Full text: Hessenland (31.1917)

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vom Sparrenwappen der Ravensberger Grafen 
herzuleiten versucht hat.* 0 ) Sehr treffend bemerkt 
Preuß a. a. O. S. 143 bezüglich des Namens 
Sternberg: „Für die Ableitung des Namens ist 
natürlich der schon früh im Wappen der Grafen 
sich findende Stern ebensowenig von Bedeutung, 
wie für Schwalenberg die Schwalbe im Wappen 
der dortigen Grafen." 
Auch sonst erheben sich Bedenken gegen die Auf 
stellung ' von Haas. Flurnamen wie lippisch 20 ) 
Billenfeld Gem. Heidenoldendorf, 1721 das Biele 
feld, Bielstein Gem. Lopshorn und Feldrom, aus 
der Bielen Gem. Almena, der Beilenort Gem. 
Fromhausen, Bellenbrok bei Barntrup, Billerbeck 
bei Schieber, thüringisch 21 ) Bielwiese, nassauisch 22 ) 
Bilheide, Bilwies, hessisch 28 ) Billwiese (Gem. 
Amönau), das Beilefeld (Gem. Ebersdorf und 
Cappel), der Bellseheid (Wald in der Gem. Nanz 
hausen, das Beelfeld Gem. Lenderscheid, Bilstein, 
Wiese bei Niederzwehren, Böllstein, Feld bei 
Darmstadt, westfälisch 24 ) Bilefeld, Hof im Kirch 
spiel Spork, sowie das häufige Vorkommen von 
Beil, Biel, Beul als Flurname (allein in Nassau 
28 mal 20 ) sprechen gegen die Behauptung, daß 
Bil eine Bezeichnung für „Fels, felsiger Berg" 
sei, und für den Sparrenberg bei Bielefeld bleibt 
uns Haas vorläufig den Beleg für die Behauptung 
schuldig, daß dieser Berg früher Bil geheißen habe 
und daß Bielefeld daher „Stadt am Fels" bedeute. 
Die Tatsache, daß sich neben Bilstein öfters 
die Schreibung Beilstein findet, z. B. hessisch am 
Beilstein Gem. Schiffelbach, westfälisch am Oder- 
heil, Gut bei Herzkamp, Kr. Bochum, das Beil, 
Berg an der Ruhr, lippisch der Beilenort Gem. 
Fromhausen usw., ist für die Herleitung von alt 
sächsisch bil „Steinbeil" ebensowenig ausschlag 
gebend wie die Tatsache, daß Biel, Beil auch als 
Grundwort vorkommt, z. B. thüringisch 20 ) Stein- 
beule, ma. Stenbille, westfälisch 27 ) Steinbild, 
Dorf bei Papenburg, älter Stenebille, Springbiel, 
Hof bei Gildehaus usw., vielmehr sind Beil, Beul, 
Boyl, Bol, Bul, Bül, Bel nichts anderes als Ab 
lautungsformen von ein und derselben Grundform 
ebenso wie Bein, Beun, Boin, Bon, Bön, Bun, 
Ben Ablautungen von Bien, Bin (ahd. biunda, 
mhd. biende) sind. Da sich ferner bei Foerste- * **) 
") Vgl dazu meine Abhandlung „Der Name Sparren- 
berg" in den „Ravensberg. Blättern" 1916, Nr. 7/8. 
") Preuß a. a. O. S. 27. 
*') Gerbing a. a. O. S. 295. 
") Kehrein a. a. O. S- 344. 
”) Zeitschr. f. Hess. Gesch, 10, 241. 
**) Jellinghaus, Westfäl. Ortsnamen S. 3. 
**) Kehrein a. a. O. S. 343. 
") Gerbing a. a. O. S. 295. 
* 7 ) Jellinghaus a. a. O. S. 3. 
mann a. a. O. S. 453 neben den Schreibungen 
mit B irrt Anlaut (Bilestein, Bilistein, Bielstein, 
Billenstein, Beilenstein) auch solche mit B im 
Anlaut finden wie Beilenstein, Bilstein, Pylstein, 
Bilistein, Bilenstein und die mit B oft die ältere 
Schreibung darstellt wie bei dem Namen Bilstein 
im westfälischen Kreis Olpe: 1156 Bilstein, 1444 
Bilsteyn, 1445 Bijlsteyn, 1446 Beilstein, so 
geht daraus hervor, daß nicht alts. bil „Beil" 
die etymologische Grundlage für Bilstein bilden 
kann, sondern etwas anderes. Dieses Wort ist 
nach meinem Dafürhalten ahd. pinnda, biunda, 
mhd. pinnt, biunde, biunte, obd. pennt, hessisch 
beune, binde, hinge (Vilmar, Idiot. S. 37) 
„Sondereigentum, Privatgrundstück", welches sich 
in zahlreichen mundartlichen Färbungen wie Bien, 
Bein, Bain, Beun, Boin, Böen, Böen, Bun, Bün, 
Bon, Ben bzw. mit dem bekannten Übergang von 
n in 1 (vgl. ahd. tougan neben tougal, ahd. himil 
neben got. himins, ahd. orgela neben organä, 
got. asilus „Esel" neben lat. asinus, got. katils, 
lat. catinus „Kessel", ferner Werl Wußname^j 
für Wern, Spillgast neben Spinngast ufto. 28 ) 
Beil, Beul, Biel, Bil, Boyl, Bol, Bul, Bül, Bel 
findet. . 
Durch Zurückführung des Bestimmungswortes 
Bil in Bilstein auf ahd. piunda, biunda erklärt 
sich sowohl die Schreibung Beil, Beul, Boyl (vgl. 
in loco qui vulgariter uppe den Boyl nun- 
cupatur in einer Urkunde von 1332 als Bezeich 
nung für einen spitzen Kegelberg im Habichtswald 
westlich vom Brasselsberg 2 °) neben Biel, Bil wie 
das Nebeneinander von Bilstein, Beilstein neben 
Bilstein, Beilstein und von zusammengesetzten 
Flurnamen wie Beunfeld, Beungraben, Beun- 
wies, Beungewann, Beunhag neben Beulfeld, 
Beulgarten, Beulheck, Beulköpfchen, Beulrain, 
Beulwies oder von einfachen Flurnamen wie Beun, 
Bein, Bain, Boin, Böin neben Beul, Boyl, Beil. 80 ) 
Bei dem Übergang von Beun, Bein, Bien zu 
Beul, Beil, Biel mag infolge Mißverständnisses 
Vermengung mit ahd. buhil „Bühl", ma. Biel 
mitgewirkt haben. 8 *) So findet sich noch die ur 
sprüngliche Form Bienstein neben der häufigeren 
") Wilma nns, Deutsche Grammatik, 1. Abt. Laut 
lehre (2. Aufl. Straßburg 1887) S.140; Michels. Mittel- 
hochd. Elementarbuch (Heidelberg 1900) § 171; Schoos, 
Die Schwälmer Mundart (Halle a. d. S. 1914) § 204; 
Crecelius, Oberhess. Wörterb. S. 798. 
89 ) Landau. Wüste Ortschaften S. 65. , 
") Kehr ein a. a. O. S. 343, 344. Vgl auch thü 
ringisch die kalte Bille (Gerbing a. a. O. S. 88). 
*') Vgl- thüringisch hinter dem Beil, ma. hinger den 
Biel, 1641 hinter der Beil, hinterm Beil, an der 
Biell (Gerbing a. a. O- S. 59), hessisch ant der Beil Gem. 
Speckswinkel, der Böhl Gem. Dodenhausen (Kr. Franken 
berg) usw.
	        

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