Full text: Hessenland (30.1916)

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Domschretn. 
stets an Werken der Malkunst und künstlerisch 
gearbeitetem Kirchengerät war so groß, daß Thiet- 
mar, als er im Jahre 1106 den Erzbischof Bruno 
von Trier um die Reliquien eines Heiligen und 
Märtyrers bat, versichern konnte, der Heilige 
werde an eine durch Kunstschmuck seiner würdige 
Stätte kommen?) 
Der Bischof Heinrich erhielt im Jahre 1100 vom 
Kloster ein dort vorhandenes goldenes Kreuz und 
einen auf seine Kosten gearbeiteten, von ihm be 
stellten Reliquienschrein in der Forin eines Trag- 
altärchens für seinen Dom, dafür übertrug er 
jenem die reich ausgestattete Kirche von Deisel und 
den Zehnten des Dorfes Muthen?) das unmittel 
bar nördlich am Krukenberg lag. Es war etwas 
Ungewöhnliches, daß in der darüber ausgestellten 
Urkunde der Schöpfer des Schreins, der Bruder 
Rogker, mit besonderem Lob genannt wurde, er 
muß wohl ein Künstler von Ruf gewesen sein?) 
Das Kreuz ist verloren, dagegen befindet sich 
im Domschatz zu Paderborn ein Schrein, der unter 
ariderem die Figuren der Heiligen Kilian und 
Liborius, sowie der Bischöfe Meinwerk und Hein 
rich aufweist, dessen Identität mit dem urkundlich 
erwähnten auch aus anderen Gründen als sicher 
*) Translatio 8. Modoaldi. Monumenta Germa 
niae SS, XII, 295: Replicabat . . . ornatum in varia 
operositate picturae diversaeque supellectilis mona 
sterii sui. 
s ) Nicht Mulhen, wie nach einem Lesefehler bei Er 
hard, Regesta historiae Westfaliae Nr. 1291 vielfach 
geschrieben wird. 
4 ) S'ch aten, Annales Paderbornenses I, 648: scri 
nium, quod nostro sumptu frater eiusdem ecclesie 
Rogkerus satis expolito opere in honorem sancti 
Kyliani atque Liborii fabricaverat. 
anzusehen ist. Nachdem Kayser in dem Tragaltär- 
chen zuerst die Arbeit Rogkers erkannt hatte?) er 
regte es auf der Münchener Ausstellung im Jahre 
1875 das Interesse der Sachkenner, und dies stei 
gerte sich, je mehr das Werk durch spätere Aus 
stellungen bekannt wurde, derartig, daß es jetzt 
bereits eine kleine Literatur darüber gibt. 
Das kleine Meisterwerk romanischer Gold- 
schmiedekunst ist nur 34 cm lang, 21 cm breit, 
17 cm hoch. Es ruht auf vier Füßen, und sein 
Holzkern ist mit Platten' von Goldblech überzogen, 
das mit auffallend vielen Arten der Technik 
behandelt ist, mit Gravierung, getriebener und 
erhabener Arbeit, Niellierung und Edelsteinfassung. 
Auf den Langseilen sind je fünf Apostel graviert, 
die eine Breitseite zeigt Christus sitzend in der mit 
Edelsteinen geschmückten Mandorla und zu beiden 
Seiten .Kilian und Liborius stehend, alles in ge 
triebener Arbeit, die andere Maria und zwei 
Apostel in Niello, der Deckel Gravierung, auch 
Niello und Filigran, die Unterseite die gravierten 
Bischofsfiguren. Ani oberen und unteren Rand 
stehen Inschriften in lateinischer Sprache, auch 
einige griechische Worte?) 
Einen zweiten kleinen Tragaltar, der aus der 
selben Zeit stammt und etiva die gleiche Forin und 
dieselben Maße aufweist wie der Domschrein 
(31 :18, 5 :11,2 cm), besaß ehemals das Kloster 
Abdinghof in Paderborn; auch dieser ist zuerst 
von Kayser in feinem künstlerischein Werte erkannt 
und besprochen worden?) Wie er aber gegen den * *) 
5 ) Organ für christliche Kunst XI (1861) S. 90. 
*) Bau- und Kunstdenkmäler Westfalens, Bd. 7 (Kreis 
Paderborn von Ludorfsl Taf. 53— 55; Bild 1. 
’) Organ für christliche Kunst XVI (1866), S. 3 ff., Bild 2.
	        

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