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Nimm, hin, mein Suserl. Sammle du
Der Blätter noch recht viel dazu,
Doch laß es Blätter nicht allerp,
Nein, Früchte auch fürs Leben sein.
So wird dies Büchlein eingeweiht
Zum Garten deiner Jugendzeit,
Die, wenn sie einmal dich verließ,
Ein, ach! verlornes Paradies!
Ernst Freiherr von Dingelstedt,
nachdem er jede in diesem unstreitig guten Buche (ungar.
Grammatik) enthaltenen 60 Lektionen fleißig durch
studiert hat:
Da steh ich nun, ich armer Tor,
Und bin so Klug als wie zuvor!
Soweit hab' ich's in der ungarischen Sprache gebracht.
Daß ich aller Grten werd' ausgelacht,
Dies Buch durchstöbert von vorn und hinten,
Daß ich viel lernte. Kann ich nicht finden.
Was half mir mein Studium spät und früh?
Die Menge verschriebnen Papiers, wer zahlt mir die?
Ich muh mich mit der Hölle verbünden,
Die ungarische Sprache zu ergründen.
Statt mit der Hölle verbinde dich lieber,
Erlaubt es anders das Wechselsieber,
Mit einer Tochter des Himmels fein,
Einem magyarischen Mägdelein.
Die wird dich ihre Sprache schon lehren
Und auch ihr Land und Volk zu ehren;
Allein hab' acht, daß das Schulgeld nicht
Dich höher kommt als der Unterricht.
Meinem Enkel Rudi.
Wirst du dieses lesen,
Din ich längst gewesen:
Dann als groß gedenke mein,
Wie ich dein gedacht als klein.
Dingelstedts selbstverfaßte Grabschrift — in
anderer Lesart bei Rodenberg F. D. II, 3 und
Paul Lindau, Nord und Süd XCVIII. Band (Juli
1901) Heft 292 S. 82 — lautet in dem Hefte:
Wenn ihr mich — möglichst spät,— begrabt
So laßt auf meinem Steine lesen:
Er hat zwar immer Glück gehabt,
Doch glücklich ist er nie gewesen,
g folgt.)
Aus der Zeit der ersten kurhessischen Eisenbahnprojekte.
Von Professor Carl Gros heim.
(Fortsetzung.)
Fick war unermüdlich tätig und versuchte
auch außerhalb Kassels für die Nord-Südbahn
Interesse zu erwecken. Im Juni 1833 hielt er
einen Vortrag in Hannover und berichtete dar
über an den „Technischen Ausschuß" des Vereins.
Der Bericht wurde als Werbeschrift nach außerhalb
versandt. In seinen Ausführungen zeigt sich Fick
hierbei, wenn er sich auch noch nicht in allen
Einzelheiten zu klarer Vorstellung durchgerungen
hat, als ein Mann, der wie Friedrich Lift „weit
hinaus sah über seine Zeit". In freimütiger Weise
kämpfte er u. a. darin gegen die von kirchlich
orthodoxer Seite gegen das neue Verkehrsmittel
erhobene Einwendung, „es kehre die Absicht des
Schöpfers um, wenn man die Schiffahrt auf der:
Binnengewässern, die.Geschöpfe Gottes seien,
durch Eisenbahnen, also durch Menschen werk
ersetzen wolle." Fick erwidert freimütig: „Der
menschliche Verstand ist ebenfalls ein Geschöpf
Gottes, er gehört auch zur großen Domäne des,
Schöpfers. Er bildet das kostbarste Geschenk der
selben, von dem es Pflicht ist Gebrauch zu machen."
Ebenso zutreffend sind auch seine Einwendungen
gegen die von postalischer Seite erhobenen Be
denken wegen finanzieller Schädigung durch die
Eisenbahn. Fick sagt richtig voraus, daß die Eisen
bahn die Briefe wahrscheinlich, unentgeltlich be
fördern würde. Außerdem würde der Briefver
kehr, - durch schnellere Beförderung, erheblich an
Umfang zunehmen und deshalb das Porto herab
gesetzt werden können. Fick zeigt hier, daß er den
Einfluß der Eisenbahn auf die Entwicklung des
Verkehrs richtig erfaßt. Das ist um so mehr anzu
erkennen, wenn man die lähmende Einwirkung der
traurigen Kleinstaaterei berücksichtigt, die, vielfach
mit bürokratischer Kurzsichtigkeit gepaart, dem
neuen Verkehrsmittel wenig Vertrauen entgegen
brachte.
Es mögen aus den Antworten, die auf den Be
richt Ficks eingingen, einzelne Proben mitgeteilt
werden. Oberbaudirektor Laves in Hannover, ein
namhafter Architekt, der in Hannover viele be
deutende Bauten ausgeführt hat, antwortet, man
wolle in Hannover nur eine Verbindung nach
Hamburg und Braunschweig, nicht nach Kassel.
Man fürchte Schädigungen des Zwischenhandels,
für den Hannover als Stapelplatz dienen müsse.
Sehr zugeknöpft-bürokratisch ist eine Antwort aus
der freien Hansastadt Hamburg. Der dortige
Konsul Wolf teilt mit, daß der Senat habe sagen
lassen, wenn in der Sache etwas weiteres an den
Senat gelangen sollte, das dessen Beschlußfassung
erfordern würde, so werde dann dasjenige verfügt
werden, was der Lage der Sache und dem An
trag angemessen erscheint. Interessant ist noch
eine Antwort von dem bekannten preußischen