Full text: Hessenland (31.1917)

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Sem alter, Johann. Feldblumen. Gedichte: 
Kassel (Karl Vietor, Hofbuchhandlung). 
Mit seinem liebenswürdigen Strauße frischer „Feld 
blumen", denen auch ein wohlgetroffenes Bildnis des 
Dichters beigegeben ist, tritt Johann Lewalter, der 
seiner reichen lyrischen Gemütsstimmung so oft in herz 
erfreuenden Tönen musikalischen Ausdruck verliehen hat, 
nun auch als poetischer Lyriker in die Öffentlichkeit. Daß 
Johann Lewalter mit seinem tiefen Gemütsleben, und 
hochbeschwingten Stimmungen der „geborene" Lyriker 
ist, kennzeichnet sich außer in seinen Tondichtungen auch 
klar in seinen wohlbekannten Liedersammlungen. Den 
gesammelten Volksliedern, deutschen und hessifchen Kin 
derliedern, fügte er wahrend des Krieges unter dem 
Titel „Reichswacht" die deutschen Soldaten- und Vater 
landslieder hinzu. So bewegte ihn in allen seinen 
Schöpfungen hauptsächlich das, worin die poetische und 
musikalische Lyrik sich vereinen, das sangbare Gedicht, 
das Lied. Auch den Ausspruch des Altmeisters Goethe, 
alle lyrische Poesie sei immer Gelegenheitspoesie, wird 
jeder, der sich an Lewalters „Feldblumen" erfreut, be 
stätigt finden. Warme, edle Empfindungen für alles, 
„was Menschenherz erhebt" und „Menschenbrust durch 
lebt", Gefühle inniger Teilnahme am Kinderleben, 
reiner Liebe, treuer Freundschaft, Scheiden und Meiden 
bieten ihm die Gelegenheit der poetischen Stimmung. 
Der Gelegenheit, solcher Stimmung aber auch den dich 
terischen Ausdruck zu verleihen, stehen Lewalter die 
treffenden Worte zu Gebote, und stets findet er die dafür 
passende dichterische Form, das zeigt jede Blume seines 
Straußes. Die Blumen hat der Dichter ihren fünf 
Grundfarben nach zusammengestellt. Zuerst kommen die 
Kinderlieber. Sie sind den vielen Freunden seiner 
Tondichtungen nicht unbekannt, da sie von ihm 
selbst bereits in Musik gesetzt wurden. Es folgen Stim 
mungsbilder, worunter das tiefempfundene Lied „Som 
merabend". Dann Klänge der Liebe, des ureigensten Ge 
bietes der Lyrik, mit den köstlichen „Abendfrieden" 
und „Vorüber". Hierauf Oden, darunter „Dichter- 
glück". Ferner Freundschaft und Verehrung, darunter 
das gefühlvolle, klingende Sonett „An Wilhelm Speck". 
Schließlich Totenklage mit ergreifenden, meistens in 
Odenform gehaltenen Klängen. Alle Gedichte, mögen 
es Kunstlieder oder im Volksliedton gehaltene sein, 
zeichnen sich durch ihre Stimmung und zarte Empfin 
dung, wie durch die Einfachheit des Strophenbaues aus. 
Daß der Dichter aber auch die Kunstform beherrscht 
und vorzüglich anzuwenden versteht, zeigen die Oden 
und das Sonett, die sich unter den „Feldblumen" be 
finden. So werden die „Gedichte" sich zweifellos viele 
Freunde erwerben. Denn Lewalters „Feldblumen" wer 
den nicht nur, wie der Dichter in der Vorrede hofft, „hin 
und wieder gleichgestimmte Herzenssaiten zum Klingen 
bringen", sondern in jedem Herzen, worin das uralte 
und doch ewig junge Lied von Jugend und Liebe, 
von Blühen und Welken einen Resonanzboden hat, 
freudig oder wehmütig widerhallen. 
Schwalm, Johann H. Aus Ellervotersch 
Epp elkist. Heitere Geschichten und Gestalten ver 
schwundener Tage der Schwalm. Marburg (N. G. 
Elwertsche Verlagsbuchhandlung). Preis 1 M. 
