Full text: Hessenland (30.1916)

eine solche im Stall. 12 ) Vor allem aber gibt es 
zwei angeblich unfehlbare Mittel, um die Anwesen 
heit von Hexen festzustellen. Man hänge einen 
Kranz am Durchzug wagrecht in die Schwebe. 
Er macht dann allerlei leise Drehbewegungen, 
steht aber plötzlich still, wenn eine Hexe ins 
Zimmer tritt. 13 * ) Ebenso sicher geht man, wenn 
man Hexenkraut im Hause aufhängt. So lange 
es sich bewegt, ist die Luft rein, sobald aber eine 
Hexe.ins Haus kommt, steht es still. 11 ) Das alles 
genügt indes dem ängstlich neugierigen Gläubigen 
noch nicht, er muß die Hexen nicht bloß nahe 
wissen, er muß sie sehen. Und auch dazu gibt 
ihm der Volksglaube Mittel an die Hand. Er 
nehme ein am Gründonnerstag 15 ) oder am ersten 
Ostertag vor dem Gottesdimst 16 * ) gelegtes Ei am 
ersten Ostertag 11 ) oder am Sonntag 18 ) bzw. am 
Charfreitag 19 ) mit in bm Gottesdienst, dann kann 
er die Hexen sehen. Sie kommen auf Gabeln 
usw. angeritten (Nassau), tragen ein Melkstühlchen 
auf dem Kopf (Hinterland) und kehren dem Altar 
und der Kanzel den Rücken zu (Wetterau, Säch 
sisches Niederhessen). Eine solche Hexenschau ist 
aber keineswegs gefahrlos. Denn die Hexen rücken 
alsbald von allen Seiten her gegen den mit dem 
Ei Ausgerüsteten an, um es ihm in der Tasche 
zu zerdrücken. Es empfiehlt sich daher, das Ei 
in eine widerstandsfähige Büchse zu tun oder zum 
wenigsten in der Tasche in der Hand zu halten, 
denn gelingt den Hexen ihr Vorhaben, zerdrücken 
sie das Ei, so stoßen sie damit zugleich seinem 
Besitzer das Herz ab. 20 ) (Sin anderes Verfahren, 
um die Hexen zu sehen, wendet man in der Wal 
purgisnacht an. Man stellt drei Eggen zusammen 
und hockt sich darunter 91 * * * * * * * ), oder man stellt sich 
mit einem Kreuz bzw. einer Egge oder Pflug- 
schleife auf dem Rücken an einem Kreuzwege, wo 
die Hexen tanzen, auf? 9 ) Man verhalte sich aber, 
welches der beiden Verfahren man auch anwende, 
völlig still? 9 ) Einem Burschen z. B., der, eine 
12 ) Wolf, Beiträge I, 220 Nr. 219 (Wetterau). 
19 ) Kehrein II, 246. 
u ) Wolf, Beiträge I, 234 Nr. 402 (Wetterau). 
15 ) Pfister 63 Nr. 3; Kehrein II, 60; Hess. Landes- 
u. Volksk. II, 222 (Hinterland); Wolf Beiträge I, 228 
Nr. 332 (Wetterau). 
") Hess. Landes- u. Volksk. II, 538 (Sächsisches 
Niederhessen). 
41 ) Psister 63 Nr. 3. 
«) Kehrein II, 60; Wolf, Beiträge I, 228 Nr. 332 
(Wetterau). 
19 ) Hess. Landes- u. Volksk. II, 222 (Hinterland). 
2l) ) Pfister und Kehrein s. Anm. 17 und 18. 
21 ) Wolf, Hess. Sagen Nr. 101 (Münster bei Dieburg). 
22 ) Hess. Landes- u. Volksk. II, 538 (Sächs. Nieder 
hessen). 
23) Wucke, Sagen der mittleren Werra II, 22. 
der Hexen erkennend, in der Überraschung laut 
deren Namen rief, warf diese ihr Beil ans Bein, 
so daß er hinkend wurde und erst nach Jahresfrist 
den Unhold durch Gegenzauber nötigte, sein Ge 
brechen von ihm zu nehmen? 1 ) 
2 . 
Angesichts solcher und anderer Schädigungen 
durch den Hexenunhold empfiehlt der Volksglaube 
die mannigfachsten Vorsichts- und Abwehrmaß 
regeln. Man gehe statt auf dem Wege tunlichst 
auf dem Rasen daneben? 9 ) Sieht man schwarze 
Katzen im Feld auf einen zukommen, so springe 
man über den Bach oder den Weg, mindestens aber 
hüte man sich, ihnen etwas zu leide zu tun. 26 ) 
Dazu vermeide man alles, wodurch die Hexe 
„Macht gewinnt". Man lege deshalb die Ofen 
gabel nicht in den Ofen 21 22 * * ), vor allem aber be 
denke man, daß der geliehene bzw. gestohlene 
Gegenstand 99 , selbst das ausgehändigte Wechsel 
geld 99 ), für die Hexe zum Mittel wird, um an 
dem Besitzer ihre bösen Künste zu üben. Sogar 
ausgekämmtes Haar sowie Eierschalen kann sie 
dazu benutzen. Es wird deshalb davor gewarnt, 
ausgekämmtes Haar auf die Straße zu werfen"), 
vielmehr geraten, es sofort zu verbrennen? 1 ) Eier 
schalen aber mache man dadurch für die Benutzung 
durch Hexen unbrauchbar, daß man sie zerdrückt 
oder hineinspuckt? 9 ) Die Gefahr des Verleihens 
ist besonders bei der Geburt eines Kindes zu be 
achten. Man soll dann in den ersten drei"), nach 
anderer Meinung in den ersten neun Tagen 91 ) 
nach der Geburt bzw. vor Vollzug der Taufe 99 ) 
nichts aus dem Hause verleihen, anderenfalls man 
Gesundheit und Leben des Neugeborenen gefährden 
91 ) Wolf, Hess. Sagen Nr. 101. 
") Bindewald, Oberhess. Sagenbuch 105 (Vogels 
berg). 
9li ) Bindewald 105 (Vogelsberg); Wolf, Beiträge I, 
226 Nr. 299 (Wetterau); Mündlich (Oberhessen). 
91 ) Pfister 171. 
2S ) Bindewald 103 (Gegend von Grünberg); Wolf, 
Hess. Sagen Nr. 111 (Reichenbach i. O.); Hess. Landes- 
u. Volksk. II, 324 (Schwalm); ebenda II, 386 (Oberes 
Kinziggebiet); ebenda II, 473 (Schmalkalden); Wolf. 
Beiträge I, 226 Nr. 303 (Wetterau); Mündlich (Ober 
hessen). . 
99 ) Hess. Landes- n. Bolksk.II, 386 (Oberes Kinzig 
gebiet). 
9 °) Wolf, Beiträge I, 226 Nr. 303 (Wetterau). 
91 ) Mündlich (Oberhessen). 
") Cürtze 390 Nr. 103; Pfister 171; Kehrein II, 246. 
") Wolf, Beiträge I, 206 Nr. 115, 211 und 219 
(Wetterau). 
91 ) Hess. Landes- u. Volksk. II, 411 und 413 (Thür. 
Niederhessen); ebenda II, 473 (Schmalkalden); ebenda II, 
370 (Kinziggebiet); ebenda II, 49 (Frank. Niederhcssen). 
") Hess. Landes- u. Volksk. II, 471 (Schmalkalden); 
Cnrtze 371.
	        

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