Full text: Hessenland (30.1916)

ssssa, 276 
und betn Kinde vermittelst einer Schnur um den 
Hals gehängt wird. Die Zauberworte selbst lauten: 
Weichet, ihr Geister und Geisterinnen, 
Weichet, ihr Gilbert und Gilbertiunen! 
Wo wollt ihr hin? 
In N. N.'s Haus! 
Was wollt ihr da tun? 
Wir wollen seines Herzens Blut aussaugen. 
Das sollt ihr nicht tun. 
Ich gebiete euch im Namen der hl. Drei- 
Weichet von diesem Haus. sfaltigkeit, 
Ein Hexenbanner, der den Hexen der Wetterau 
auf den Paß lauerte, bannte sie in seinen Ranzen 
und trug sie dann — eine schwere Last, die ihn 
zu vielem Ächzen und mauchmaligem Ausruhen 
nötigte — hinauf auf den Oberwald im Vogels 
berg. Wenn die Hexenseelen, was vorkam, gar zu 
arg in dem Ranzen tobten, schlug er mit seinem 
derben Knüppel so lauge darauf los, bis es wieder 
Ruhe gab. Warf er zum guten Schluß die Unholde 
in den Forellenteich, so hatte er noch gut acht zu 
gebeix, daß sie ihn nicht mit f)irtentrissen. 39 ) Als 
besonders schwer zu bändigen gilt der männliche 
Unhold, der Hexenmeister, dem gegenüber daher 
stets und von vornherein der Mann von Beruf 
aufgeboten werden muß. 4 ") * 40 
39) Hess. Blätter f. Volks. Ul, 61 (Nördl. Bogels- 
berg, Eschenrod). 
40 ) Hess. Landes- u. Vollst. II, 539 (Sachs. Nieder 
hessen). 
Franz Dingelstedt und Friede. Wilh. Gubitz. 
Von Hans Knudsen, Berlin-Steglitz. 
Zur Vierhundertjahrfeier für die Erfindung der 
Buchdruckerkunst, die man im Jahre 1840 in Mainz 
beging und die dieser Stadt das Gutenberg-Denk- 
mal brachte, wollte auch der junge Dingelstedt von 
Fulda aus mit einer literarisch-künstlerischen Gabe 
auf dem Plan sein. Stattlich gedruckt erschien 
1840 im Verlage der Buchdruckerei Jsröme Hotop 
in Kassel der dünne Folioband: „Sechs Jahr 
hunderte aus Gutenbergs Leben. Kleine Gabe zum 
großen Feste. Text von Dr. Franz Dingelstedt in 
Fulda". Für die Bildausstattung hatte Professor 
Friedr. Müller in Kassel einige Künstler gewonnen, 
unter ihnen auch Friedr. Wilh. Gubitz in Berlin, 
dessen Name damals in der Holzschneidekunst schon 
den verdienten guten Klang hatte. 
Dingelstedts Festgedicht ist kein fröhliches Lied. 
Die sechste (und letzte) Vision des Dichters, über 
schrieben mit der Jahreszahl „??40" schließt das 
Ganze mit dem düsteren Ausblick ab, wie herein 
gebrochene asiatische Horden das letzte Buch am 
Denkmal Gutenbergs verbrennen — ein Standpunkt 
des Dichters, der ja nicht ohne offenen Widerspruch 
blieb. Diesem „trüben Traumgesicht des Dichters 
von der Zukunft Europas" folgte Gubitz mit seinem 
Holzschnitt; außerdem hat er, mit ebenso einfachen 
Linien, für das Gedicht zum Jahre 1540 die Il 
lustration gegeben und wollte dabei „den Eindruck 
einer ersten Reformationspredigt, wie sie der Dichter 
schildert, reproduziren". 
Neben dem - Bildkünstler Gubitz steht, damals 
mindestens ebenso beachtet, der Journalist und 
Redakteur Gubitz: In dessen langlebiger Berliner 
Zeitschrift „Der Gesellschafter" mit einer Kritik 
bedacht zu werden, mußte Dingelstedt wünschens 
wert und iticht schwer erscheinen, nachdem eben 
durch die Gutenberg-Dichtung eine Verbindung her 
gestellt worden war. Er wendet sich daher mit 
folgendem Brief an Gubitz. Ich verdanke dieses 
und das zweite, spätere Schreiben der Freundlich 
keit des Herrn Rittergutsbesitzers G. Lessing in 
Berlin, der mir die Briefe aus seiner reichen Samm 
lung gütigst zur Verfügung stellte, über die nun ja 
auch der wertvolle gedruckte Katalog Auskunft gibt. 
Hochgeehrtester Herr! 
Indem ich Ihnen vor allsems meinen besten 
Dank abstatte für die freundliche Künstlersorgfalt, 
welche Ihre gefeierte Hand unserem gemeinsamen 
Gutenbergs-Werke widmete, empfehle ich Ihrer 
kritischen Güte hiermit zugleich ein neueres Pro 
dukt, das ich in Ihrem „Gesellschafter" bald 
gefälligst zu besprechen bitten wollte. Vielleicht, 
daß Sie, Ihrer Ansicht und Ihrem Standpunkte 
nach, an Manchem Anstoß nehmen werden; das 
hindert mich, der ich jede Persönlichkeit und jedes 
Urteil zu respektireu geneigt bin, nicht. Ihnen 
vertrauensvoll mein Buch zu übersenden, weil ich 
zugleich die Ueberzeugung hege, daß daneben vieles 
Sie ansprechen und befriedigen werde. Genehmigen 
Sie hiernach den Ausdruck meiner aufrichtigsten 
Hochachtung, womit sich Ihnen und Ihren Nächsten 
bestens empfohlen hält 
Ihr ergebenster 
Fulda, 9 Juli 1840. Fr. Dingelstedt. 
Dingelstedt nennt den Titel des übersandten 
Buches nicht; es kann aber kein Zweifel sein, daß 
es sein Roman „Unter der Erde. Ein Denkmal 
für die Lebendigen" gewesen ist, der 1840 in 
Leipzig bei Einhorn erschienen war. Gubitz er
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.