Volltext: Hessenland (29.1915)

von der wahren Achtung und Zuneigung erneuern 
zu können, womit ich bin 
Ihr dienstwilligster 
Freund. 
Carl P. z., Hessen." 
Damit schließt die Reihe der Briefe, die der 
Nachlaß Varnhagen von Enses aus der Feder des 
Landgrafen Karl aufbewahrt. Wie gesagt bieten 
sie keine welterschütternden Aufschlüsse: aber der 
künftige Biograph des fürstlichen Freimaurers wird 
nicht daran vorbeigehen dürfen. Und daß der 
Gönner des „alten Papa" Saint-Gcrmain früher 
oder später einen finden wird, das bedarf an dieser 
Stelle nicht der Erörterung. 
Aus Heimat und fremde. 
Vom Hessen-Nassauischen Wörterbuch. 
Über den Fortgang der Arbeiten am Hessen- 
Nassauischen Wörterbuch berichtet Prof. Ferd. 
Wrede in Marburg in den Sitzungsberichten der Berliner 
Akademie der Wissenschaften das Folgende: 
Bis zum Ausbruch des Krieges ist die Sammeltätigkeit 
in allen Gebieten des Wörterbuchbezirkes lebhaft und 
ergebnisreich gewesen, so daß die Zahl der Zettel sich 
von 50 000 im Vorjahre auf 80 000 erhöht hat, wobei 
jedoch die Ergebnisse der Fragebogen nicht mitgerechnet 
sind. Zu den eifrigen Helfern und Sammlern, die die 
früheren Berichte nannten und die auch im verflossenen 
Jahr uns treu blieben, kamen weitere 80 Namen. Ferner 
hat Herr Stud. Deidert die Auszettelung eines alten 
handschriftlichen Idiotikon Fuldense von Schwank voll 
endet. Aus dem Nachlaß des Tialektschriftstellers Berlen- 
bach wurden uns von seiner Schwester 41 „Westerwälder 
Geschichten" im Manuskript zur Verfügung gestellt. Ge 
sammelt wurde außerdem unter hilfsbereiter Leitung 
der Direktoren und Lehrer an allen Seminaren des 
Wörterbuchbezirkes, wenn auch gerade hier der Krieg 
die oberen Jahrgänge stark gelichtet und damit die Ab 
lieferung des Materials verzögert hat; doch ist die 
schon im vorigen Bericht in Aussicht gestellte reiche 
Sammlung von Frankenberg durch Herrn Seminarlehrer 
Scholz eingelaufen. Auch an manchen höheren Schulen 
waren die oberen Klassen am Werk; unter ihnen seien 
das Realprogymnasium in Biedenkopf und die Gym 
nasien in Dillenburg, Fulda, Montabaur hervorgehoben. 
Schließlich seien auch interessante Versuche erwähnt, die 
die Herren Lehrer Freund in Schwarzenfels (Kreis 
Schlüchtern), Henrich in Borod (Westerwald), Winter 
in Fritzlar, Schaub in Haddamar (Kr. Fritzlar) mit 
Schüleraufsätzen in der Mundart anstellten, wodurch 
manches unerwartete Sprachmaterial für das Wörter 
buch gewonnen wurde. Allen diesen Helfern sei hier 
herzlichst gedankt, nicht minder allen denen, die nicht 
mit aufgezählt werden konnten. Sind doch manche 
darunter, die selbst draußen im Schützengraben das 
Wörterbuch nicht vergessen oder die als Verwundete im 
Lazarett alsbald ihre Sammlungen wieder aufgenommen 
haben. 
Die Werbetätigkeit bestand im Berichtsjahr weniger in 
Vorträgen (ich sprach in Montabaur, Dr. Corell in 
Ziegenhain) als in der Versendung einer Broschüre über 
Plan und Ziele des Wörterbuchs, vieler Prospekte, 
Musterzettel usw. Zurzeit befinden sich noch 12000 
ausgesandte Zettel draußen im Lande. Auch der stets 
bereiten und wirkungsvollen Hilfe der Presse sei mit 
Dank gedacht. Dazu kam dann im Sommer der erste 
Fragebogen, von dem bis jetzt 8OO ausgefüllte Exem 
plare eingelaufen sind; etwa ebenso viele stehen noch 
aus und werden durch den Krieg verzögert. 
