Full text: Hessenland (29.1915)

Stern A. Ich weiß nicht, ob ich mich begreiflich 
gemacht. Eine Belehrung über das □ würde mir 
immer höchst angenehm sein." 
Verständlicher lautet es zum Schluß des 
Schreibens: 
„Hierbei folgt der Schottische Meistergrad * 7 * * 10 * ); 
wenn Sie den notwendigen Gebrauch davon ge 
macht, so senden Sie mir ihn wieder. Die zwei 
folgenden wollen Sie doch auch wohl haben, näm 
lich Ritter von Osten, und von Westen?" 
Haugwitz scheint bejaht zu haben: am 3. April 
1782 erwiderte ihm der Landgraf: 
„Die schottischen Grade ^) will sobald möglich 
abgeschrieben übersenden. Inzwischen erfolgen hier 
der Rttr. v. O. u. v. W., so daß Sie nun alles 
haben, was ich von schwedischen Graden besitze." 
Und am 10. April fährt er fort: 
„Hier sind die zwei versprochenen schottische 
Grade zu Ihrem Gebrauch abgeschrieben. Der 4. 
gefällt mir sehr. Der 5 te führet wieder ab; ver 
mutlich sind der 6 te und 7 te, die ich nicht be 
sitze i°), der höchste Gipfel von Kenntnisse des 
Ordens, und seiner Geheimnisse." 
Am 18. Mai 1782 erwähnt er wieder Saint- 
Germain und seine Wunderarzneien: 
„Ihr Kompliment an den lieben alten Papa 
habe gestern gleich ausgerichtet, schriftlich. Die 
Vomitive, sowie alle Fabrikationen derer ver 
schiedenen Medizinen, hat er mir ganz überlassen, 
und ich lasse alles durch den guten O. Br. Lossow^) 
machen. Wo möglich sollen noch heute die ver 
langten folgen. Sie brauchen mir nur ein Wort 
zu schreiben, und so viel Sie wollen sind immer 
parat. In diesen Tagen haben deren herrliche Wir 
kung öfters gesehen, und zumal gestern bei meiner 
Frau 12 * ), die sehr krank an der nämlichen Katarrhal 
krankheit war, die in Petersburg und Copenhagen, 
und nun auch in diesen Gegenden, so ansteckend 
grassiert hat. In einer Stunde war sie in den 
größten Schmerzen und Fieber, und vollkommen 
gesund." 
Trotzdem genügten dem greisen Adepten diese 
Kuren nicht; er sehnte sich danach, seine Er 
fahrungen auf größerem Felde zu betätigen; frei- 
angezogene Vers des Johannisevangeliums lautet: „Da 
nach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf 
gen Jerusalem." 
7 ) Der 1. deutsche Hochgrad, der 5. der Zinnen 
dorffschen Lehrart (Andreasmeister). 
8) 6. und 7. Grad des Zinnendorffschen Systems. 
9) Andreaslehrling und Andreasmeister. 4. und 5. 
Stufe der Zinnendorffschen Lehrart. 
10 ) Vergißt der Landgraf hier, daß er Haugwitz den 
6. und 7. Grad bereits geschickt hat? Oder schwebt ihm 
der 6. und 7. Grad der ursprünglichen Einteilung — 
„St. Johannis Vertraute Brüder" und „Auserwählter 
Meister" vor? 
n ) Vgl.über diesen Lossow Mémoires a. a. O. S. 134. 
12 ) Der Landgraf war seit dem 30. August 1766 
mit der Prinzessin Louise von Dänemark vermählt. 
lich nicht als Goldmacher — „s’il savait faire de 
l’or, il s’en serait fourni lui-même", schrieb Fried 
rich der Große 1777 skeptisch an seinen Bruder 
Heinrich — wohl aber als Gründer und Leiter 
einer großen Färberei. Im nahen Eckernförde 
stand damals gerade eine passende Fabrik zum 
Verkauf: der Landgraf erwarb sie und Saint- 
Germain richtete sich darin häuslich ein. Karl 
fuhr oft zu ihm hinüber, er brachte interessante 
Fragen mit und kehrte, wie er in seinen Denk 
würdigkeiten berichtet, nie ohne neue, wertvolle 
Belehrungen zurück. Auf der Hàkehr von einem 
solchen Besuch schrieb er am 17. November 1782 
aus Gottorp an Haugwitz: 
„Vor wenigen Tagen sah ich unsern alten Papa 
Saint-Germain in Eckernförde wieder. Wie ein 
Kind weinte er, wie wir uns umarmten. Nie bin 
ich so zufrieden mit ihm gewesen, als in dieser 
Unterredung. Eine jede, muß ich aber sagen, ver 
mehrt meine Achtung und Hochschätzung seiner 
Kenntnisse." 
Der Landgraf hatte sich kurz vorher in Hessen 
aufgehalten, wo er vom 16. Juli bis zum 1. Sep 
tember dem Freimaurerkonvent in Wilhelmsbad 
beigewohnt und zuletzt präsidiert hatte.") Es war 
ihm gelungen, die Ritualien der drei Johannis 
grade teilweise einer Umarbeitung zu unterziehen 
und zusammen mit dem Generalgroßmeister Her 
zog Ferdinand von Braunschweig die fast unver 
änderte Annahme des Lyoner Systems unter dem 
Namen der „wohltätigen Ritter der heiligen Stadt" 
durchzusetzen. Als Koadjutor und präsumtiver 
Nachfolger des Generalgroßmeisters war er über 
Stuttgart und Hanau nach Gottorp zurückgekehrt.") 
Von dort aus übersandte er Haugwitz eine Liste 
der sämtlichen in Wilhelmsbad versammelt ge 
wesenen Brüder; „diejenige, die mit einem f be 
zeichnet sind", setzte er hinzu, „sind lauter Mit 
glieder der geheimen □, und sonst lauter vor 
treffliche Männer. — (Bleßig in Straßburg, Falcke 
in Hannover etc. etc.)" 
„So ist denn nun", schloß er befriedigt, „aller 
wegen in unserm System der Haupt- oder letzte 
Grad des Ordens die mir von Ihnen, liebster 
Freund, übergebene explikatorische Stufen ge 
worden. Sie sind nun diejenigen Akten, die das 
Ziel des Ordens bestimmen, und ihm seine jetzige 
Richtung geben." 
Am 12. Dezember 1782 schrieb er von neuem 
an Haugwitz. Da die vorhergehenden, von Varn- 
13) Genaueres darüber vergleiche Mémoires a. a. O. 
S. 136 fs. 
ii) Wenn Karl in seinen Mémoires S. 142 sagt: 
„Je retourna'i à Hanau, où je passai l’hiver avec ma 
femme. Au printemps, je retournai à Gottorp“, sv 
ist das augenscheinlich ein Gedächtnisfehler.
	        

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