Full text: Hessenland (30.1916)

Hessisches Heimatsblatt 
Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 18. 30. Jahrgang. Zweites September-Heft 1916. 
Der Hexenglaube in Hessen. 
HI. Gegenzauber. 
Von Heinrich Franz. 
1. 
Niemand wird nach dem früher Beigebrachten 
behaupten mögen, daß die Hexengläubigen es an 
Vorsicht bzw. Vorsichts- und Abwehrmaßregeln 
fehlen lassen. Indes bei dem aus der innersten 
Natur hervorquellenden, und deshalb unablässigen 
Schädigungsstreben des Hexenunholdes wird es 
nur zu oft vorkommeit, daß er in dem gegen ihn 
aufgerichteten Schutzwall eine Lücke erspäht und 
nun alsbald durch diese eindringt. Zeigen sich 
dann die offensichtlichen Spuren.seines Treibens, 
so bleibt nichts übrig, als ihn durch Gegenzauber 
zu bekämpfen *), gegen ihn zu „brauchen"?) Das 
Haus, selbst die Fenster 3 ), müssen dabei fest zu 
geschlossen 4 ), alle forttragbaren Gegenstände vom 
Hof weg- und in Gewahrsam genommen werden, 
weil die Hexe alsbald ankommen wird 6 7 ), um 
!) Pfister, Sagen und Aberglauben aus Hessen und 
Nassau, 64 Nr. 4. 
2) Bindewald, Oberhessisches Sagenbuch 103; Wolf, 
Hessische Sagen Nr. 113; Hessische Blätter f. Bolksk.X, 
87 ff. (Lauterbacher Gegend). 
3 ) Wolf, Hess. Sagen Nr. 113. 
*) Bindewald 103. 
6 ) Wolf, Beiträge I, 220 Nr. 237; Hoffmeister, Hess. 
Volksdichtung in Sage usw. 161 Nr.36. 
etwas zu leihen bzw. zu stehlen. Ihrem Begehren 
nach Einlaß 3 ) ist unter keinen Umständen Folge 
zu geben. Wird nach dieser Vorschrift verfahren, 
so muß die Hexe nach dreimaligem vergeblichen 
Umkreisen des Hauses abziehen und, dem im Innern 
gebrauchten Gegenzauber gehorchend, von ihrem 
Opfer ablassen. Dieser Gegenzauber besteht im 
Schmalkaldischen in Räuchern oder Anwenden ir 
gendeines Zauberspruchs, die Hexe wird, wie der 
Ausdruck lautet, „gebremst", d. h. ihr derartige 
Schmerzen zugefügt, daß sie wohl oder übel das 
Feld räumen muß?) Auch der Vogelsberger 8 * ) ver 
steht oder verstand sich auf den Gegenzauber. Wenn 
z. B. ein Kind andauernd schrie, so hing man es 
in einem Grastuch an die Stubentür. Dann holte 
man einen Eimer voll Wasser und warf glühende 
Kohlen hinein. Zischte das Wasser, so war die 
Sache richtig: das Kind war behext. Man schlug 
dann von den zwei untersten Treppenstufen die 
6 ) Hess. Landes- und Volks. II, 492 (Schmalkalden); 
Mündlich (Oberhessen); Hoffmeister 145; Wucke, Sagen 
der mittleren Werra I, 125. 
7 ) Hess. Landes- und Volks. II, 492. 
3 ) Hess. Blätter f. Volksk. III, 61/62 (Nördlicher 
Bogelsberg, Eschenrod).
	        

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