Full text: Hessenland (31.1917)

eilen, alle Verhältnisse des Lebens werden aus 
ihrem gewohnten Maß heraustreten. Begeistert 
erklärt er dann zum Schluß: „Und es ist. noch 
nicht zu Ende! Le temps est en marche! Herrlich! 
Vortrefflich! bald kommt der Humanitätswagen, 
der sich durch sein eigenes Gewicht bewegt". 
!Das wäre also der Stein der Weisen, das ker- 
petuum mobile, aber auch als „Humanitätswagen" 
widersinnig, weil es einem naturwissenschaftlichen 
Grundsatz widerspricht. 
Henschel hat sich ebenfalls mit dem Churchschen 
Dampfwagen beschäftigt, ihn aber in seiner Bedeu 
tung als Z u b r i n g e r z u d e n E i s e n b a h n e n 
richtig eingeschätzt, also der Eisenbahn die erste 
Stelle zugewiesm. 
Trotz Schmitz und Lips war der „sanktionierte 
Verein" eifrig bemüht, dem Heimatlande die Vor 
teile einer Eisenbahn zu verschaffen. In erster 
Neihe der führenden Männer stand der KurfüHt- 
liche Geh. Oberbaurat Fick, der seine ganze Ar 
beitskraft in den Dienst der Sache stellte. Fick 
war Bayer und vor seinem Eintritt in den kur 
hessischen Staatsdienst bei den Vorarbeiten für 
den Ludwigskanal, zur Verbindung von Donau 
und Main, tätig gewesen. Die Ausführung dieses 
Verkehrsweges war bereits von Karl dem Großen 
geplant und der Gedanke an ihn nie ganz er 
loschen. Noch 1827 hat Goethe u. a. im Ge 
spräch mit Eckermann den Wunsch geäußert, 
„neben der Durchstechung der Landenge von Pa 
nama auch die Verbindung von Main und Donau 
noch zu erleben". Die Ausführung des Kanales 
erfolgte in den Jahren 1838 bis 1845. Fick hatte 
durch seine Beschäftigung Erfahrungen auf dem 
schwierigen Gebiete des Trassierens gewonnen, die. 
ihm in Hessen zugute kamen. Daß ihm für die 
Erkenntnis des Unterschiedes zwischen einer Kanal 
und einer Eisenbahntrasse manches fehlte, ist er 
klärlich. Der Kanalbau war ein altes Verkehrs 
mittel, die Eisenbahn lag in den ersten Anfängen, 
die Elemente für eine richtige Trasse bei beiden 
verschieden. Dagegen ist es sicher, daß Ficks nie 
versagende Lust und Liebe zur Sache, sein Eifer, 
den Eisenbahnbau in Kurhessen ins Werk zu 
setzen, mit seiner früheren Tätigkeit in Bayern 
im Zusammenhang steht. Für ihn waren der 
Donau-Main-Kanal und die Eisenbahnen in Kur 
hessen Teile des großen Projektes zur Verbindung 
des Schwarzen Meeres mit der Nordsee. Dieser 
Verkehrsweg sollte bei der zentralen Lage des Kur 
staates für diesen ausgenutzt werden. Hierüber hat 
sich Fick wiederholt ausgesprochen. Er sagt u. a., 
er sei der erste deutsche Techniker gewesen, der die 
Idee Karls des Großen wieder zur Sprache ge 
bracht habe. „Ich betrachte diese Sache gewisser 
maßen als eine mir vom Schicksal gestellte 
Hauptfrage." Deutlich spricht er sich hierüber noch 
in einem Vortrag vom Jahre 1838 aus, in dem 
er ausführlich über die Ergebnisse der mehrjähri 
gen Vorarbeiten berichtet. Da heißt es: „Wenn 
die unausbleibliche Verbindung mit dem großen 
Ludwigkanal und der Dampfschiffahrt auf der 
Donau in die Morgenlande zustande gebracht ist, 
so wird auch auf unseren Bahnen, die das not 
wendige unvermeidliche Herz eines zweckmäßigen 
Europäischen Eisenbahnsystems bilden müssen, eine 
Zunnahme des Verkehres sich entwickeln, und be 
sonders des Personenverkehrs, die gegenwärtig 
wohl niemand zu ahnen wagt." 
(Fortsetzung folgt.) 
Lindendufi! 
Lindendust in den Ardennen 
Zwiefach süß und doppelt traurig, 
Machst die Sehnsucht heißer brennen 
Und den Kriegslärm doppelt schaurig. 
Weißt du noch, so möcht' ich sagen, 
Die es hören soll, ist ferne, 
Glanz von goldnen Sommertagen 
Weit, als wie des Himmels Sterne. 
Blütenmeer im Windeswehen, 
Geht ein flüstern drin und Grüßen; 
Ach, nach Gsten muß ich sehen, 
Heimlich wollen Tränen fließen. 
Friedenstaube, gottgesandte, 
Wann trägst du hen Glzweig wieder? 
Lindenbaum im deutschen Lande, 
Wann, ach wann seh ich dich wieder? 
Bruder, auch du! 
Bruder, du Bester vor allen, 
Hab' ich es recht gehört? 
Bruder, auch du bist gefallen, 
Hat mich ein Wahn betört? 
Hat mich ein Traum genarret: 
Du tot, du sollst nicht mehr sein? — 
Dich hat man eingescharret 
Fern unterm Leichenstein? 
Will alles Licht denn erblassen, 
Würger, wann gibst du uns Ruh? 
Herr Gott, ich kann es nicht fassen 
Bruder auch du, auch du! 
Im Felde. Juli 1917. 
Chr. Brandenstein.
	        

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