Full text: Hessenland (30.1916)

dem er den Namen „Sieben Jahre" geben wollte 
und von dem im Unterhaltungsblatte der von 
Oetker redigierten „Neuen Hessischen Zeitung" 1848 
einige Abschnitte erschienen. Das, was Dingelstedt 
beabsichtigt hatte, führte Koenig in seinem drei 
bändigen Romane „König Jerömes Karneval" 
wirklich aus. — Der „Scheide künstler, der so 
viel Treffliche und Treffliches vereinig t", ist 
Justus Liebig. Fast klingt es wie eine Renüniszenz 
an diesen Wortwitz des Freundes, wenn wir bei 
Dingelstedt „Münchener Bilderbogen", Seite 47, 
lesen: „Am äußersten Ende der Arcisstraße in 
München hatte Liebig sein Zelt aufgeschlagen; ein 
stattliches Laboratorium, worin der Meister seine 
Scheide kunst betrieb, und einen behaglichen 
häuslichen Herd, an welchem er vereinigte — 
alle Mitglieder der Fremdencolonie und viele der 
Eingeborenen." 
Lebenslied. 
Ich möchte ein Lied euch singen, 
Ein jubelndes Lebenslied, 
Das hoch über allen Dingen 
Als goldene Freude zieht. 
Dem solltet ihr bebend lauschen, 
Ms rot euch die Wange glüht. 
Das soll eure Seelen durchrauschen, 
Bis stolzestes Wünschen blieb. 
Das müht in die Tiefen dringen, 
Zu segnen das ärmste Leid. 
Ich möchte das Lied euch singen 
Von der Liebe Unendlichkeit. 
Kassel. Else Groß. 
Heldentum. 
Erzählung von Heinrich Bertelmann. 
(Fortsetzung.) 
2 . 
Die Kompanie lag in Reservestellung hinter 
einem Gehölz. Der Hauptmann Heß saß auf 
einem Baumstumpf, mit seinen Leuten plaudernd. 
Spätherbstabendglanz umspielte die blanke Wehr. 
Der scharfe Hügelrand der kesselartigen Vertiefung 
schloß mit den dunklen Föhrenkronen einen fried 
lichen Kreis um die Truppe, daß man versucht 
sein konnte, an ein Manöverbild zu glauben, 
wenn nicht der Donner der Granaten gewesen wäre. 
Längst hatte sich freilich das Ghr an die lot 
ernste Musik gewöhnt. So freute sich die Mann 
schaft , daß sie mit ihrem Hauptmann wieder 
einmal Auge in Auge saß. Sie hatten ihn alle ins 
Herz geschlossen, denn wohin der schaute, ging eine 
Freude auf. 
Gestern hatten sie einen guten Tag gehabt. 
Nach Wochen langen Wartens war endlich Post 
eingetroffen. Des Hauptmanns Augen strahlten 
darüber noch heute. Seine Frau hatte ihm seine 
drei Kinder im Bilde geschickt. Stolz hatte er 
das hemmgereicht. Seinen Ältesten sollte jeder 
sehen. Und dann die vierundzwanzig Pakete für 
seine Person. Die Kompanie hatte er zu Gaste 
geladen. Er wußte es einzuteilen, daß an jeden ein 
Stück Wurst oder ein Brocken Kuchen kam. Ein 
wahres Liebesmahl war es gewesen, und alles 
schmeckte nach Heimat. 
Von Spangenberg begann er auf einmal zu er 
zählen, von seinen grünen Jungen und Gtto dem 
Schütz. „Den ganzen Tag steht mir das liebe 
Bergnest vor Augen, und ich sehe Gtto den Schatz 
zur Jagd ausreiten in den Bromsberg." 
„Das ist ein guter Vorreiter, Herr Hauptmann", 
erwiderte der Unteroffizier Mergard. „Heut tun 
wir wieder einmal wie er den Meisterschuß." 
Der Hauptmann nickte: „Und die Braut, um 
die es geht, soll unser Hessen sein! Was meint ihr 
wohl, Leute, wenn Russen oder Franzosen die teure 
Erde umwühlten, wie wir es nun hier tun müssen? 
Wo'bliebe da unser Hessenwald?" 
Manchem Burschen ging da ein Licht auf, und 
er sah sich im Sonnlagsfrieden mit der Nelke im 
Munde, die er im Garten am Hause gepflückt, 
zum Walde hinaufschreiten und schaute im Schatten- 
weg nach seiner Liebsten aus. 
„Leute, was ich euch immer gesagt habe: wenn's 
vorwärts geht, sag jeder für sich in Gottes Namen. 
Das ist eine Losung, die einen stark macht." 
Kaum hatte es der Hauptmann gesagt, kam der 
Befehl. Ein Rauschen und Knistern und Klingen 
ging durch die Kompanie. Hände langten zum 
Helm und prüften Waffen und Munition. Zur 
Rechten und Linken ein letzter Gruß, Auge in Auge, 
dann hinein in Nacht und Tod! 
„Gott sei Dank!" rief Mergard, sich reckend.
	        

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