Full text: Hessenland (29.1915)

entstellende Brandmauern, wie sie jetzt an ver 
schiedenen Stellen die Hauptstraße der Stadt auf 
weist, niemals möglich gewesen; hier sollte man 
mit schärfstem Nachdruck in Zukunft wenigstens 
auf die Erzielung eines gefälligeren Aussehens 
durch Abwalmung des Daches usw. dringen. Der 
Schutz des Straßenbildes vor häßlichen Firmen 
schildern und Aufschriften ist (§ 10) so formuliert, 
daß er häßlichen Auswüchsen begegnet, ohne be 
rechtigte Ansprüche der Neuzeit zu schmälern. Der 
Schlußparagraph beschäftigt sich mit dem schon 
hier aufgeführten Sachverstündigenbeirat, der in 
wichtigen Fällen vor der Entscheidung der Bau- 
Polizeibehörde zu hören ist. Höchst wünschenswert 
wäre es, in absehbarer Zeit auch einmal etwas 
von der unumgänglich notwendigen Ergänzung des 
Verunstaltungsgesetzes, der B a u b e r a t u n g s - 
stelle, zu hören, die in anderen Städten seit 
Jahren mit bestem Erfolg tätig ist und auch in 
Kassel nicht entbehrt werden kann. 
Eins muß noch mit besonderer Freude festgestellt 
werden: die verhängnisvolleil Linealstriche, die 
eine frühere Verkehrspolitik über unsere Altstadt 
zog, sind nicht mehr, wenigstens zu ihrem größten 
Teil. Die meisten Fluchtlinienpläne, die in der 
Schaffung breiter Verkehrsstraßen in der Altstadt 
das Heil sahen, sind wieder aufgehoben, einmal, 
weil sie den unerwarteten Erfolg hatten, die Bau 
tätigkeit zu hemmen, und dann auch, weil ihre 
Durchführung Millionen verschlungen haben würde. 
So hat mail sich jetzt mit den Fluchtliniensest- 
setzungen auf wenige Hauptstraßen mit Durchgangs 
verkehr beschränkt. Die Verbreiterung der Markt 
gasse ist im Werke, und der Durchbruch zur Weser 
straße gilt unseres Wissens als ein nicht minder 
dringliches Ziel. Wir dürfen aber von dem ge- 
sundell Sinn, der auch in dem neuen Kasseler 
Ortsstatut zum Ausdruck kommt, hoffen, daß man 
sich zur Ausführung gerade dieses Projektes, das 
den ältesten Kern der Stadt ins Herz trifft, erst 
nach Erwägung aller anderen möglichen Lösungen 
entschließt. 
Spät kam es, doch es kam, das Kasseler Orts 
statut. Wir sind nicht so pessimistisch, wie die 
jenigen, die ihm so gut wie gar keinen Nutzen 
prophezeiten. Es handelt sich jetzt darum, dieses 
Statut verständig, weitsichtig und taktvoll an 
zuwenden. In diesen Tagen, da uns das Leben 
eines einzigen deutschen Landlvehrmannes mehr 
wert sein muß, als das schönste Dach einer bel 
gischen oder französischen Kathedrale, fehlt uns die 
Stimmung, diesem beachtenswerten Wendepunkt in 
der baugeschichtlichen Entwicklung der Residenzstadt 
Kassel nach Gebühr gerecht zu werden. Aber auf 
jeden Krieg folgte noch ein Frieden, wie auf Regen 
Sonnenschein, und dann muß die jetzt mehr oder- 
weniger zerrissene Verbindung von Kunst und Leben 
wieder ein Zeitalter höchster Kultur heraufführen, 
in der des Menschen innerer Anteil an seiner 
Heimat zu den Haupttriebsedern seines Wollens 
gehört. Denkmalpflege und Heimatschutz sind nicht 
nur ein Gebot nationaler Gesinnung, sondern eine 
unumgängliche Forderung allgemeiner Menschheits 
kultur. 
Treimaurerische Briese des Landgrafen Karl von Hessen 
an den Grafen Kurt Haugwih. 
Aus dem Besitz der Königlichen Bibliothek zu Berlin herausgegeben von Joachim Kühn. 
(Fortsetzung.) 
Im selben Brief folgen Betrachtungen in Sym 
bolen, die leider auch dann dunkel bleiben, wenn 
man sich vergegenwärtigt, daß ein auf seiner Grund 
linie ruhendes Dreieck in der Geheimlehre der 
alten Ägypter die Gottheit oder auch die Natur 
des Weltalls versinnbildlichte. Ebensowenig lassen 
sich die Zeilen deuten, wenn man die alther 
gebrachten Zeichen für die Elemente — /X gleich 
Feuer und y gleich Wasser — zur Hilfe nimmt, 
obwohl das gegen den Schluß hin gebrauchte Hexa 
gramm dem jüdischen Äschmajun, der Vereinigung 
der beiden in einander wirkenden Urkräfte der 
Natur entspricht. 
' „Ein Wort nur über die I: — :| in Ihrem 
Schreiben an mir, betreffend den V und □ er 
laube ich mich Ihnen, liebster Freund, zu ant 
worten. Der Mensch formiert in sich V- Um hier 
aus ein □ zu machen, gehören dazu noch 2 AA 
oder auch nur eins: AVA — AV. Ich kenne 
2 AA in mir. Das eine, so die wahre A-Farbe 
hat, gehört nach meinen vormaligen Arbeiten zur 
Öffnung oder Empfänglichkeit des V. Soll aber 
A zugleich Leben sein, so muß die Farbe erhöhter 
noch sein. Ich legte vormals den Spruch B. 1 Joh. 
am 5 ten so aus: 
Wenn, Bmo, Gen, 
1_te A 21e A - V 
Doch habe ich das 2 te A gebraucht?) Das erste 
A aber, und das V, hielt ich für den sechseckigen 
b) Die erste Reihe der Einschaltung ist von Varn- 
hagen sehr undeutlich abgeschrieben worden, er hat sie 
offenbar im Original nicht entziffern können. — Der
	        

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