Full text: Hessenland (31.1917)

344 
drängt war, daß sie in einem Gliede dicht an einer 
Mauer stand, was ihm augenscheinlich Vergnü 
gen bereitete. Nachdem dann der Bataillonskom 
mandeur, der spätere kurhessische General Bauer, 
das Bataillon vorbeigeführt hatte, sagte der Kaiser 
zu ihm: „Wenn die Truppen Ihres Herrn alle 
so exerziert sind, so kann er sich gratulieren." Dem 
Oberstleutnant Pleßmann, dem Regimentskom 
mandeur, überreichte er das Kreuz der Ehren 
legion, und dem Oberstleutnant v. d. Bussche, 
den König Jsröme zur Begrüßung des Kaisers 
entsandt hatte, trug er auf, dem Könige seine volle 
Zufriedenheit mit dem Bataillon auszusprechen. 
Am 24. Juni 1812 überschritt das 10. Korps 
den Niemen (Memel), die 7. Division bei Lum- 
pönen, die 27. (Preußen) bei Baubeln; das west 
fälische Regiment ging bei Georgenburg über. Am 
Morgen des 24. Juni 1812 erhielt der Oberstleut 
nant Bauer den Befehl, über den Niemen zu setzen 
und die Kosaken, die die Stadt Georgenburg besetzt 
hielten, zu vertreiben. Da nur wenige Schiffe 
vorhanden waren, konnte er nur 40 Grenadiere 
mitnehmen, die wegen eines furchtbaren Gewitter 
regens nicht einmal ihre Gewehre laden konnten. 
Bauer selbst war der erste, der auf dem rechten 
Ufer landete und damit der erste Soldat des 10. 
Korps, der russischen Boden betrat. Nach hef 
tigem Gefecht wurden die 80 Kosaken aus Ge 
orgenburg vertrieben; Bauer machte sich auf einem 
erbeuteten Kosakenpferd beritten. 
Das 10. Korps blieb nun an den Übergangs 
stellen im Biwak stehen bis zum 27. Juni. Man 
hatte vom Feinde fast gar keine Nachrichten. Mac 
donald, unter dem Bauer schon 1809 und 1810 
in Spanien gedient hatte, schickte diesen deshalb 
am 27. von Georgenburg aus zur Erkundung 
vor. Bauer ging 5 Stunden weit vorwärts, traf 
keinen Feind an und stellte fest, daß die Russen 
in vollem Rückzug nach der kurländischeu Aa be 
griffen seien. Macdonald ordnete infolge dieser 
Meldung für den 28. Juni den allgemeinen Vor 
marsch an. Die 7. Division ging über Ablenken 
und Meldiglauken vor, die Preußen über Mondeli 
Der sehr vorsichtige Macdonald traf trotz Bauers 
Meldung umfassende Sicherungsmaßnahmen,' die 
den Vormarsch sehr erschwerten. Hinter dem Dorfe 
Stanginy stießen beide Divisionen zusammen. Die 
7. Division kam zuerst an und blieb nun an der 
Spitze. Da zwischen ihr und den Preußen der Troß 
der 7. Division marschierte, der nicht militärisch 
eingerichtet, sondern aus Bauernwagen (wir wür 
den jetzt Panjewagen sagen) gebildet war, wurde 
die preußische Division in ihrem Marsche sehr 
behindert. Macdonald befahl deshalb, daß am 
29. beide Divisionen in Reihen neben dem Troß 
und in gleicher Höhe mit ihm marschieren sollten. 
Das war bei den sehr breiten russischen Straßen 
zwar möglich, aber die Schwierigkeiten wurden 
nur noch größer, weil das geringste Hindernis, 
das durch Schadhaftwerden eines Fuhrwerks ein 
trat, nun das ganze Korps aufhielt. Vom 30. an 
wurde deshalb der gesamte Troß hinter beide 
Divisionen verwiesen. Am 1. Juli erreichte das 
Korps Rosiena und biwakierte zu beiden Seiten 
des Ortes, die 7. Division östlich, die preußische 
westlich. Da man hier einen längeren Aufent 
halt erwartete, baute man Lagerhütten. Die Be 
völkerung nahm die Truppen gut auf. Man mochte 
wohl damals schon hoffen, des russischen Joches 
ledig zu werden. An Verpflegung mangelte es 
nicht. 
Nachdem am 6. Juli Teile des preußischen 
Korps und von der 7. Division die Brigade 
Ricard (Bayern und Polen) vorangeschickt waren 
und General Jork am 12. Juli mit einem Teil 
der preußischen Division gegen Memel entsandt 
war, brach Macdonald endlich am 17. und 18. 
Juli von Rosiena wieder auf und marschierte 
gegen Bauske. Die Vorhut der 7. Division traf 
am 18. vor dieser Stadt ein, vertrieb die schwache 
russische Besatzung und ging weiter-über Schön 
berg bis zur Düna. Hier nahm er eine Aufstel 
lung derart, daß die 7. Division bei Friedrich 
stadt und Jakobstadt stand und sich das Korps 
von hier aus Dünaabwärts bis Riga ausdehnte, 
zu dessen Belagerung die preußische Division be 
stimmt war. . Sein Hauptquartier, das am 20. 
Juli in Stabben gewesen.war, nahm der Marschall 
am 21. in Jakobstadt und bestimmte das westfälische 
1. Regiment zu dessen Deckung. Die preußische 
Division hatte auf ihrem Vormarsch gegen das von 
15 000 Russen besetzte Riga bei Eckau zwei sieg 
reiche Gefechte gehabt. Die Russen gingen fort 
während zurück und überließen dem 10. Korps das 
linke Dünaufer. 
Während nun in der folgenden Zeit die 
Preußen Riga auf der Südseite einschlössen/ 
stand Macdonald mit der 7. Division ziemlich 
untätig. Nur die 2. Brigade (Polen) und 
2 Schwadronen des preußischen 1. Husaren-Regi- 
ments wurden nach Jlluxt vorgeschickt, um gegen 
Dünaburg zu erkunden. Am 28. Juli fanden die 
Husaren den Brückenkopf v!on Dünaburg verlassen 
und am 29. räumte der russische General Hamen, 
der zur Rückendeckung des russischen Korps Witt 
genstein mit 3300 Mann in Dünaburg stand, 
auch diese Stadt selbst. In gewohnter russischer 
Weise steckte die Nachhut, als sie am 31. die Stadt 
verließ, die dortigen Magazine in Bi^and. Mac 
donald ließ nun eine bereits bei Jakobstadt ge-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.