Full text: Hessenland (30.1916)

neben Haspe (Umgegend von Gießen); Aspel 
(Rheinland), 1011 Aspola, 1168 Aspele neben 
Haspele 1237; Hase (Nebenfluß der Ems), 773 
Hasa, 786 Hass neben Asa, Assa, Ose 783 
und die nach ihr benannte Stadt Osnarbrück 
(„Brücke über die Hase"), 718 Osenbrug, 772 
Osnabruge, Osenbrueck, 776 Ossenbrugke, 
781 Asenbruggensis, 851 Osnabrugga, 1488 
Ossenbruck neben Hosenbreichensis 1146 sowie 
der gleichfalls hierher gehörende Gebirgsname 
Osning (Teutoburger Wald), 783 Oyslinck, Os- 
nenge, Osneggi, 1001 Osninge, 1015 Asnig 
neben Hosninge 850. Ähnlich findet sich nassauisch 
Hasbacb neben Asbaeb, Aspel neben Haspel 
garten, vgl. dazu den Marburger Lokalnamen 
iw Haspel (umgedeutet aus iw Aspen), heute 
Haspelstrasse, ferner Uslar (bei Göttingen) neben 
urkundlichem Hnslar, Ospen neben Hospen, woraus 
obd. Hospental, volksetymologisch umgedeutet zu 
Hospital (Buck a. a. O. 79) usw. 
In ähnlicher Weise findet sich neben Ass(e), 
Ess(e) in zahlreichen Flurnamen Hess, Hessen, 
Hessel und Hass (auch umgedeutet zu Hase), 
Hasse, Hassel (auch umgedeutet zu Hasel „Hasel- 
strauch"), z. B. thüringisch ") 6er Hessenweg, 
1641 ufn Hessenweg, Flur A spach, der zwischen 
Asse und Hörsei über den Hessenberg führte; 
ein anderer Hessenweg mit der Asbach oder 
Asse in gleicher Gemarkung findet sich in -der 
Flur Teutleben. Ferner thüringisch") 6er Hess 
winkel, im Volksmund Hässwinkel, Flur Hüt 
scheroda ; 6as Hesselfel6, 1144 Heselenvelt, 
1665 Hesselfel6, HaselfeM, Forstort am Nenn 
stieg, usw., hessisch aufm Hessacker, am Hessler, 
Gemarkung Amönau, auf 6er Hessehecke Gem. 
Münchhausen, auf 6er Hessenau Gem. Warzen 
bach, Hessengrund Gem. Ersroda, Hesselgrnnd 
Gem. Biedenkopf, Hesselbach, Wüstung bei 
Frankenberg, Hesseburg, Wüstung bei Münden, 
Hesseldorf Wüstung bei Wächtersbach, Hesserode, 
Siedlung bei Felsberg, 1151 Hesenrode, 1400 
Hesenrade, 1425 Hesinrade, usw, nassauisch") 
aufm Hess, am Hessen, Hessbacb. Hessenborn, 
Hessenmark, Hessengraben, Hessengarten, 
Hessental usw., lippisch") Hessendau, Hessen- 
dok, Hessendogge, Hessentuch, Hessehusen 
(Wüstung), Heskamp, der Hessel, Hesloh, Hesseln 
busch usw., braunschweigisch") Hessental (zwei 
mal), Hessen (Dorf im Kr. Wolfenbüttel), ferner 
") Gerbing, Die Flurnamen des Herzogtums Gotha 
(Jena 1910) S. 45, 169, 496. 
'*) Kehrein a. a. O. S. 450. 
'°) Preuß a. a O. S. 65. 71. 
"1 W i e r i e s, Die Flurnamen des Herzogtums Braun- 
chweig S. 36. 
Hessen (Lothringen), Hessenhagen (Branden 
burg) usw. 
Daneben sind die zahlreichen mit Hasse, Hase, 
Hassel gebildeten Flurnamen zu beachten, z. B. 
thüringisch") iw Hasspoden 1731, Flur Sonne 
born, ebenda die Hesse, ma. de Naess, und die 
Hessklingen; in der Hasenaue, 1487 ober dem 
Hassenowe, 1594 in der Hasenaw, Flur Bisch 
leben ; am Hasenwinkel, 1594 Hassenwinckel, 
Flur Wölfis, usw, hessisch aufm Hasseborn, auch 
Haseborn und Hesseborn Gem. Wollmar; auf 
den Hasseln oder Hesseln Gem. Niederasphe; 
Haselbach, Wüstung bei Datterode, Hasselbach 
Dorf bei Lichtenau, Hasselhof desgl. bei Karls 
hafen, Hassenhausen desgl. bei Marburg usw. 
Die lautliche und meist auch begriffliche Ver 
mengung des alten Flurnamens Ass, Assen mit 
ahd. hasala „Haselbusch, Haselstaude" und mit 
ahd. haso „Hase" scheint schon früh eingetreten 
zu sein und die ursprüngliche Bedeutung „Weide, 
Weideplatz" verdrängt zu haben. 
Damit ist die Zahl der volksethmologifchen Um 
deutungen von Ass, Essen aber noch nicht an 
nähernd erschöpft. Erwähnt sei nur noch die inter 
essante Umdeutung von Hessenberg zu Hexen 
berg, Hessengrund zu Hexengrund u. ä., die 
sich öfters findet und das Mittelalter mit seinem 
Aberglauben lebhaft widerspiegelt. 
Wie heidnisch-religiöse Vorstellungen, geschicht 
liche Legenden, Lokalsagen nicht ohne Einfluß auf 
die fortschreitende Namensumdeutung geblieben 
sind, indem man z. B. einen Hessengrund mit 
geschichtlichen Vvlkserinnerungen in Verbindung 
zu bringen suchte (vgl. auch den lippischen Flur 
namen" 1721 Hessisches Eeld, fjeute Heschen- 
feld), so hat Arnold in seinem Buche „Ansied- 
lungen und Wanderungen" sich verleiten kaffen, 
eine Theorie über Wanderungen der Chatten auf 
Grund der sich noch heute in Lothringen findenden 
Ortsnamen Hessen und Metz aufzustellen, ledig 
lich geleitet von dem Gleichklang der hier wie dort 
sich findenden Ortsnamen, ohne irgend welche 
geschichtlichen Grundlagen. Vom heutigen Stand 
punkt der Namenforschung ist jedoch eine solche 
Theorie entschieden abzuweisen, während in Wirk 
lichkeit sowohl Metz wie Hessen (beide gehen auf 
denselben Flurnamen Etz, Essen zurück) lediglich 
die obigen Darlegungen über die Ausbreitung der 
Weidegründe über weite Gebiete des Germanen 
reiches bezeugen und damit die allen germanischen 
Stämmen gemeinsamen wirtschaftlichen Lebens 
verhältnisse bestätigen. 
") Gerbing a. a. O. S. 24, 47. 51. 133 u. ö. 
") Preuß a. a. O. S. 71.
	        

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