Full text: Hessenland (30.1916)

Nr. 13. 
30. Jahrgang. Erstes Iuli-Hest 1916. 
Gedanken des Landgrafen Wilhelm IV. über den Krieg. 
Von E. Wenzel, Magdeburg. 
Im Nachfolgenden geben wir die Gedanken des 
großen hessischen Landgrafen, der mit Recht den 
Beinamen des Weisen führt, über den Krieg wieder, 
wie sie in dem ökonomischen Staatshaushalt Land 
graf Wilhelms IV. niedergelegt sind. Gleich einem 
Bibeltext könnte man diese Ausführungen einer 
neuzeitlichen Kriegsbetrachtung zugrunde legen. 
Doch wollen wir es dem Leser überlassen, Ver 
gleiche zwischen früher und jetzt anzustellen: 
«Oantelae, das ist Etliche Hochnotwendige 
Puncten, die ein jeder Kriegsfürst wohl undt 
fleißig in acht haben soll. 
Es ist kein abscheulicher Ding auf erdenn, als 
ein Krieg, Dann es wirde dadurch Vornemblich 
der heilige nam Gottes Schendlich und ärgerlich 
misbrauchet und gewähret. Alle Gottesfurcht, 
alle gute gesetz und Ordnungen ligen in der 
Kriegszeit darnieder. Die Herrn und Fürsten 
müssen von ihren eignen Kriegsleuten und Unter 
thanen, über die sie sonst herrschen und gebieten, 
viel Hohn und Ubermuth leiden, und ihr Knecht 
sein, und thun, was sie wollen. Do in Friedens 
zeiten sich sonst Jedermennig dero Herrn gebott 
virhalten muß, Es ist auch nunmehr so weit 
kommen, das die Herr seine eigne bestalte hof 
diener, Ja Koche Becker und Schenker, und wie 
sie heissen, besolden muss, Und da er nicht einem 
jedem gibt uüd thut nach seinem gefallen, werfen 
sie fluchs den sack vor die Thür, begeren Urlaub 
hinweg zu ziehen, Uber das ist die besoldung beide 
ander Beuter und Knechte so hoch gestiegen, und 
die Untrew so gross worden, das kein Herr den 
Krieg mehr erschwinden (?) kann. Darzu da man 
gleich monatlich wohl bezahle, lassen sie doch ihr 
mucken und beuteln nicht, und dorten wohl, wie 
wirs selbst erfaren, dem Kriegsherrn die Buchsen 
ander die Nasen halten, wo er ihnen das Plün 
dern und rauben der armen Leut, und andern 
ihren mutwillen understehen zu wehren, zurdem 
werden durch den Krieg Lande und Leut ver 
hetzet weih und Kinder geschendet und viel armer 
Leut gemacht, davon Gott der Herr schwer rechen- 
schaft von den Verursachern wieder fordern, Uber 
das alles ist auch das Kriegsvolck in einen solchen 
ungehorsam!) gerathenn, das schier nichts frucht- 
barliches mehr mit ihnen zu verrichten. 
Darumb soll ein Jeder kurst, dem seiner eignen 
Seel, ja Leibs und underthanen wolfarth angelegen, 
sich vorm Kriege als dem schrecklichsten Dinge 
auf der weit, mit allem fleis hüten, Alle mittel
	        

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