Full text: Hessenland (30.1916)

N.M«V0«-»iAS3BL 
Hessisches Heimatsblatt 
Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 8. 30. Jahrgang. Zweites April-Heft 1916. 
Der Name Hessen. 
Von Di-. Wilh elm Schoos (Hersfeld). 
Vilmar sagt in seinem Idiotikon von Kurhessen, 
daß das Volk der Hessen von den Kalten abstamme, 
werde seine Richtigkeit haben, daß der Name He88en 
aber von Catti, Ghatti abzuleiten sei, müsse er 
bestimmt verneinen. Da das 88 in dem Namen 
Hessen urkundlich unzweifelhaft feststehe, sei die 
Annahme der Identität von Ghatti und Hessi 
eine völlige sprachliche Unmöglichkeit. Wenn ihm 
auch in der weiteren Schlußfolgerung, der Beur- 
teilung des 6-Lautes in Hesse und der Zurück- 
führung des Namens Hesse aus den Mannsnamen 
Hesso aus älterem Hissa heute nicht mehr bei 
gepflichtet werden kann, so hat er doch m. E. mit 
der ersten Behauptung unzweifelhaft Recht be 
halten, wie im folgenden näher ausgeführt werden 
soll. 
Nach Vilmars Vermutung sollen die Hessen nur 
ein Zweig der Kalten gewesen sein, der als solcher 
einen patronymischen Namen <wie Welke) geführt 
habe. Andere wieder bringen Hessen und Chatten 
zusammen und deuten letzteres als „Hutleute" zu 
germ. * *hattuz = Hut, Helm, vgl. altnord, hatte 
und hotte „Hut" *) oder deuten Hessen als 
Hetzen — Wäldler, indem der Name des Volkes 
’) Vollmann: Wortkunde II, 212, I, 135. 
auf den Namen des Landes übertragen worden 
sei?) Abgesehen davon, daß. wie ich im folgenden 
zeigen werde, gerade umgekehrt der Name des 
Landes auf die Bewohner überging, haben diese 
beiden Hypothesen schon deshalb wenig für sich, 
weil sie sprachlich nicht möglich sind. 
Aus demselben Grunde, weil anlautendes k 
und h nicht in demselben Worte wechseln können, 
ist die Hypothese Grimms^) und anderer, die den 
Namen Hessen mit dem der Latze in Verbindung 
bringen und ihn mythologisch deuten, nicht über 
zeugend, auch schon deshalb nicht, weil eine solche 
Stammsage nirgends bezeugt ist. Ebensowenig 
kann, wie Heyne 4 ) sehr richtig darlegt, der hessische 
Wappenlöwe in dieser Beziehung ein Beweis sein, 
schon deshalb nicht, weil der Löwe als Wappen 
tier, gerade wie Adler und Bär, ungemein oft 
verwendet worden ist. sodann auch, weil die Aus 
bildung des Wappenwesens für Deutschland in 
eine verhältnismäßig späte Zeit, das 12. Jahr 
hundert, fällt und bei der Wahl dieses Wappens 
weniger Erinnerungen an Stammsagen, als viel 
mehr der Wunsch, Stärke und Tapferkeit sinnbild- 
*) N a g l, Geogr. Namenbuch S. 112 
s ) Grimm, Geschichte der deutschen Sprache S. 567. 
*) Grimm, Deutsches Wörterbuch IV, 2, S. 1268.
	        

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