Full text: Hessenland (31.1917)

187 §««6 
Pallas: Gewiß. Kanzler: So schicke sie meinem Herrn 
zum Hofe hin. Pallas: Mit Freuden gern. 
Kanzler: Und darf ich treffen selbst die Wahl? 
Pallas: Tritt ein! Kanzler: Ruf sie aus deinem Saal! 
(Pallas geht einige Schritte in den Tempel) 
Kanzler: Ich fühle mein Herz vor Freude schlagen. 
Der Fürst wird frohen Dank mir sagen, 
wenn ich mit dem Gelehrten-Schwarme 
heimkomme. Pallas (innen): Wehe, weh, ich Arme! 
Kanzler: Was ist dir, Göttin? Pallas: Jammer und 
Graus! 
Kanzler: G hehre Pallas, tritt heraus! 
Pallas: Hier ist das Unheil eingezogen! 
Was ich dir sagte, war gelogen l 
Kanzler: Ist eine Hoffnung dir zerronnen? 
Pallas: Ich hatte Jünglinge, besonnen, 
mit guten Gaben, reinem Sinn: 
sie sind verloren, sind dahin. 
Nur diesen einen führ' ich her, 
unfertig noch an Sitt' und Lehr'. 
<Zu Justus:) Halte dich tapfer! Antworte klug! 
(Zum Kanzler :) Ist wie ein Werk, noch nicht genug 
gefeilt von seines Meisters Hand, 
doch allem Edlen zugewandt. (Sich auf dieBrust zeigend.) 
Ist er nur lauter und rein hier drinnen! 
Die Prüfung will ich nun beginnen. (Zu Justus-) 
Dir ist nicht neu, was ich dir künde: 
Daß eine Sekte lehrt, die Sünde 
sei jedes Menschen Grund und Wesen. 
Kannst du mir nun das Rätsel lösen, 
wenn König David selber klagt, 
daß er in Sünden sei geboren; 
wenn auch Marlinus Luther sagt, 
durch Sünde seien wir verloren? 
Justus: Der Sekten Beweise, die ellenlangen, 
werden nimmer bei mir verfangen, 
weil sie die Heil'ge Schrift verkehren: 
Der Bibel Anfang kann es lehren, 
da lefen's die Laien und die Pfaffen, 
daß Gott die Menschen hat gut erschaffen. 
Hat etwa die Menschheit ganz und all' 
sich verwandelt durch den Sündenfall? 
Nein, Gottes Geschöpf ist gut geblieben: 
zu wand eln der Menschheit urinnerstes Wesen, 
das stand nicht in der Macht des Bösen! 
Konnte auch nicht nach seinem Belieben 
eine neue Menschheit schaffen und stellen! — 
Auf Luther berufen sich diese Gesellen? 
Nützt ihnen weder Stiel noch Stumpf! 
Der sagte: »Solche wirren Lehren, 
die sind ein Pfuhl, ein Höllensumpf, 
man soll sie meiden, soll ihnen wehren!" 
Kanzler: D e r, Pallas, lohnt dir Müh und Fleiß. 
Ich aber sage dir Dank und Preis; 
will gem ihn meinem Fürsten bringen. 
Pallas: So mög' euch alles wohl gelingen! 
(Schluß folgt.) 
Aus Heimat 
Vermählung. Fürst Heinrich von Hanau 
hat sich am 4. Juni zu Prag mit Fräulein Martha 
Riegel vermählt. 
Hochschulnachrichten. Marburg: dem 
Privatdozenten Dr. Georg Magnus wurde ein Lehr 
auftrag für Orthopädie übertragen. 
Hessischer Geschichtsverein. Der Kasse 
ler Verein unternahm am 21. Juni einen Ausflug nach 
der Jgelsburg, der bei gutem Wetter verschiedene Vor 
träge bot und einen wohlgelungenen Verlauf nahm. 
Die Erhaltung des Naturschutzgebie 
tes bei Sababurg. Die Bemühungen um die 
Erhaltung des Naturparkes Sababurg sind von Erfolg 
gewesen. Der Minister für Landwirtschaft, Domänen 
und Forsten hat angeordnet, daß das durch die Er 
weiterung des Hauptgestüts Beberbeck bedrohte Natur 
schutzgebiet am oberen Kuhberg im Reinhardswald, eins 
der urwüchsigsten Waldgebiete Deutschlands, unversehrt 
zu erhalten sei. 
Aus Schmalkalden. In der Stadtverordneten 
sitzung wurde einem Plan zur Schaffung einer Gedächt 
nishalle für den Schmalkalder Bund zugestimmt, der die 
und fremde. 
neben dem Sitzungssaal liegenden Räume im alten 
Rathaus vorsieht. 
Aus Darmstadt. Am 14. Juni wurde die Hessische 
Künstausstellung Darmstadt 1917 auf der Mathilden 
höhe eröffnet. Die Ausstellung, die am 30. September 
geschlossen wird und den Charakter einer Landesausstel 
lung trägt, gibt Aufschluß über das letzte künstlerische 
Schaffen hessischer Bildhauer und Maler und der 
Graphik. 
Einziehung der Kirchenglocken. Nach 
einer 'Verfügung des Oberpräsidenten wurde von der 
Denkmalspflege angeordnet, daß. die Gelegenheit der 
Abnahme der Kirchenglocken durch die Geistlichen dazu 
benutzt werde, Angaben über Inschriften, Verzierungen 
usw., die wegen bisheriger Unzugänglichkeit der Glocken 
nur unvollständig geliefert werden konnten, zu ergänzen 
und dem Bezirkskonservator bekannt zu geben. Ferner 
wurde empfohlen, die Glpcken vor der Abgabe an die 
Sammelstelle mit einer. Bezeichnung des Heimatortes 
zu, versehen, die zweckmäßig mit dauerhafter Schrift auf 
einer Holz- oder Blechtasel angebracht und mit Draht 
an der Glocke befestigt wird. Nur so wird es möglich 
sein, die Glocken mit Sicherheit den Gemeinden wieder 
zuzuführen, falls ihre Verwendung für Kriegszwecke
	        

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