Full text: Hessenland (29.1915)

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wo Bier getrunken und Karten gespielt wird, da 
ist er — juchhe! Aber ein heitrer, gutmüthiger 
Manu! Frauke ist der Alte, dem nicht zu trauen 
ist. Gies, der schwarze, hat seine Hausjungfer nun 
wirklich geheirathet. Ich liebe gewiß das tüchtige 
Handwerk, wie aber ein Literat sein Herz an einen 
Pechdraht anfädeln konnte, begreife ich doch nicht. 
Hoffen wir, daß diese Ehe gut Sohlleder habe u. 
daß kein Wetter kömmt, wo sie Ueberschuhe brauchen, 
um sich nicht zu erkälten. — 
(Schluß folgt.) 
Beiträge zur hessischen Ortsnamenkunde. 
5. Zimmersrode, Siegwinden. Hauptschwenda. 
Von Dr. Wilhelm Schoos, Hersseld. 
Bei dem Namen Zimmersrode haben wir es 
mit einem Namen zu tun, deren Deutung aus den 
ersten Blick keine Schwierigkeiten zu bieten scheint, 
weil unser naives Sprachempfinden ihn unwill 
kürlich mit dem neuhochdeutschen Wort Zimmer 
in Verbindung bringt. Bei näheren! Zusehen jedoch 
wird man stutzig, weil eine „Zimmerrodung" keinen 
rechten Sinn ergibt. So möchte man versucht sein, 
den ersten Bestandteil des Namens für eine Ver 
kürzung von Zimmermann anzusehen und daraus 
einen Sinn wie „Zimmermannsrodung" herzu 
leiten. 
Wissenschaftlich läßt sich eine solche Deutung 
nicht ausrecht erhallen. Erstens widerspricht dem 
die seltsame Art der Namenbildung im Vergleich 
mit andern Ortsnamen jener Zeit, zweitens die 
urkundliche Schreibung des Namens: Ziemanns- 
rode 1307, Zymansrodde 1310, de Zimansrode 
1312, Tzymisrade 1394, Zimmersroda 1585, 
1747 ii. ö. Daß Ziemann also aus Zimmer- 
mann entstanden oder entstellt sein sollte, läßt sich 
sprachlich nicht rechtfertigen und ist auch aus an 
deren Gründen nicht wahrscheinlich. 
Es liegt noch die Vermutung nahe, daß in 
dem ersten Teil von Zimmersrode ein Personen 
name enthalten ist, wie auch Arnolds S. 401 
einen Eigennamen Ziuman darin wittert. Diese 
Vermutung wird bestärkt durch die Genetivbildung 
mit 8 und ähnliche Ortsnamen wie Zimmers- 
hausen (1328 Cymershusin), Wüstung bei Batten 
berg. Zimmere, Wüstung bei Landeck usw. Da 
der Übergang von Ziemansrode zu Tzymisrode 
und Zimmersrode nicht ungewöhnlich ist und in 
der Ortsnamenkunde Analoga aufzuweisen hat 
(z. B. Otwinshusen > Oetmannshausen, Elt- 
wineshusun > Eltmannshausen, Snelmuntes- 
husa > Schnellmanshausen), so ist diese Hypo 
these nicht ohne weiteres zu verwerfen, wenn sie 
auch nicht viel für sich hat. 
Sicherer gelangen wir zum Ziel einer wider 
spruchslosen Deutung mit Hilfe der Flurnamen- 
') Ailsiedlungen und Wanderungen deutscher Stämme 
(Marburg 1881). 
forschung, die scheinbar undurchdringliches Dunkel 
aufzuhellen vermag in Fällen, die bisher jeglicher 
Deutung zu spotten schienen und den Namenforschern 
die größten Schwierigkeiten boten. 
Wie Arnold S. 528 ff. annimmt, waren die 
Germanen beim Eintritt in die Geschichte noch 
viel mehr ein Jäger- und Hirten- als ein acker 
bautreibendes Volk. Erst mit der zunehmenden 
Zahl von Städte- und Klöstergründungen, die 
einen gesteigerten Ackerbau lohnender erscheinen 
ließen, vollzog sich der allmähliche Übergang von 
der alten Weidewirtschaft zum Ackerbau. Ehe der 
Ackerbau ausschließliche Beschäftigung der Ger 
manen wurde, hat es noch Jahrhunderte gedauert. 
Da bei der geringen Besiedlung die Dorfgemein- 
schäften nicht das ganze Land der Mark bebauen 
konnten, blieb der größere Teil Wald und Weide 
und im gemeinsamen Besitz Erst nach und nach, 
als die Besiedlung immer dichter wurde und sich 
nicht nur in den Flußtälern, sondern auch in den 
Nebentälern und höher dem Walde zu vollzog, 
wurden diese, Allmenden' oder, gemeinen Marken' 
durch Neuroduugen geschmälert und an manchen 
Orten unter die Dorfbewohner aufgeteilt, andere 
wieder wurden aufgeforstet und haben sich als 
Gemeindewaldungen oder Gemeindeweiden bis zum 
heutigen Tage erhalten?) 
Daß diese Weideplätze sehr verbreitet und aus 
gedehnt gewesen sein müssen, darauf deutet die 
reiche Synonymik von Flurnamen hin, die „Weide" 
bezeichnen und vom Volke längst nicht mehr 
verstanden werden. Ein Beweis dafür sind die 
ungemein häufigen volkstümlichen Ümdeutungen 
alter nicht mehr verstandener Namen. Denn mit 
veränderter Kultur ging entweder der Name ganz 
verloren und wurde durch einen neuen ersetzt, 
oder er wurde umgestaltet, häufig nicht einmal, 
sondern mehrmals, besonders dann, wenn die 
Volkssage sich der Örtlichkeit bemächtigte und die 
Volksphantasie hier frei schaffen konnte. 
Am längsten erhielt sich der ursprüngliche Name 
da, wo die rauhe, ungeschützte Lage den Ackerbau *) 
*) Hotz, Die Flurnamen der Grafschaft Schlitz S. VII.
	        

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