Full text: Hessenland (29.1915)

Hanau und Fulda, zahlreiche Brückenbauten über die 
Fulda, der Anbau der Landeskreditkasse in Kassel. Die 
ihm unterstellten Landwege waren stets in einem tadel 
losen Zustand, und wiederholt hat ihm der Kommunal- 
Landtag das Lob gezollt, das; es erstaunlich sei, welche 
Arbeiten er mit den ihm zur Verfügung gestellten Mitteln 
vollbracht habe; auf einem der Provinziallandtags- 
Sitzungen in Kassel wurde anerkannt, das; sich im 
Regierungsbezirk Kassel die Landwege und auch die dem 
Bezirksverbande unterstellten Kunststraßen im besten Zu 
stande innerhalb der ganzen Provinz befänden. Dies 
war das ausschließliche Verdienst des Geh. Baurats 
Stiehl, von dessen Arbeitskraft die ihm unterstellten 
Beamten nur Rühmliches zu sagen wissen. Die Ver 
waltung des Bezirksverbandes Kassel verliert in dem 
Verstorbenen einen ganz hervorragenden, ungemein be 
gabten und erfahrenen Beamten. Trotz seiner rastlosen 
Tätigkeit war er immer liebensivürdig, gefällig, freund 
lich zu jedermann, hnldigte als Nassauer auch ganz 
gern geselligem Verkehr, ohne jemals seine Arbeit aus 
dem Auge zu verlieren. — Am 19. Juni 1849 in 
Haiger (im Kreise Dill in Nassau) geboren, bestand 
Stiehl im Jahre 1874 die erste und 1878 die ziveite 
Staatsprüfung für das Bau- unb Jngenieurfach, wurde 
Regierungsbaumcister bei der Bergisch-Märkischen Eisen 
bahn und trat 1879 in den Dienst des Bezirksverbandes 
Kassel. l884 ivähltc ihn der Kommunal-Laudtag zum 
Landesbaurat, nachdem er dieses Amt anderthalb Jahre 
hindurch kommissarisch verwaltet hatte. 1902 wurde ihm 
der Charakter als Geheimer Baurat verliehen. 1894 
bis 1898 gehörte Baurat Stiehl als Mitglied der Stadt 
verordnetenversammlung den städtischen Körperschaften 
an. Für die vielfachen Verdienste, die sich der Ver 
storbene amtlich und außeramtlich erworben hat, wird 
man ihm Dank wissen und sein Andenken in Ehren 
halten. 
Hessische Bücherschau. 
Wilhelm D e r s ch, Hessisches K l o st e r b u ch. 
Quellenkunde zur Geschichte der im Regierungsbezirk 
Kassel, der Provinz Oberhessen und dem Fürsten 
tum Waldeck gegründeten Stifter, Klöster und Nieder 
lassungen von geistlichen Genossenschaften. (Veröffent 
lichungen der Historischen Kommission für Hessen und 
Waldeck XII.] Marburg (N. G. Elwert) 1915. Preis 
6 Mark. Gr. 8°. Vorwort XIII—XXII, Verzeichnis 
der wiederholt genannten Archive und Bibliotheken 
XXIII—XXIV, Verzeichnis der häufiger und abgekürzt 
angeführten Druckschriften XXV—XXX, Abkürzungen 
XXXI, alphabetisches Verzeichnis S. 1—122, Zu 
sammenstellung nach. der Landeszugehörigkeit vor 
1803 S. 123—127, Zusammenstellung nach den 
Diözesen vor 1821 S. 129—132, Zusammenstellung 
nach der Ordenszugehöcigkcit S. 133—142, Ver 
zeichnis der Patrone S. 143—149, Reihenfolge nach 
der Gründungszeit oder ersten Erwähnung S. 151 
bis 158. Karte. 
Mit diesem Band ist das erste Dutzend Bände der 
Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 
und Waldeck abgeschlossen. Die Kommission verfolgt den 
Zweck, Quellen und Darstellungen der hessischen und 
waldeckischen Geschichte herauszugeben, eine Aufgabe, die 
um so wertvoller ist, als das frühere Kurhessen hinter 
anderen Gebieten nicht unwesentlich zurückgeblieben war 
und versuchen muß, den Vorsprung einzuholen. 
