Full text: Hessenland (30.1916)

S^6 116 8-8«, 
die Asse, während die Siedlung Asbach, ein 
Fleck Gemeindewiesen (Asse bedeutet immer 
ein compascuum, eine Gemeinweide, wo alle Mark 
genossen Weiderecht haben) der Aspech und eine 
andere Flur derselben Gemarkung 1641 der Asfleck 
Heißt. Hier hat sich die einfache Form nur noch 
in dem Namen des Wassers erhalten, während 
die Gesamtflur, die heute der Siedlung den Namen 
gegeben hat, durch den Zusatz dach und Einzel 
fluren durch Zusätze wie fleck, graben kenntlich 
gemacht worden sind. In diesem und in ähnlichen 
Fällen hat man den Flußnamen oft als keltisch 
oder vordeutsch gedeutet und geglaubt, daß die 
umliegenden Fluren nach dem Fluß benannt seien, 
während in Wirklichkeit das Wasser nach den 
Fluren, die es durchströmt, benannt worden ist 
und urdeutsches Sprachgut enthält, das aber nicht 
selten einer Deutung widerstrebt, weil das Flur 
namenmaterial noch nicht genügend gesichtet und 
geklärt ist. 
In gleicher Weise wie Asse findet sich Esse 
noch erhalten in dem Namen eines Zuflusses der 
Diemel, ebenso eines Zuflusses der Pfieffe, der 
1482 urkundlich Osse heißt und von Arnold irr 
tümlich als keltisch angesehen worden ist, während 
Osse nichts anderes als eine mundartlich gefärbte 
Schreibung für Asse darstellt. Als Gemarkungs 
name findet sich Esse noch in Nassau °), in Hessen, 
z. B. am Knüll östlich von Schwarzenborn (in 
der Esse), in Lippe"), Flur Blomberg (die Asse, 
1644 to Nesse und boven der Asse), in Braun 
schweig ") als Bezeichnung einer Bergkette bei 
Wolfenbüttel (die Asse, 996 Assa), über dem 
Dorf Heldrungen"), Kreis Eckartsberga (auf der 
Esse) usw. 
h Kehrern u. a. O. S. 382. 
*") Preuß a. a. O. ©. 22. 
Disteri etj, Historisch - geographisches Wörterbuch 
Foerstemann a. a. O. S. 833. 
S. 
(Schluß folgt.) 
Marburg 1500—1650. 
Von Bruno Jacob, Kassel. 
Länger als zwei und einhalb Jahrhundert war 
Marburg Hauptstadt, Residenz und Wallfahrtsort 
gewesen, dann sollte sich sein Charakter grund 
stürzend verändern. Und wieder war es großes 
deutsches Geschehen, Weltgeschehen, das sich im 
Bilde Marburgs ausprägte, das Marburg eine 
völlig neue Bestimmung gab. — Doch nicht ein 
Hineinwachsen in neue Verhältnisse, wie es die 
junge Stadt erleben durfte, war es, sondern der 
Streit der Geister, der das ganze 16. Jahrhundert 
durchtobte, suchte erst noch eine Entladung aus 
dem staatlichen Gebiete, und hier rückt wieder 
Marburg inmitten des Werdens auf der hessischen 
Kriegsbühne. 
Ehe Marburg aber über die Schwelle des Re- 
sormationszeitalters schritt, sollte ihm der Glanz 
eines Hofes in seiner reichsten Form noch einmal 
leuchten. 
Landgraf Wilhelm III., der Jüngere, der zwölf- 
jährig seinem Vater in der Herrschaft über Ober 
hessen gefolgt war, hielt hier Hof, und wenn auch 
ihn selbst die Jagdleidenschaft, der er jung erliegen 
sollte, ganz gefesselt hielt, so stand doch neben ihm 
die Gestalt des Landhofmeisters Hans von 
Dörnberg, des „heimlichen Landgrafen", der 
wohl auch die Seele der Bautätigkeit war, die wie 
in Darmstadt, so auch gerade auf Marburgs 
Schlosse in der Errichtung des Wilhelmsbaues sich 
kund tat. — Wie man vamals Feste zu Marburg 
feierte, davon zeugt der Empfang, den Wilhelm III. 
der Braut seines Vetters, der Prinzessin Jolanta 
von Lothringen, am 2. November 1497 bei deren 
Durchreise nach Kassel bereitetet) — Im Jahre 
1500 endete ein früher Tod das Leben dieses 
Fürsten, und sein niederhessischer Vetter, Wil 
helm II., vereinigte wieder ganz Hessen in seiner 
Hand. Nur einige Monate waren seitdem ver 
gangen, da mußten die Pforten der St. Elisabethen 
kirche sich wieder auftun vor derselben Herrin, die 
erst drei Jahre zuvor ins Land gekommen und 
die hier nun ihre Ruhestätte fand. — 
Dicht nebeneinander stehen Tod und Leben, — 
auf dem Schlosse droben ward des Landgrafen 
zweiter Gemahlin Anna der Sohn geboren, dessen 
Namen auch für Marburgs Geschick die Wende 
bedeutet: Philipp! 
Nur zu bald sollte Landgraf Wilhelm II. seiner 
Gemahlin Jolanta ins Grab folgen, und das Hessen- 
land als den Spielball widerstreitender Interessen 
hinterlassen. Noch aber wirkt die stolze Zeit im 
Leben der Bürger nach. 1612 noch begann die 
Stadt Marburg den Bau des stolzen Rathauses, 
und derselbe Stolz, das gleiche Selbstbewußtsein der 
Bürgerschaft auch waren es, die im Jahre 1514 
die Bürger Marburgs zu Gunsten des jungen 
Landgrafen und seiner Mutter sich erheben ließen, i) 
i) Ztschr. d. Ver. f. h. G. Bd. '26, S. 11,
	        

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