Full text: Hessenland (29.1915)

332 §«3^ 
Johann Ham er, zugleich Hofgerichtsprokuratvr, Birgilrus 
^ckpvan, Dilmar Dietz, tz>einrich Spieß, Wigand Happel 
u. a., Männer, die in der Stadt-- und Landesgeschichte 
eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben. Dem 
Richtertisch gegenüber, im Bordergrunde, sitzt in Rücken 
ansicht der Stadt- und Gerichtsschreiber Simon .Hirz, 
zu beiden Seiten stehen der Büttel , und der Dingwart 
mit Stäben in den Händen. Bor der Schranke, die 
nach vorn die Gerichtsstätte abschließt, stehen Zuschauer, 
interessante Typen der Bevölkerung Marburgs. Der 
Künstler, dem wir diese Bilder verdanken, war der 
Nniversitätsmaler Georg Thomas aus Basel, ein Sohn 
des Baseler Malers Hermann Thomas aus Thann in 
Elsaß. Georg Thomas wurde 1534 in die Universitäts 
matrikel eingetragen und sindet sich bis 1555 im Dienst 
der Universität. Er ist vielfach als Formschneider tätig 
gewesen, hat u. a. Dryanders Anatomie (1537) illu 
striert, die Matrikel mit Wappen geschmückt, die Porträts 
des Landgrafen Philipp und der Marburger Professoren 
in Holz geschnitten und außer den großen Wandbildern 
mancherlei Arbeiten für die Stadt ausgeführt. Er wirkte 
noch 1567. Hoffentlich gelingt es, die nötigen Mittel 
aufzubringen, um die künstlerisch nicht unbedeutenden, 
kunstgeschichtlich schon wegen der Bereicherung unserer 
Kenntnis der älteren Dekorationskunst interessanten, für 
die Stadtgeschichte aber höchst bedeutungsvollen Bilder 
wenigstens in zuverlässigen Nachbildungen zu erhalten, 
soweit nicht — etwa durch sorgfältiges Ablösen der be 
malten Tünchschichten — die Originale gerettet werden 
können. Der Vortragende konnte seine Mitteilungen 
durch Skizzen, vortreffliche Photographien, die wiederum 
Herr Professor Haman zur Verfügung gestellt hatte, 
und durch eine Zeichnung Otto Ubbelohdes anschaulich 
machen. (Oberhess. Z(g.) 
Hochschulnachrichten. Marburg: Der Fest 
akt anläßlich der Einführung des neuen Rektors der 
Universität am 24. Oktober, womit auch gleichzeitig die 
akademische Hohenzollernfeier verknüpft wurde, stand 
unter dem Zeichen der Kriegszeit. Von den zahlreichen 
studentischen Korporationen waren nämlich nur etwa ein 
Dutzend mit ihren Fahnen vertreten. Der seitherige 
Rektor Geh.-Rat Prof. Dr. Korschelt gab zunächst 
einen Bericht über das verflossene Amtsjahr. In üb 
licher Weise übergab er dann seinem Amtsnachfolger, 
dem Professor der Germanistik E r n st E l st e r , die 
Zeichen seiner neuen Würde. In seiner Antrittsrede 
gedachte der neue Rektor des Hohenzollern-Jubiläums 
und schloß einen Vortrag über die Entwicklung deutscher 
Art und deutscher Dichtung an. — Dem Kircheü- 
historiker Konsistorialrat Hermann D e ch e n t zu Frank 
furt a. M. wurde von der theologischen Fakultät die 
Würde eines Ehrendoktors verliehen. — Die Zahl der 
für das Wintersemester immatrikulierten Studierenden 
beträgt 1912. 
8 0. Geburtstag. Der durch seine hervorragende 
Wirksamkeit in der Reichsdruckerei bekannte Geh. Re 
gierungsrat Professor Wilhelm R o e s e zu Berlin, der 
in Frankenberg geboren ist, vollendete am 11. Oktober 
das 80. Lebensjahr. 
Todesfall. Wiederum hat unsere hessische Heimat 
den Verlust eines namhaften Künstlers zu beklagen. 