Im letzten Jahrzehnt sind Klosterbücher für mehrere 
Gebiete bearbeitet worden. Sie dienen nicht nur der 
wissenschaftlichen Erforschung der Kirchengeschichte des 
Mittelalters, sondern auch ganz wesentlich der Orts 
geschichte, deren Quellen für die ältere Zeit fast zu 
einem Nichts zusammenschrumpfen, wenn man von den 
in Klöstern und Stiftern aufbewahrten Nachrichten ab 
sieht. 
Dem Hessischen Klosterbuch ist es zustatteu gekommen, 
daß es nicht im Vortrab erschienen ist; seine hohe 
praktische Brauchbarkeit erhellt ohne weiteres aus der 
Inhaltsübersicht. Der Verfasser steht nicht nur mitten 
in der Forschung, sondern kennt auch die Archive, deren 
Bestünde in erster Reihe in Betracht kommen, genau, 
daher konnte er, ivas Zuverlässigkeit und Vollständigkeit 
betrifft, Vollendetes leisten. Wer selbst den Versuch 
gemacht hat, die Quellen für eine Klostergeschichte an 
allen Ecken und Enden zusammenzusuchen, kann die 
entsagungsvolle Arbeit des Verfassers richtig würdigen. 
Jeglicher eigenen Bemühung kann freilich der Forscher 
auch durch die beste Quellenkunde nicht überhoben werden, 
da unbedingte Vollständigkeit außerhalb des Bereichs 
des Möglichen liegt, so finden sich z. B. Helmarshäuser 
Urkunden im Urkundenbuch der Stadt Göttingen von 
G. Schmidt I Nr. 42, 212, 213, 235, 350, 358, 
II Nr. 58, 110, 254, 297, 314; Hasunger Urkunden 
in der Zeitschr. II, 107 ff. (K. Falckenheiner, Urkundliche 
Beiträge zur Kenntnis des germanischen Rechts, nament 
lich im hessischen Sachsengau), >vo man sie kaum ver 
muten sollte. 
Da für alle auf die Literatur bezüglichen Angaben 
Perldruck angewandt wurde, so konnte ein großer Stoff 
in einem schmalen Band zusammengefaßt iverden. Die 
überragende Bedeutung der alten Reichsabteien Fulda 
und Hersfeld drückt sich rein äußerlich schon darin aus, 
daß der Artikel Fulda 14, Hersfeld 5 Seiten umfaßt. 
Im ganzen sind 177 Orte behandelt, da auch die 
Klosterhöfe, die Termineien der Bettelorden und die 
Niederlassungen der geistlichen Genossenschaften bis zur 
Neuzeit aufgenommen sind. Mancherlei bleibt unsicher, 
zumal >venu es sich um bald wieder verschwundene oder 
gar nur geplante Gründungen handelt. In Grebenstein 
(S. 55) scheint eine Niederlassung der Antoniter be 
standen zu haben, doch sind die Nachrichten unbestimmt. 
(Schmincke, Alphabet. Kollekt. Landesbibl. Kassel. Tren 
delburger Amtsrechnung 1498 Okt. 21.) Berich in 
Waldeck hätte als jetzt verschwunden bezeichnet werden 
müssen. Die beigefügte Karte macht die Gruppierung 
der Klöster in Hessen ersichtlich, zeigt unter anderem auch, 
wie Fulda und Hersfeld weithin jede .Konkurrenz fast 
ausschlossen. Im übrigen entbehrt sie der wünschens 
werten Genauigkeit, wie denn z. B. die Ortsnamen 
Jmmenhausen und Wilhelmshausen vertauscht, Büraburg 
bei Fritzlar auf verkehrter Stelle eingezeichnet ist. Sonder 
bar, wie oft Kartenbeilagcn von den Verlegern stief 
mütterlich behandelt werden! 
Das Hessische Klosterbuch ist kein Buch zum Lesen, 
wohl aber eins, nach dem jeder, der hessische Geschichte 
wissenschaftlich betreibt, immer wieder greifen wird. ?. 
Lic. Paul Li e b e r k n e ch t, Pfarrer und Inspektor 
am Predigerseminar zu Hofgeismar. Geschichte 
des D e u t s ch k a t h o l i z i s m u s in Kur- 
tz e s s e n. VIII und 116 S. 80. Marburg (N. G. 
Elwertsche Verlagsbuchhandlung (G. Braun]) 1915. 
Unter den Lesern des „Hefsenlandes" werden gegen 
wärtig nur noch wenige sein, die wie der Unter-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.