Dieses. Buch erschien soeben als 4. Heft der beliebten 
und weiten Kreisen bekannten „Hessischen Lese 
stube ", herausgegeben von A. Zitzer. Wer kennt nicht 
seinen Verfasser, den Dichter unseres lieblichen Schwalm 
grundes? Wen hätten nicht schon die von ihm und 
seinem Landsmanne Kranz verfaßten Gedichte in Schwäl- 
mer Mundart „Kreizschwerneng, Spaß muß seng" er 
götzt? Wer hätte nicht seinen „Junker Hans Hoos" 
gelesen? Wie diese Bücher, so atmet auch die neue 
Erscheinung die große Liebe zur Heimat, zum Land 
der Kindheit, der Jugend und des beruflichen Wirkens. 
In fünf Abschnitten, denen als Einführung ein Besuch 
beim erzählenden „ahlen Ellervoter" vorausgeht, wird 
eine Reihe heiterer Geschichten in launigem, volks 
tümlichem Tone gereicht. Der erste Teil, „Aus Eller 
votersch Eppelkist", versetzt den Leser in die Spielstube 
/.„V'rzehlstübe"), wo die Zuhörer gespannt bei der 
Lampe dem alten Erzähler lauschen, wenn er in die 
Eppelkiste greift und einen „Appel" nach dem anderen 
herausholt, wenn er seine Geschichten erzählt, die alle 
von solcher Wirkung sind, daß der Leser den erstaunten 
Zuhörern zustimmt, wenn sie sprechen: „Des wor 
schie!" — Im zweiten Abschnitt wandern „Närrische 
Kerle" vorbei, sonderbare Gestalten, die gelebt haben, 
aber auch solche, die noch leben. Von diesen erzählt man 
auf der Schwalm gerne, manches von ihnen ist wahr, 
manches wird ihnen aber angedichtet. „Von alter Zeit 
raunt's und klingt's, von ihrer Last und ihrem Leid, 
aber auch von ihrer Lust und Freude." An den Erzähl 
abenden darf es nicht an „Wanerdengern" (Gespenster 
geschichten) fehlen; sie folgen daher im dritten Teile. 
Es gehört immerhin eine starke kindliche Auffassung dazu, 
diese Geschichten, wenn ihnen auch Personen und Ort 
genau beigefügt sind und sie spät abends erzählt werden, 
für wahr zu halten. Auch die Zweifler hören sie gerne: 
„Banns blos schie gung." Weiter erzählt der Verfasser 
von „Geschlagenen Schlachten", Raufereien, wie sie sich 
in „verräucherten Wirtsstuben, an mutwilligen- Sonntag 
nachmittagen, an tollen Markttagen" ber erhitzten Köpfen 
zugetragen haben. Den Schluß bilden die lustigen Ge 
schichten von dem sonderbaren „vierblätterigen Jäger 
kleeblatt" in Jrgendwohausen. — Gesunder Humor 
spricht aus allen Geschichten der Schwälmer. Mr jeden 
sind sie verständlich; wo die Schwälmer Mundart in 
Sätzen oder Ausdrücken vorkommt, sind Erklärungen bei 
gefügt. Jeder wird die Erzählungen von unseren treuen, 
biederen Katten der Schwalm gerne lesen. Es wäre 
angebracht, sie auch unseren Feldgrauen zugänglich zu 
machen, denen sie recht willkommen sein dürften. Als 
Bruder dieses Buches wird Schwalm demnächst „Fall- 
eppel und Läsrejser" herausgeben. 
Marburg. H. C o r e l l. 
G. S. 
Personalien. 
Verliehen r 
Das Eiserne Kreuz: 
. 1. Klaffe : Untffz. Hans Wölk aus - Densberg; Leut 
nant d. R. W. Schumann aus Marburg; llntffg. 
Adolf Schlöffe!, Untffz. Edgar Scholz, Untffz. 
Karl H u t h aus Kassel; Obermatrose Otto Seifert 
aus Gersfeld; Offizier-Stellvertreter Gustav Hilgen 
berg aus Zierenberg; Gefr. Heinrich Marx aus 
Waßmuthshausen; Leutn. Ludwig Gerecht aus Hof 
geismar ; Leutn. Bergreferendar Ebbinghaus aus 
Kassel; Sergt. D r e i b r o d t aus. Rotenburg; Untffz. 
Konrad Berlet aus Hersfeld; Oberleutn. Kr ul 
mann, Leutn. Otto Spude, Hauptmann Coll- 
mann, Leutn. Fritz Siebert aus Witzenhausen; 
Leutn. d. R. Amtsrichter Fritz Hartung aus Hom 
berg; Bizefeldw. Georg Clobes aus Hesserode; 
Bizefeldw. Seminarist Karl A p e l aus Asmushausen; 
Untffz. Hugo Sichel aus Fulda; Bizefeldw. Ernst
	        

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