Volltext: Hessenland (29.1915)

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Titelheld, seine Frau nnd seine Schwägerin — eben die 
verratene (beliebte — nm den Sohn führen, keinen 
Spannnngsreiz ans. Hub es ist nns sehr gleichgiltig, 
wenn alle drei den Kampf verlieren nnd Erhard mit ein 
paar lockeren Damen ins Weite geht. Der Schluß gar, 
mit seiner nmvahrhaften Theatralik fordert den Spott 
geradezu heraus. . .. 
Herr Jürgen s e n spielte den Borkman großzügig, 
suchte seine Phantasien glaublich zu gestalten und seine 
Selbsttäuschungen als möglich hinzustellen. Daß er nur 
unser Mitleid wecken konnte, nicht uns erschüttern, — an 
seiner ausgezeichneten Leistung lag's nicht. Fräulein 
Görling zeigte in der Rolle der Ella Rentheim 
tiefes und echtes Gefühl, ihr Schmerz um ein liebe 
leeres Leben, ihre Güte und ihr Leid traten verinnerlicht 
nnd eindrucksvoll vor uns hin. . . . 
In der Oper ward die Neueinstudierung des B a r- 
b i e r s v v n- B a g d a d von P. Cornelius zu einem 
erfreulichen musikalischen Ereignis. Die „Ehrenrettung" 
eines deutschen Meisters war damit beabsichtigt und 
wenn darunter verstanden tverden soll, daß man die un 
verdient in Vergessenheit geratene Oper als wertvollen 
Bestandteil des RepertoirS erweisen wollte, so kann die 
Absicht als voll gelungen angesehen werden. Die Nen- 
H e s s i s ch e r G e s ch i ch t s v c r e i n. Geschichts 
wissenschaftlicher Unterhaltungsabend des K a s s e l e r 
Vereins am 4. Oktober. Der Vorsitzende General 
major z. D. E i s e n t r a t eröffnete die gut besuchte 
Sitzung mit Worten des Gedenkens an alle diejenigen, 
die seit dem letzten Zusammensein des Vereins im 
März d. Js. für das Vaterland gekämpft, geblutet und 
ihr Leben gelassen haben. — Schriftsteller W o I ff 
regte an, in gleicher Weise, wie man in Stuttgart das 
Bild eines „wackeren Schwaben" zur Nagelung auf 
gestellt habe, an der Mündung der Edder in die Fulda 
die Bildsäule eines „blinden Hessen" aufzustellen und 
nageln zu lassen. Der Vorsitzende bedauerte, die Be 
sprechung des Antrages ablehnen zu müssen, da, ab 
gesehen von den Schwierigkeiten, die sich ber der Aus 
führung ergeben ivürden, es zwar satzungsmäßige Auf 
gabe des Geschichtsvereins sei, Denkmäler zu erhalten, 
nicht aber solche zu errichten. Rechnungsdirektor Wo- 
r i n g e r gab eine Übersicht über das Leben der Land 
grasin Marie Amelie und die durch ihre Verheiratung 
mit dem Landgrafen Karl entstandenen Beziehungen 
zwischen Hessen und dem jetzt in deutschem Besitze 
befindlichen Herzogtum Kurland. Bankier Fi o r i n o , 
Privatmann F a l k e n b e r g und Bibliotheksdirektor 
Professor Dr. Brunner wiesen auf die vorhandenen 
Denkmünzen und Bilder hin, die die Landgräfin dar- 
stellcn, letzterer namentlich auf die schönen Dobber- 
mannschen Medaillen Karls und Marie Ameliens im 
Landesmuseum, die Kunstwerke ersten Ranges seien. 
