Full text: Hessenland (31.1917)

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Nachtrag zu dem Aufsah: Der Hexenglaube in Hessen. 
IV. Hexenverfolgung. 
Bon Heinrich Franz. 
1654 Hexenprozeß zu Rinteln (s. Mitt. des 
Ver. für Hess. Gesch. und Landeskunde 1885, 
XCIII). 
Im Sommer 1654 wurde eine „Bürgerin von 
Rinteln" der Hexerei angeklagt, durch Folterung 
zum Geständnis gezwungen und zum Tode ver 
urteilt. (Über die Art ihrer Hinrichtung bietet 
der Bericht der „Mitteilungen" nichts, auch der 
Name der Angeklagten wird nicht genannt). 
1654 Hexenprozeß in Rinteln (Vortrag von 
Metropolitan Braunhof auf dem Hess. Städtetag 
zu Rinteln, s. „Kasseler Allg. Ztg." 1904, Nr.213). 
!Am 3. Juli 1654 begann die Untersuchung 
gegen die Witwe des Daniel Hoormann. Schon 
von einer 1635, dann von zwei 1654 hingerich 
teten Hexen als Genossin angegeben, wurde sie 
neuerdings von weiteren Zeugen der üblichen Fre 
vel beschuldigt. Am 15. August entriß man ihr 
durch die Folter stückweise ihre „Schuld" sowie 
die Namen von Mitschuldigen. Am 25. August 
erfolgte das Schlußverhör und die Verurteilung. 
Ob die Verurteilte durch Feuer oder Schwert 
gerichtet oder etwa erst geköpft und dann ver 
brannt wurde, geht aus meiner Quelle nicht her 
vor. (Daß der Prozeß Hoormann nicht mit dem 
unmittelbar vorher erwähnten Rintelner Prozeß 
identisch ist, schließe ich daraus, daß hier der 
Hexentanz „auf dem Steinanger", dort „an der 
Katharinenklause auf dem Luhdener Berge" statt 
findet). 
1654 Hexenprozeß in Rinteln (s. Braunhof 
in „Kass. Allg. Ztg." 1904, Nr. 213, 214 und 
216). 
IAn demselben Tage wie gegen die Hoormann 
begann ein Prozeß gegen die Ehefrau Marie 
Schrökel, geb. Biesenmeier, auch sie war von einer 
verbrannten Zauberin aus Angst oder Haß als 
Mitschuldige angegeben, dann des weiteren durch 
eidlich vernommene Zeugen belastet. Nach am 
31. Juli erlittener Folterung und anschließendem 
halbstündigen Zureden des Stadtpsarrers bekannte 
sie sich zu einet ganzen Reihe von Hexenfreveln. 
Am 3. August widerrief sie zwar, kehrte aber schon 
am 5. zu ihrem Geständnis zurück und wurde in 
Anerkenntnis dessen am 25. August „zu schleuniger 
milder Hinrichtung begnadigt". 
1655 Hexenprozeß in Rinteln (s. Braunhof in 
„Kass. Allg., Ztg." 1904, Nr. 213). 
Am 22. August 1655 wurde Johann Ernsting, 
gen. Cronenscheiter, als Zauberer angezeigt. Schon 
seine im Jahr vorher als Hexe verbrannte Frau 
hatte auf der Folter bekannt, ihr Mann.habe sich 
am Hexentanz beteiligt. (Da sie als Tanzplatz 
die „Katharinenklause an der Weser" bezeichnete, 
darf diese Frau Ernsting bzw. Cronenscheiter viel 
leicht als die oben erwähnte 1654 gerichtete „Bür 
gerin von Rinteln" angesprochen werden!) Auch 
eine andere gleichfalls 1654 verbrannte Hexe hatte 
unter der Folter Ernsting als Zauberer bezeichnet. 
Jetzt nun wurden gegen den Unglücklichen noch 
weitere z. T. 8—20 Jahre zurückliegende Dinge 
vorgebracht. Am 5. Mai verhaftet, bekannte er 
sich am 15. Mai auf der Folter zu den verschie 
densten Schandtaten, nannte Mitschuldige und-bat 
um den Tod durchs Schwert. Er wurde dann ver 
urteilt, doch geht aus dem hier mangelhaften 
Aktenmaterial nicht hervor, ob er den erbetenen 
Schwerttod erlangte. 
1657 Hexenprozeß in Eschwege (s. „Mitt. des 
Vereins f. Hess. Gesch. u. Landesk." 1884, LX). 
Auf eine am 14. April 1657 bei Landgraf Her 
mann von Rotenburg erfolgte Anzeige hin wurde 
die Ehefrau des Eschweger Bürgers Jakob Holz- 
npfel wegen Hexerei belangt. Mehrmals scharf 
gefoltert, bekannte sie sich zu ihren „Freveln" 
Da sie außerdem angab, das Hexen von ihrer 
Mutter erlernt zu haben, wurde auch diese gefol 
tert, selbstredend mit dem Ergebnis, paß die arme 
Alte gestand, ihre Tochter schon als Schulmädchen 
in die schwarze Kunst eingeführt zu haben. Die 
Juristenfakultät zu Gießen erkannte nach Prüfung 
der eingereichten Akten für beide Angeklagte auf 
Tod durch Feuer. Am 30. Oktober 1657 erfolgte 
zu Eschwege ihre Hinrichtung, und zwar wurde 
Frau Holzapfel stranguliert, ihre Mutter geköpft, 
dann beide Leichen verbrannt. 
1659 Hexenverbrennung bei der Arensburg 
(s. Braunhof in „Kass. Allg. Ztg." 1904, Nr. 209). 
Am 11. November 1659 wurden laut einer 
Notiz im Oberkirchener Kirchenbuch 20 Hexen aus 
dem kleinen Obernkirchen bei der Arensburg nahe 
Rinteln verbrannt. B. bemerkt dabei, in der zwei 
ten Hälfte des 16 (oder 17 ?) Jahrhunderts sei 
das Abtun der Hexen in Rinteln dermaßen eifrig 
betrieben worden, daß sogar Beschwerden über die 
Holzfuhren zum Hexenverbrennen eingereicht wor 
den seien. 
1668/69 Hexenprozeß in Rinteln (s. Braunhof 
in „Kass. Allg. Ztg." 1904, Nr. 216).
	        

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