz, den er an. den in Wilna 
befindlichen preußischen Gesandten, General 
v. Krusemark, gesandt hatte, erfuhr, wie es stand. 
Er teilte dies sofort Macdonald mit, der ihm 
nicht glaubte, aber doch immerhin die 7. Division 
nach Bauske zurückzog, um sich für alle Fälle 
den Rückzug freizuhalten. 
Am 18. Dezember erhielt Macdonald endlich 
den.Befehl Berthiers, des Generalstabschefs der 
Großen Armee, den Rückzug anzutreten. Er ord 
nete diesen noch für denselben Tag derart an, daß 
in drei Abteilungen hintereinander in breiter Aus 
dehnung marschiert werden sollte, voran die Avant 
garde unter General Bachelu, der zahlreiche Ka 
vallerie zugeteilt war, dann die 7. Division Grand 
jean und 3500 Preußen unter General v. Massen 
bach und in 3. Linie das preußische Hauptkorps 
unter Pork. Keine Abteilung sollte morgens ihren 
Unterkunstsort verlassen, ehe die Spitzen der fol 
genden Abteilung eingetroffen wären, damit auf 
diese Weise Verbindung zwischen den einzelnen 
Marschkolonnen gehalten würde. Aber schon am 
19. warf Macdonald diese Anordnung selbst um 
75 Nach Bauer. Der Große Generalstab gibt 10 
Offiziere, 150 Mann und 80 Pferde an. 
und befahl der 1. und 2. Kolonne, ohne Aufent 
halt weiter zu marschieren. Dadurch wurde nun 
Dorf mit dem preußischen Hauptkorps durch eine 
große Lücke von den beiden ersten Kolonnen ge 
trennt. Am 22. Dezember stand Bachelu bei Kelmy, 
Grandjean, bei dem sich Macdonald selbst befand, 
bei Bulwe, Massenbach bei Kurschany, Pork bei 
Meschkuze, am 25. Bachelu und Grandjean an 
der preußischen Grenze bei Tauroggen, Massen 
bach bei Pojurske, Pork bei Koltynjany. Gegen 
die beiden ersten rückten die Russen unter Kutusow 
bereits von Tilsit aus, also von vorn, an, während 
sich der russische General Diebitsch von Norden 
her zwischen Grandjean und Pork schob und letzte 
ren abschnitt. Die Russen gingen aber nicht zum 
Angriff über, sondern zogen den beiden Abtei 
lungen des 10. Korps in dessen Marschrichtung 
vorauf. So standen denn Bachelu am 29. bei 
Ragnit, Grandjean und Massenbach bei Tilsit, 
Dorf bei Tauroggen, wo er am 31. Dezember 
1812 in der Poscheruner Mühle die denkwürdige 
Konvention mit Diebitsch abschloß, durch die er 
sich mit seinem Korps vorläufig neutral erklärte. 
Der Rest des 10. Korps war infolgedessen, da 
Diebitsch sich nun von Dort gegen Grandjean 
wenden konnte, rings vom Feinde umgeben und 
in großer Gefahr, gefangen genommen zu werden. 
Es gelang aber Macdonald, unter steten Ge 
fechten mit den seine Truppe umschwärmenden 
Kosaken, mit der 7. Division (Massenbach hatte 
sich von ihm getrennt und mit Pork vereinigt) 
über Königsberg nach Danzig zu gelangen, wo die 
Division am 17. Januar .1813 eintraf, nachdem 
das 1. westfälische Regiment noch am 14. ein 
schweres Gefecht bei Rosenberg bestanden hatte, 
in dem es 6 Tote und 28 Verwundete verlor. 
Das Regiment nahn: nun an der fast ein volles 
Jahr andauernden tapferen Verteidigung von 
Danzig unter General Rapp teil und fand hierbei 
reichlich die ihm bisher versagt gebliebene Ge 
legenheit, sich auszuzeichnen. Bei der Kapitulation 
von Danzig, die erst am 17. November 1813 ab 
geschlossen wurde, teilte sich das Regiment. Die 
Hessen gingen nach Kassel und traten in das neu 
gebildete kurhessische Armeekorps ein, die Preußen 
marschierten nach Berlin, wurden dem Reserve 
bataillon des Elb-Jnsanterie-Regiments überwie 
sen und traten mit diesem am 31. März 1815 zum 
27. Infanterie-Regiment über, Hannoveraner und 
Braunschweiger kehrten in ihre Heimat zurück. 
Allen aber wurde noch Gelegenheit geboten, sich 
im Kriege von 1814 gegen ihre bisherigen Waffen 
genossen auszuzeichnen.
	        

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