Full text: Hessenland (30.1916)

52 bBL 
hörte, daß die Bürger immer noch auf ihr Recht 
pochten und sich dabei auf ihre guten Briefe und 
Siegel beriefen. Er befahl, die Urkunden in seine 
Residenz zu bringen, und da die Bürger einige 
hinter sich behalten haben sollten, wurden diese 
nachgefordert 9 ii) * * * * * * ); sie sind nie wieder zum Vorschein 
gekommen, Wohl aber sind von einigen Abschriften 
erhalten. Nur verstohlen wagte man zu protestieren 
durch die ins Stadtbuch eingetragenen Worte: 
Injuriam nodis facit. . Wenn es um Wald und 
Wild ging, dann hörte bei Philipp nicht nur die 
Gemütlichkeit, sondern oft auch Recht und Billig 
keit auf. Nur in einem Fall mußte sich Philipps 
Nachfolger zu einer Entschädigung für den Verzicht 
auf einen Sondern im Reinhardswald verstehen, 
dabei handelte es sich um ein Waldstück des Klosters 
Hilwartshausen, dessen Recht eine Macht, der Her 
zog von Braunschweig, vertrat.io) 
Umgekehrt wie in Hessen verlies die Entwicklung 
in den benachbarten paderbornischen und kurköl 
nischen Gebieten. Dort saßen die Stände in der 
Macht, daher gingen die Wälder zur Zeit der 
Entscheidung ins Eigentum der Ritter, der Ge 
meinden, der Klöster und Stifter, auch der ein 
zelnen Hofbesitzer über, so daß es Staatswald 
kaum gibt, abgesehen etwa von den Forsten ein 
gezogener Klöster. Das ist ein Grund mit, wes 
halb unter dem Krummstab gut wohnen war, 
denn Besseres konnten sich die Landesbewohner 
nicht wünschen. Die Gunst der Umstände hat ein 
zelne Städte fast überreich gemacht. So besitzt die 
ehemals kurkölnische Landstadt Brilon etwa 48 000 
Morgen, davon 24 000 an Wald, und ist nächst 
Görlitz die an Grundbesitz reichste Stadt in Preußen. 
Alle zwei Jahre wird ein Teil der Grenze unter 
den feierlichen alten Bräuchen begangen und mit 
frohem Stolz ruft der Briloner, indem er mit 
dem Finger nach der Grenzlinie des Gesichts 
kreises weist: ,,'t is alle use!" 
Die Zapfenburg, die als Schutzburg keine Be 
deutung mehr hatte, verfiel rasch wie alle Höhen 
burgen, die der Unterhaltung entbehrten, schon 
im Jahre 1455 wird sie wüst genannt. Der Land 
graf Wilhelm II. ließ die Reste über der Erde 
mit Ausnahme des Bergfrieds beseitigen und baute 
in den Jahren 1490—1492 innerhalb des in den 
Basalt getriebenen Burggrabens unter Verwendung 
großer Massen von Holz ein festes Jagdschloß. 
Als solches diente es drei Jahrhunderte hindurch 
den hessischen Landgrafen, die sich fast sämtlich 
dort mit Vorliebe aufhielten, und eine lange Reihe 
von deutschen Fürsten hat hier Gastfreundschaft 
9 ) Bericht des Amtmanns Heinrich Hesse zu Trendel 
burg an den Landgrafen Wilhelm vom 22. Febr. 1568. 
ich Vertrag vom 3. Mai 1575. 
genossen, gejagt, getafelt und den Humpen ge- 
schloungen. Bei solchen Gelegenheiten spielte der 
vom Landgrafen Wilhelm IV. angelegte Tier 
garten, der zuerst mit Planken und Dornhag, 
dann im Jahre 1591 mit einer hohen Mauer ver 
wahrt wurde, eine große Rolle, auch die ihn um 
gebenden Waldbezirke, der Sababurger Bruch, die 
langen Machet), der obere und untere Knhberg 
wurden zur Wildhege genommen. An der Grenze 
des Jagens 131 gegen den Holzapegrund findet 
man auf einem Wall Reste einer Hagedornhecke, 
sie rühren wohl von einer der Wildhecken her, wie 
sie bei der Heckenjagd auf Hirsche bis ins 17. Jahr 
hundert gebraucht wurden. 
Der dreißigjährige Krieg verwüstete das Schloß, 
das Sitz eines großen Amtes war, den Forst und 
die Wildbahn in gleicher Weise. In dieser Zeit 
konnte es noch vorkommen, daß Bürger, deren 
Ansprüche auf ein Waldstück abgewiesen waren, 
mit den einquartierten Strafbayern ersten Auf 
gebots dorthin rückten und den Wald zunichte 
hieben. Da nach dem Frieden zahllose Häuser 
wieder aufgebaut werden mußten, stand man vor 
der Sorge, es könnte in dem so waldreichen Land 
Holznot eintreten. Sie war nicht grundlos, jeden 
falls konnte nicht mehr so aus dem Vollen gewirt- 
schaftet werden wie ehemals, als man mit Eich 
stämmen Straßen einen haltbaren Untergrund gab, 
die Dämme der Teiche befestigte und beim Neu 
bau der Zapfenburg in einem Jahre 500 Fuder 
Bauholz anfuhr. Wohl oder übel mußte der Ver 
brauch eingeschränkt und eine geregelte Forstkultnr 
durchgeführt werden, die auch zuerst Nadelholz in 
das Laubholzgebiet brachte; verschwunden war die 
Zeit, da man mit Fug sagen durfte: Dem richen 
Wald es lützel schadet, wenn sich ein Mann mit 
Holze ladet. Fast zweier Jahrhunderte bedurfte 
es jedoch, bis die landwirtschaftliche Nutzung ganz 
aus dem Forst verdrängt war und der Forst sein 
jetziges Aussehen gewann, so daß die durch Zu 
fälligkeiten erhaltene Wildnis am Kuhberg wie 
ein Stück Vorzeit in die Gegenwart ragt. Denn 
erst die preußische Verwaltung hat die noch be 
stehenden Lasten fast alle abgelöst, große Kulturen 
angelegt und aus dem Forst einen Spartopf mit 
wachsendem Inhalt gemacht. 
Indes kann man füglich zweierlei behaupten: 
Der Waldbesitz von rund 210 000 Hektar, den 
Kurhessen dem Königreich Preußen zugebracht hat, 
ii) Der Name Maße kommt als Flurname nicht 
selten vor (die lange Maas s. w. Holzhausen, Kr. Hof 
geismar) ; Vilmar, Idiotikon von Kurhessen S. 263 
weiß ihn nicht zu deuten. Maß bezeichnet meist eine 
Wiesen- oder Waldportion, einen oder eineinhalb Acker. 
Vgl. Kopp, Handbuch zur Kenntn. d. Kurh. Landes- 
Verfassung und Rechte VI, 409.
	        

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