Full text: Hessenland (29.1915)

stellte er gern seine reiche Erfahrung in den Dienst 
der Denkmalpflege und des Heimatschutzes. 
Die Doppelseitigkeit v. Drachs kommt ebenso 
sehr in seiner Lehrtätigkeit wie in seinen schrift 
stellerischen Arbeiten zum Ansdruck. Mit Vorliebe 
las er über die Grenzgebiete der beiden von ihm 
beherrschten Fächer, besonders über Uhren, wobei 
Bauart und äußere Form der Uhrwerke in gleicher 
Weise gewürdigt wurden. Zwei in dieses Feld ein 
schlagende Abhandlungen erschienen 1894, „Jost 
Burgi, Kammeruhrmacher Kaiser Rudolfs II." und 
„Die in Marbnrg im mathematisch-physikalischen 
Institut befindliche Globusnhr Wilhelms IV. von 
Hessen". Mit der bankünstlerisch angewandten 
Mathematik befaßt sich die 1897 herausgegebene 
Arbeit „Das Hüttengeheimnis vom Gerechten 
Steinmetzen Grund", die viel Nenes über Tri- 
angulatur brachte. Von Drachs zahlreichen Ver 
öffentlichungen auf kunstgewerblichem Gebiet seien 
genannt „Labenwolsssche Brunnen für den Land 
grafen Wilhelm IV. von Hessen", „Landgräflich 
hessische Teppichwirkereien in Kassel im 16. und 
17. Jahrhundert", „Fayence- und Porzellanfabriken 
in Alt-Kassel"*), „Die Kasseler Weißglashütte von 
1583", „Geschichte der Porzellanfabrik in Neu- 
Hanau" **), „Fayence- und Porzellanfabrik zu 
Kelsterbach" sowie Abhandlungen über Mündener 
Porzellan und über Porträttöpferei. Zur Geschichte 
der Goldschmiedekunst lieferten die Forschungen über 
Arbeiten Anton Eisenhoits für den hessischen Land- 
*) „Hessenland" 1891, S. 119 ff. Derselbe Jahrgang 
enthält auch Mitteilungen v. Drachs aus dem.Briefwechsel 
des Landgrafen Wilhelm VIII. mit dem Baron Häckel 
betr. Gemäldeerwerbung für die Kasseler Galerie. 
**) „Hessenland" 1893, S. 56 ff. 
grafen, über den Silberschatz Herzogs Heinrich von 
Brauuschweig-Wolfenbüttel, über die im Kasseler 
Museum befindlichen Kunstgegenstände aus altem 
landgräflich-hessischen Besitz und über den hessischen 
Willkomm im Schlosse zu Dessau wertvolle Beiträge. 
Auch über Malerei liegen belangreiche Schriften 
vor. Mit Gustav Könnecke gemeinsam gab v. Drach 
das Prachtwerk über die Bildnisse Philipps des 
Großmütigen heraus, ein Werk von vorbildlicher 
Gründlichkeit. Wie er das Wesen eines Kunst- 
inventars auffaßte, zeigen seine beiden Bände über 
die Baudenkmäler von Fritzlar. 
Um die Denkmalpflege Hessens hat sich der Ver 
ewigte bleibende Verdienste erworben durch Festi 
gung der Verhältnisse in der Denkmälerverzeich 
nung. Die Konservatorbüchersammlung verdankt 
ihm ihren jetzigen Bestand, das Denkmälerarchiv 
erfuhr reiche Vermehrung. Als Denkmalpsleger 
suchte v. Drach zwischen den strengen Grundsätzen 
der Kunstwissenschaft und den Forderungen des 
Tages zu vermitteln. Seine milde Art hat in 
schwierigen Fällen manches erreicht, wo stürmischere 
Kräfte versagt haben würden. Biele Denkmäler, 
nicht nur großer, sondern auch kleinster Art, hat 
er vor Untergang und sinnloser Entstellung be 
wahrt. Allen Hilfesuchenden war er ein freund 
licher, stets bereiter und kundiger Berater. Auf 
welch mannigfachen Gebieten der Forscher, der 
Persönlich in seiner Bescheidenheit sich immer im 
Hintergründe hielt, sich betätigte, zeigen seine 
Sammlungen und die in seinem Nachlaß vor 
gefundenen Schriften, die der Allgemeinheit hof 
fentlich bald zugänglich gemacht werden können. 
Die dem seltenen Mann als Freunde nahestanden, 
tranern um einen der Besten. 
Die Hanauer Sturmlage. 
März 1848. 
Von Bruno Jacob, Kassel. 
(Fortsetzung.) 
Ein weiteres Stimmungsbild soll aber hier nicht 
fehlen. Es ist eine aus Fulda gezeichnete Korre 
spondenz der „Hanauer Zeitung". Manches daran 
erweckt den Eindruck, als ob sie aus den Kreisen 
der „mobilen Kolonne" des 2. Infanterie-Regi 
mentes stamme, wennschon dafür keine sicheren 
Anhaltspunkte vorliegen. Vielleicht ist sie auch 
nur von einem begleitenden „Schlachtenbummler" 
verfaßt. Die Notiz lautet: 
„Fulda, 15. März. Das Samstags, den 11. 
d. M. von hier in die Provinz Hanau ausgezogene 
Militär langte nach einem sehr mühevollen Tag, 
unter Schnee- und Regenschauern und nach Durch- 
watung von Wasserfluten, Sonntags früh 7 Uhr 
in Gelnhausen an. Es wurde hier bis nachmittags 
4 Uhr gerastet und dann bis Rothenbergen mar 
schiert. Wie sehr übrigens die Mannschaft die 
Mühen dieser ungewohnten Reise empfunden, kann 
man schon daraus ermessen, daß der Marsch von 
Schlüchtern aus, bis wohin dieselbe von Fulda auf 
Wagen gebracht worden war, abends 9 Uhr bei 
größter Dunkelheit, ohne zwei Minuten zu ruhen, 
bis nach der zehn Stunden entfernten Stadt Geln 
hausen forciert ward. Gegen 5 Uhr ward Rothen 
bergen erreicht, und kurz darauf vernahm man 
auch schon Kanonendonner aus der Umgegend von
	        

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