Full text: Hessenland (31.1917)

H.AM Vin-KASJEi. 
Hessisches Heimatsblatt 
Zeitschrift sür hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 7,8. 
31. Jahrgang. April-Doppelheft 1917. 
Die Herrn von Meysenbug. 
Von G. Eisentraut. 
In deutschen Tagesblüttern und Zeitschriften 
wurde im Oktober des vergangenen Jahres die 
Erinnerung an eine edle Frau wach gerufen, die 
vor 100 Jahren in Kassel geboren, sich als 
Führerin in der Frauenbewegung und als Schrift 
stellerin eine hervorragende Stellung erworben 
hatte und von der Friedrich Nietzsche einmal ge 
sagt hat, sie sei die Freundin der Welt geworden. 
Es war Malwida von Meysenbug. 
Ihr Name erinnert an ein uraltes Ritter 
geschlecht, das früher in Hessen weit verbreitet 
mar. Aber mit diesem alten Geschlechte hat Mal- 
mida nur den Namen gemeinsam. Es war bereits 
seit 15 Jahren vollständig ausgestorben, -sein Name 
erloschen, als Malwidas Vater, der kurfürstlich 
hessische Geheime Kabinettsrat Rivalier vom Kur- 
fürsten Wilhelm II. unter dem Namen Rivalier 
o. Meysenbug 'in den Adelstand erhoben und der 
alte ausgestorbene Name dadurch wieder ins Leben 
gerufen wurde. 
Dieser Fall, daß ein erloschener Adel in einer 
neuen Familie wieder auflebte, steht weder in 
Hessen, noch anderswo vereinzelt da. Es sei er 
innert an die einst ausgestorbenen und später 
wieder erstandenen Adelsnamen: "von Blumenstein, 
o. Scholley, v. Hessenftein, v. Scheurenschloß u. a. 
In Nachfolgendem soll nun dasjenige, was über 
das alte und das neue Geschlecht der Meysenbug 
sich finden ließ, zusammengestellt werden. Ohne 
ein paar trockene Tatsachen wird es dabei nicht 
abgehen, doch durften sie in der Erzählung nicht 
fehlen. 
In den Urkunden findet sich der Name Meysen 
bug bald mit ey, bald mit ei, am Ende mit g 
nnd gk geschrieben. Er kommt auch vor als Meysen- 
burg, Meisebug, Meisibug und Meisinbug. 
In den Ortschaften, in denen die Meysenbugs 
früher begütert waren, sieht man noch heute ihr 
Wappen an Mauern, Türmen und Brücken. Es 
zeigt eine schwarze Vogelkralle im goldenen Felde. 
Vielleicht soll die Vogelkralle mit dem im spitzen 
Winkel dazu stehenden Schenkel den Bug oder 
Ellenbogen einer Meise bedeuten und es würde 
in diesem Falle das Wappen zu den redenden 
oder sprechenden gehören. 
Träger des alten Namens erscheinen urkund 
lich zuerst im Jahre 1210 als in Felsberg be 
gütert und wir dürsen annehmen, daß die Meysen 
bugs noch viele Jahrhunderte hindurch in diesem 
so malerisch unter seiner alten Burg gelegenen 
Städtchen gewohnt haben.
	        

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