Full text: Hessenland (31.1917)

„Eier Hoch könelige Maiestät, ich mus Ihne» 
etwas an zeigen, das auf der Ameneburg »echt bei 
Warb, ein unter ertisch gang ist u. in dem gang 
ist ein gemeint n. es sagt ein ieter, das da eisn> 
kroser Reichthum darin verborgen sei. Es ist mit 
einer eisner Tier befestig u. hengt ein Schlos 
daran, so dick wie eine ? Es ist ein Risenfeftung, 
Ich habe es durch eine alte frau erfahren. Da 
sagte ich, warunr das sie es Eier Maiestet nicht 
anzeigen. Die Amenebnrger deten Es inen nicht 
gennen. Da dachte ich, Jetzt weis es der rechte 
man. Diese Somer waren sie witer dran, aber es 
brennt ihnen kein licht in deut gang, sonst hüten 
sies schon lengst ausgehoben. Überzeigen sie sich, 
es befint sich, wie ich eich schreibe. Vor das Licht 
brennen bin ich gut, ich zunt ein gans anters licht 
an. Sollte das auch nicht bremren, dan briit ich 
den duntst heraus, das mir an die Dir tonten, u 
die Riesenfestung auf zu machen ist mir auch eine 
kleinigkeit. Ich bin so kein gestutirter man, nemen 
Sie meinen schleten schreiben iricht ungitig. Machen 
Sie Eier kenelige Maiestet auf die Ameneburg u. 
überzeigen Sieg. Ich gennens von Herzen, was 
rut es unter der erte. Ich heis Joseph Bickel in 
Ilbenstadt b. Friedberg ... Schreiben Sie mir, 
ich komme auf die Amerteburg zu ihnen. Ich wil 
das Risenschlos bald geeffnet habe. Das Kan 
vor sie noch ein gutes Kristkingen geben u. ein 
gutes Neies Jahr. Wie eilt unsin, die gennen es 
Ihnen nicht u. die kennen es doch nich bekommen. 
Ich bin ach ein alter Man, ich wil es aber nicht 
mit unter die erte nehmen mit Stilschweigen. 
Es hat nun lang genug gerastet unter der ert. 
Ich bit sie, schieben sie es Itzt nicht lang auf. 
Meine untertenigste Empfelung. 
Ich mus Eier hoch Könelige Maiestet noch 
was zu wissen tun, mannn die Amenebnrger es 
Ihnen nicht anzeigen die Verborgenheit. Sie 
wärren Alt Mainsis gewesen, dar nach Westfelis 
u. darnach wären sie Ihnen zugel. Worten. Aus 
dem Krund teten sie es Ihnen nicht gönnen 
Wenn Sie es im geheinten ausfiehren kenten, 
so wär es schon lengst aus gehoben. Itzt Seu- 
men sie nicht lang, denn es ist etwas anfreitzendes 
um dahinein zu sehn, was da verborgen ist. Ich 
habe Alles von den Ameneburgern selbst erzählt. 
Es ist gekründet, das es sich so befindet. Also 
wenn Sie Mich verlangen, das aufmachen ist mier 
eine Kleinigkeit. Was vor ein Unsin! Die gennen 
es [lieber] unter dem dunkelen Gewelin als Ihnen 
Meine untertenigste Empfelung 
An Eier Hoch Könlige Maiestet 
Joseph Bickel in Ilbenstadt." 
Bei der bekannten Gründlichkeit des Kurfürsten 
in allen Kleinigkeiten wird es nicht wunder 
nehmen, daß er den Brief des Josef Bickel nicht 
einfach ignorierte, zumal ihm bekannt war, daß 
tatsächlich aus der Amöneburg schon mehrfach 
Gegenstände von Wert ans dem Schutt der Zer 
störungen des dreißigjährigen Krieges ausgegraben 
waren. Es klang auch nicht gerade unwahrschein 
lich, daß die Amönebnrger ihre etwa verborgenen 
Schätze lieber sich selbst als einem andern gönn 
ten, wenn auch nicht etwa deswegen, weil sie 
früher mainzisch und westfälisch gewesen wareit. 
Seine hochkönigliche Majestät machten zwar tticht 
gleich ans Amöneburg, wie das Josef Bickel ge 
dacht hatte, ließen aber doch durch die Regierung 
Erkundigung einziehn, ob dort wirklich etwas von 
einem unterirdischen Gang und verborgenem Schatze 
bekannt sei. Wie später der Minister Rohde berich 
tete, ergaben die Nachforschungen indessen nur, daß 
allerdings nach der Sage das Amöneburger Schloß 
mit dem zerstörten alten Schlosse auf der süd 
westlichen Bergkuppe, der sog. Winenburg, durch 
einen unterirdischen Gang verbunden sein solle, 
daß aber bereits im Anfang des Jahrhunderts 
der Amtmann Ahlefeld vergeblich danach habe 
graben lassen. Unter diesen Umständen unter 
blieben weitere Nachforschungen, und der alte 
Josef Bickel hat sein Geheimnis leider mit ins 
Grab genommen. Es ist eigentlich schade, daß 
der Kurfürst so wenig Zutrauen zu den Schah 
gräberkünsten des Alten hatte, der doch „der rechte 
Mann" dazu war, sonst hätte man erfahren, mit 
welchen geheimnisvollen Mitteln er die Riesen- 
sestung erschließen und was für ein „ganz anderes 
Licht" er in dem unterirdischen Gang anzünden 
wollte. Vielleicht war es ans einem Leichenfinger 
hergestellt, der ja bekanntlich bei solchen Unter 
nehmungen besonders gute Dienste leisten soll und 
sowohl als Kerze wie als Dietrich verwendet wer 
den kann. 
2 . 
Nicht ganz so romantisch klingt die Geschichte 
von einem anderen verborgenen hessischen Schatz, 
die auch wenig bekannt sein dürfte und in einigen 
Zügen einen lebhaft an die in den letzten Jahr 
zehnten öfters vorkommenden spanischen Schatz- 
schwindlerbriefe erinnert. 
In den fünfziger Jahren lebte zu Kassel ein 
ehemaliger Expedient August v. Spiegel, der 
ans dem sog. Leimenkeller vor dem Wesertor 
wohnte und eine wechselvolle Vergangenheit hatte. 
Er entstammte einem verarmten Zweig des alten 
paderbornischen Rittergeschlechts der Spiegel ztt 
Pekelsheim und war als Sohn des Kutschers 
Wilhelm v. Spiegel am 6. März 1822 zu Kassel 
geboren. In der Revolutionszeit hatte er sich der 
demokraUschen Partei angeschlossen und an dem
	        

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