In Kassel, wo er am 24. August 1823 geboren wurde, 
ist Professor Heinrich Gerhardt am 24. Oktober 
d. Js. gestorben, wenige Wochen, nachdem die Kriegs 
wirren ihn aus Italien vertrieben hatten. 1844 war 
er seinem Lehrer Werner Henschel in die ewige Stadt 
gefolgt. Siebzig Jahre hat er dort gelebt und lange 
Zeit hat die Persönlichkeit des „alten Gerhardt", wie 
ihn seine römischen Freunde kurzweg nannten, im 
Mittelpunkt des deutschen Kunstlebens der italienischen 
Hauptstadt gestanden. In einem der nächsten Hefte des 
„Hessenlandes" soll versucht werden, das Lebenswert 
des verewigten Künstlers zu überblicken. E. Z. 
Eine Gedächtnisfeier für Prof. Her 
mann Knackfuß ist von der Königlichen Kunst 
akademie zu Kassel am Sonntag, 31. Oktober, im 
Antikensaal des Landesmuseums veranstaltet worden. 
Der Feier, an der auch die Witwe und die Tochter 
des Künstlers teilnahmen (seine fünf Söhne und sein 
Schwiegersohn stehen im Felde), wohnten die Spitzen 
der Militär- und Zivilbehörden bei, Vertreter des 
Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung, die 
Direktoren der Kasseler Kunstschulen, der Gemäldegalerie 
und des Museums, der Intendant der Königlichen Schau 
spiele, die Vorstünde des Kunstvereins, des Vereins 
für Naturdenkmal- und Heimatschutz, des Hessischen 
Geschichtsvereins, des Handels- und Gewerbevereins, 
zahlreiche Künstler, darunter ehemalige Schüler des 
Verstorbenen, Vertreter der Presse und viele Verehrer 
und Verehrerinnen der Kunst des Verstorbenen. Beer- 
hovensche Musik und der Gesang eines mehrstimmigen 
Frauenchors umrahmten die Feier. Die Gedächtnisrede 
hielt Galeriedirektor Dr. Gronau. Er schilderte die Lauf 
bahn des vielseitigen Mnstlers, des gelehrten Schrift 
stellers und hochgeschätzten Lehrers und zeichnete mit 
Wärme das Bild seiner liebenswerten Persönlichkeit. 
E. Z. 
Aus K asse l. Vom Kaiser wurde dem Oberbürger 
meister Koch die Erlaubnis erteilt, bei geeigneten An 
lässen die goldene Amtskette anzulegen. 
EinPreisausschreibenfüreinKrieger- 
g r a b m a l ist von der Gewerbehalle zu Kassel er 
lassen worden. An dem Wettbewerbe können sich Künstler 
der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Wal- 
deck-Pyrmont beteiligen. Zur Preisverteilung stehen 700 
Mark zur Verfügung. Bemerkenswert ist an dieser Aus 
schreibung der (bet ähnlichen Wettbewerben in Deutsch 
land bisher noch nirgends aufgetauchte) leitende Ge 
danke, für die Grabstätten der Mitkämpfer im Welt 
kriege, die ihren Verwundungen in unserer Heimat er 
legen sind, ein einheitliches Ehrenmal zu schaffen, 
das überall, wo man ihm begegnen wird, an das letzte 
gemeinsame Opfer unserer zur großen Armee abberufenen 
Streiter erinnert. In diesem Gedanken der Einheitlich 
keit liegt der Vorzug, aber auch die Schwierigkeit der 
Aufgabe. Denn es ist klar, daß nur eine wirklich 
packende, künstlerische und dabei echt volkstümliche Form 
Aussicht haben kann, sich als Einheits-Ehrenmal, als 
Typus des hessischen Krieger-Grabmals durchzusetzen. 
E. Z. 
Wettbewerb. Auf das Ausschreiben der städtischen 
Behörden zur Erlangung von Entwürfen für ein 
Sophre-Henschel-Denkmal in Kassel sind 31 
Entwürfe eingegangen. Das Preisgericht hat einen 
1. Preis von 1200 Mark dem Entwurf von Professor 
Hermann Hahn und Oswald Ed. Bieber in 
München, einen 2. Preis von 800 Mark dem Entwurf 
des Bildhauers Hans S a u t t e r in Kassel zuerkannt. 
Zwer weitere Entwürfe, von denen der eine von dem 
Architekten Max Hummel in Gemeinschaft mit Hans 
S a u t t e r, der andere von Fräulein K. Grosch 
eingesandt war, wurden einstimmig zum Ankauf empfohlen.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.