Generalmajor z. D. Eisentraut sprach über das 
Palais des Prinzen Georg Hierselbst und die anderen 
jetzt zum Bellevueschloß vereinigten Gebäude. An der 
sich anschließenden Besprechung beteiligten sich Bib 
liotheksdirektor Prof. Dr. Brunner, Obervorsteher 
v. B a u m b a ch, Privatmann F a l k e n b e r g nnd 
Rechnungsdirektor W o r i n g e r. Hierauf bot Biblio 
theksdirektor Dr. B r u n n e r eine ausführliche geschicht 
liche Darstellung der Erbauung und der weiteren Schick 
sale des Drnseltnrms, der in diesem Jahre das Jubel 
fest seines 500 jährigen Bestehens feiert. Geheimer 
Regierungsrat G r i m m, Bankier F i o r i n o , Privat 
inszenierung durch Herrn Beyer wußte trefflich das 
orientalische Lokalkolorit zur Geltung zu bringen, straffe, 
flotte Szenenführung half über Längen der Handlung 
hinweg und dem von Cornelius selbst den Märchen 
von 1001 Nacht entnommenen Libretto zur besten Gel 
tung. In der Musik zeigt sich des Komponisten ur 
wüchsige Gestaltungskraft, die aus dem Vollen schöpft, 
nichts Anempfundenes und Gemachtes hat und in ihrer 
Eigenart der liefen Wirkung nicht entbehrt. Unter Herrn 
Längs' energischer und feinsinnig-künstlerischer Leitung 
nahin. die Aufführung vortrefflichen Verlauf und weckte 
den oft wiederholten freudigen Beifall des zahlreichen. 
Publikums. Die Titelrolle ward von Herrn P a c y n a 
aus Berlin musikalisch >vie darstellerisch ausgezeichnet ge 
geben, Fräulein H e r p e r war eine sehr charakteristische 
ichivatzhafte Bostana, Fräul. v. d. O st e n eine Margiana 
voll Feuer und bestrickendem Reiz. Herr S ch o r n als 
Kadi, Herr W u z e I als Kalif trugen zum Gelingen 
ivesentlich bei. Es würde Unrecht sein, wollte man nicht 
auch der Verdienste der Herren W a ß m n t h und 
S t e r r a gedenken, die einen wunderhübschen Rahmen 
geschaffen und die Orientalen in malerischste und schön 
abgestimmte Gewänder gehüllt hatten. 
H. B l u m e n t h a l. 
mann Falkenberg und Rechnungsdirektor W o rin 
ger machten hierzu weitere Angaben. — General 
Eisentraut erwähnte den alten Lauf der Ahnn, die 
früher durch die jetzige Artilleriestraße floß und am 
Packhof die Fulda erreichte. Obertelegraphensekretär 
Siegel sprach auf Grund archivalischer ■ Forschungen 
über den ältesten Gesundheitsdienst im hessischen Heere. 
Privatmann W e n tz e l l zeigte eine Übersetzung der 
„Wacht am Rhein" in 25 verschiedenen Sprachen vor. 
General E i s e n t r a u t nannte eine Anzahl Kasseler 
Bankiers der westfälischen Zeit, wozu Bankier F i o r i n o 
Ergänzungen bot. Eine Nummer der selten gewordenen 
Zeitung „Der Bote aus Kassel", die Kaufmann K l e e- 
m a n n geschenkt hatte, wurde in Umlauf gesetzt. Schließ 
lich bat Bibliotheksdirektor Pros. Dr. B r u n n e r um 
Unterstützung der Mitglieder bei Ausführung des wieder 
aufgenommenen Planes, in der Zeitschrift des Vereins 
alljährlich eine Bibliographie zu veröffentlichen, die eine 
kurze Erwähnung aller auf die hessische Geschichte be 
züglichen Neuveröffentlichungen, ohne Rücksicht auf Um 
fang und Bedeutung enthalten soll. Etwaige Ein 
sendungen für diesen Teil der Zeitschrift sind an die 
hiesige Landesbibliothek zu richten. (Kaff. Tagebl.» 
Hochs ch u l n a ch r i ch t e n. Marburg: Die Ein 
führung des neuen Rektors der Universität Prof. Dr. 
E l st e r findet am 24. Oktober zugleich mit der Hohen- 
zollernfeier statt. — Die Schüler des. Geh. Reg.-Rats 
Prof. Ernst Schmidt haben zum 70. Geburtstag ihres 
verehrten Lehrers die Aufstellung seiner Büste im 
pharmazeutisch-chemischen Institut der Universität be 
schlossen. Das Modell dieser Büste ist dem Gefeierten 
kürzlich überreicht worden. — In Leipzig starb der Geh. 
Kirchenrat Professor D. Heinrici, der von 1373 
bis 1892 an der Universität Marburg gelehrt hat. 
8 0. G e b u r t s t a g. Generalsuperintendent a. D. 
Wirkt. Geh. Oberkonsistorialrat D. Ludwig W einer 
begeht in seiner Vaterstadt Marburg, wo er im Ruhe 
stand lebt, am 17. Oktober in voller körperlicher nnd 
geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. 
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Aus Heimat und Fremde.
	        

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