Full text: Hessenland (29.1915)

Gedichte von Alfred Hahn, candL phil., 
der den Heldentod vor Wern starb. 
Sommerabend. 
Weichklingcnd silberklares Glockenläuten 
Durchschwingt den schweren Duft der Feierstunde, 
So sachte schlägt ein jeder Glockenschlag, 
Wie Tränen, die aus weher Seele tropfen. 
Das Abendviolett im lichten Äther, 
Umklingt mit leisen Tönenharmonien. 
Die windgetrieb'nen schwarzen Wolkenschleier, 
Die wie ein drohend Unheil nachtwärts wandern. 
Ein roter Stern sprüht funkelnd Licht herab, 
Der Mond, noch milchweiß, bleicht am blauen Himmel. 
Und gleiß"nd loht blutgelbe Feuerglut, 
Wo flammend eine Sonnenwelt versinkt. 
Sommermorgen. 
Ein graugrün Dämmern schlummert überm Laud, 
Im Wiesengrunde wehen lichte Schleier, 
Das Gras reckt nachtfeucht seine Spitzen auf, 
Und freier atmet mählich alles Leben. 
Schlaftrunken zwitschern sich die Voglern wach, 
Ein Rosenhauch erwärmt den fahlen Himmel, 
Zur Messe klingen fern die ersten Glocken 
Ihr lockend Iubellied dem jungen Morgen. 
Gluiheller Gdem weht die Nacht hinweg. 
Und klarer Glanz durchfließt den Dämmeräther. 
Ein jubelnd Lied umklingt die Weltensphäre, 
Die lichtdurchglüht der neuen Schöpfung harrt. 
Da sprüht im Gst ein sieghaft Flammenlicht, 
Den Nebeldunst durchleuchten glüh'nde Strahlen:, 
Der Tag! — Und lichtgebadet bebt das All 
In heil'ger Wonne neuer Auferstehung .... 
Fn dunkler Nacht. 
Rose, ach Rose, willst du verblühn, 
Willst mit dem Abendröte verglühn? — 
Kaum erst aus lieblicher Knospe erwacht, 
Willst du mir sterben in dunkeler Nacht! — 
Und deine flammende Blüte zergeht, 
Wenn aus dem Tale der Nebel weht. 
Duftige Schleier umspinnen dich sacht, 
Dich zu ersticken in dunkler Nacht. - 
Und du zerfielst in dunkler Nacht, 
Wachst nicht mehr auf zu strahlender Pracht — 
Schnell rinnt das Leben — Schnell rinnt die 
Zeit 
Eins nur ist ewig: — Vergessenheit! — 
Aus Heimat und fremde. 
Hessischer Geschichtsverein. Der Mar - 
b u r g e r Verein hielt am 18. September 1915 seine 
diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, 
Archivrat R o s e n f e l d , berichtete über das abgelaufene 
Geschäftsjahr 1914/15. Die Zahl der Mitglieder ist durch 
10 Todesfälle und 5 Austritte auf 196 herabgegangen. 
Des Krieges wegen ist wie 1914 so auch 1915 die all 
jährliche Mitgliederversammlung des Hauptvereins aus 
gefallen; zur Erledigung der geschäftlichen Angelegen 
heiten hat der Gesamtvorstand am 21. August d. Js. eine 
Sitzung in Bebra abgehalten, über die der Vorsitzende 
Bericht erstattete. Der Zweigverein Marburg hat wäh 
rend des Krieges nur eine Versammlung im März ver 
anstaltet, in der Herr Archivar Or. K n e t s ch einen 
Vortrag „Hessen und Brabant" hielt. — Die Vereins 
sammlung auf dem Schlosse hat durch Ankäufe einigen 
Zuwachs erhalten; von dem Kasseler Museum ist — in 
weiterer Ausführung des gegenseitigen Leihvertrages, der 
am 3. November 1914 endgültig abgeschlossen ist — 
vor allem die für die Marburger Sammlung zusammen 
gestellte Auswahl hessischer Münzen eingegangen; einige 
andere Stücke werden noch folgen; ebenso werden dem 
Zweigverein noch die aus dem Nachlaß des verstorbenen 
Geh. Reg.-Rats v. Drach der Altertümersammlung ver 
machten Gegenstände zugehen. Für Erhaltungsarbeiten 
und umfassende Aufräumungen und Umgestaltungen 
mußten erheblichere Mittel als für Ankäufe aufgewendet 
werden. Diese Arbeiten werden im nächsten Jahre fort 
gesetzt werden müssen. — Die Rechnung ergab in der 
Kasse des Zweigvereins einen Bestand von 427 Mark. 
Der gewöhnliche Ortsbeitrag von 1,50 Mark wurde auch 
für das laufende Jahr beibehalten. — Von einer Vor 
standswahl wurde während der Dauer des Krieges und 
der dadurch bedingten Abwesenheit einer Anzahl Mit 
glieder abgesehen; wegen Einberufung des Vorsitzenden 
hat Herr Generalleutnant Exzellenz B e ß die Führung 
der Geschäfte übernommen. — Dem geschäftlichen Teil 
folgte ein Lichtbilder-Vortrag von Herrn Professor Or. 
Hamann über „Konsolfiguren an der Eli 
sa b e t h k i r ch e". In eigenen, prachtvollen Aufnahmen 
zeigte der Vortragende eine große Anzahl der unter den 
Wasserspeiern des Dachgesimses der Elisabethkirche sitzen-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.