Der Inhalt dieser Fragebogen ist nicht verzettelt, son 
dern in großen Wortkarten zur Darstellung gebracht 
worden, deren bisher etwa 2O durch Herrn Dr. Freiling 
fertiggestellt sind und eine ebenso reiche wie vielfach 
überraschende Belehrung bieten; die einstigen Wörter 
buchartikel aber werden sich nach diesen Karten leichter 
schreiben lassen als nach Hunderten von Zetteln. Von 
dem Stichwörterverzeichnis, das im vorjährigen Bericht 
erwähnt wurde, ist etwa ein Fünftel im ersten Entwurf 
fertiggestellt. Mit der Auszettelung gedruckter historischer 
Quellen war besonders Herr Dr. Corell beschäftigt. Da 
neben sind wertvolle Einsendungen ans ungedruckten 
Archivalien durch die Herren vom Königlichen Staats 
archiv in Marburg dankbar zu verzeichnen. 
Als Assistenten waren tätig während des ganzen 
Berichtsjahres Herr Dr. Kroh, während fünf Monaten 
.Herr Dr. Freiling. Außerdem waren bis zum Kriegs 
ausbruch Herr Or. Corell, während des Sommersemesters 
die Herren Stud. Fischer, Freund, Schwing, Witzel 
stundenweise beschäftigt. Ihnen allen sei für ihren Eifer 
gedankt, ganz besonders Herrn Kroh, der vielfach unter 
schwierigen Verhältnissen seine Mitarbeit am Wörter 
buch fortgesetzt und mir namentlich einen großen Teil 
der umfangreichen Korrespondenz abgenommen hat. Nach 
Ausbruch des Krieges blieb er mein einziger Helfer am 
Qrt und hat seitdem mit freudiger Energie und eisernem 
Fleiß die Dreiteilung seiner Wirksamkeit beim Wörter 
buch, Gymnasium und Lazarett durchzuhalten verstanden. 
Die andern Getreuen stehen draußen vor dem Feinde 
und kämpfen für den Frieden und den Fortgang unserer 
Friedensarbeit. 
P e r s o n a l ch r o n i k. Baron von der Mals 
burg auf Schloß Elmarshausen bei Wolfhagen beging 
am 7. Februar die Vollendung des 80. Lebensjahres. — 
Der Lehrer und Dichter Hermann Haase zu Geln 
hausen vollendete am 20. Februar sein 70 . Lebensjahr. — 
Landtagsabgeordneter Universitätsprofessor Dr. Bredt - 
Marburg wurde zum Chef der Deutschen Verwaltung in 
den eroberten russischen Bezirken ernannt, die an unsrer 
Grenze bei Posen liegen, und wird sein Amt Anfang 
März zunächst mit dem Amtssitz in Konin antreten. 
Aus Hanau. Der Hanauer Geschichtsverein stellt 
in seinem Museum eine Ehrentafel auf mit den Photo 
graphien der Gefallenen und Inhaber des Eisernen 
Kreuzes aus dem Stadt- und Landkreis Hanau. Auch 
sollen Kriegsandenken aller Art gesammelt werden. — 
Die vom dem Ausschuß „Gold gab ich für Eisen" 
veranstaltete Sammlung von altem Gold- und Silber 
schmuck, der gegen ein eisernes Erinnerungszeichen ein 
getauscht wurde, erzielte hier einen Überschuß von 
20134,45 Mark. Von diesem Überschuß erhielt die 
Kriegsauskunftsstelle in Hanau 134,45 Mark, während 
20 000 Mark für die städtische Kriegsfürsorge und für 
die Unterstützung alter, durch den Krieg arbeitslos 
gewordener Goldschmiede Verwendung fanden.
	        

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