Full text: Hessenland (29.1915)

lichst hervortrat und dem 1900 auf dem Marktplatz zu 
Tann ein Bronzestandbild errichtet wurde. Ludwig von 
der Tann hat seinen Namen schon früh mit der deut 
schen Einheitsbewegung verknüpft. Er kämpfte 1848 
als Freischarenführer in Schleswig-Holstein und war 
1850 Stabschef der Armee der Herzogtümer. Aber von 
Kindheit an lebte er der Gewißheit, daß, wie er am 
20. September 1870 in Chaumes sagte, sein Stern 
ihn in einen glücklichen Krieg gegen Frankreich führen 
werde. „Denn ich bin während der Schlacht bei Waterloo 
geboren." Mit freudiger Genugtuung ließ er sich des 
halb beim Aufbruch nach Frankreich von seiner Gemahlin 
den Ehrensäbel umgürten, den die dankbaren Schleswig- 
Holsteiner ihm verehrt hatten. Die Schlacht bei Sedan 
begann v. d. Tann, indem er das von ihm befehligte 
erste bayrische Korps morgens gegen 3 Uhr gegen 
Bazeilles führte. Lügnerische Berichte fremder Zei 
tungen, namentlich der „Times", über bayrische Grausam 
keiten gegen die „unschuldigen" Dorfbewohner nötigten 
ihn später, mit einer öffentlichen Erklärung hervor 
zutreten. Sie fiel so vornehm aus, wie der ganze Manu 
war. Das am 11. Oktober unter seiner Führung eroberte 
Orleans mußte er nach dem Kampfe bei Coulmiers 
(9. November) wieder aufgeben. Einer vierfachen Über 
macht hat er hier stundenlang tapfer widerstanden mit 
dem Erfolge, daß ec das gesamte rollende Eisenbahn 
material rettete. Ein durch und durch ritterlicher Mann, 
hat er den Franktireurs vielleicht zu viel Menschlichkeit 
widerfahren lassen. Um so lächerlicher ist der von Eng 
ländern und anderen Ausländern gegen ihn erhobene 
Vorwurf der Grausamkeit. Am 26. April 1881 ist 
v. d. Tann in Meran gestorben. 
Alt-Hessisches Sanitätswesen im Kriege. 
Es ist beabsichtigt, in Verbindung mit der Ausstellung 
für Verwundeten- und Krankenfürsorge im Kriege, Mitte 
Juli bis Mitte August im Kasseler Landesmuseum eine 
Sonderausstellung: „Alt-Hessisches Sanitätswesen im 
Kriege" zu veranstalten. Die Ausstellungsleitung ging 
dabei von der Erwägung aus, daß im Hinblick auf den 
hohen Kulturstand im ehemaligen Kurhessen und die 
namentlich durch den Landgrafen Karl geförderte Forscher 
tätigkeit in den hessischen Sammlungen sich interessante 
Belege der Verwundeten-Fürsorge befinden dürften. Es 
soll daher versucht werden, diese Gegenstände, ferner 
auch hierauf bezügliche Drucksachen und Bilder aus 
den verschiedenen Sammlungen im Rahmen der ge 
planten Veranstaltung zu vereinigen. Da aber auch 
angenommen werden darf, daß sich im Privat 
besitz, besonders in ärztlichen Familien, derartige 
Denkwürdigkeiten befinden, bittet die Ausstellungsleitung, 
sie für den fraglichen Zweck zur Verfügung zu stellen. 
Alle Ausstellungsgegenstände werden gegen Feuersgefahr 
versichert und auch sonst wird jede Gewähr für die un 
beschädigte Rückgabe zugesichert. Alle Mitteilungen und 
Anregungen find baldigst zu richten an den Verwaltungs 
ausschuß der Ausstellung für Verwundeten- und Kranken 
fürsorge im Kriege Kassel 1915 (Städt. Verkehrsamt). 
Musikalisches. 
Werke von Alexander Friedrich von 
Hessen. In Frankfurt fand kürzlich ein Konzert 
statt, dessen Programm ausschließlich Werke (Breitkopf 
L Härtel, Leipzig) des während des Winters in Frank 
furt lebenden, sonst aber auf seinem Schloß Philippsruhe 
ber Hanau bzw. auf seiner Herrschaft Panker in Holstein 
residierenden Landgrafen Alexander Friedrich von Hessen 
aufwies. „Wir haben", schreiben die „Frankfurter Nach 
richten", „schon oft Gelegenheit gefunden, neuen Schöp 
fungen des hessischen Landgrafen zu begegenen, dieses 
sehr ernst zu nehmenden Musikers und eines Kom 
ponisten, der einst in bester Schule die reifste künstlerische 
Bildung sich und anderen zur Freude erworben." Die 
„Franks. Ztg." schreibt über dieses Konzert: „Der in 
Frankfurt wohnende und den musikalischen Ereignissen 
dieser Stadt seit Jahrzehnten rege Anteilnahme wid 
mende Landgraf Alexander Friedrich von Hessen hat 
sich in deutschen Musikerkreisen als Komponist einen 
geachteten Namen zu erwerben vermocht. Namentlich 
haben seine Kammermusikwerke Anklang und Wert 
schätzung bei Publikum und Kritik gefunden. Das 
Hochsche Konservatorium, zu dem der fürstliche Tonsetzer 
als Mitglied des Patronatsvereins in Beziehungen steht, 
hatte für gestern abend eine Anzahl Frankfurter Musik 
freunde in seinen Konzertsaal entboten, um eine Reihe 
von neueren Klavierstücken und Liedern des Komponisten 
bekannt zu machen. Von ihnen ist das meiste schon 
bei früheren Gelegenheiten gehört worden, und wiederum 
mochte es auffallen, daß mit Vorliebe solche Texte 
gewählt worden waren, die bereits von anerkannten 
deutschen Komponisten vertont und musikalisches All 
gemeingut geworden sind. Mit dem Hugo Wolfschen, 
aus einem Guß geformten, großzügig gesteigerten „Ge 
sang Weylas" ist es schwierig in Wettbewerb zu treten, 
immerhin vermag die Fassung, die ihr der fürstliche 
Komponist gegeben, in allen Ehren zu bestehen. Be 
sonderen Anklang fand das schnmngvolle „Zum neuen 
Jahre", das schön empfundene „Ein Stündlein wohl 
vor Tag" und das sehr ansprechende „Zierlich ist des 
Vogels Schritt im Schnee", überhaupt verdienen die 
gebotenen Lieder allen Gesangsbeflissenen ihrer gediegenen 
Lyrik halber für Hausgebrauch und Öffentlichkeit emp 
fohlen zu werden. Das gleiche gilt für die gebotenen 
neun Klavierstücke, die ausnahmslos für bessere Spieler 
dankbar und anregend sind. Einiges hiervon, wie das 
Präludium und der hübsche Walzer, wird auch im 
Konzertsaal gut zu verwenden sein." 
Im Verlag von Georg Dufayel in Kassel ist soeben 
eine Schrift erschienen, die Gesangsbeflissenen, Gesangs 
freunden und Berufssängern angelegentlichst empfohlen 
werden kann. Sie hat den Königl. Opernsänger und 
fürstl. lippischen Kammersänger Hans Wuzol zum 
Verfasser und führt den Titel „Meine Erfahrungen als 
Gesanglehrer über Erziehung und Behandlung der Kunst 
stimme". Wuzöl, der seine ersten Kenntnisse dem Kammer 
sänger Professor Jos. Hauser in Karlsruhe verdankt 
und diese im Laufe von 22 Jahren durch Unterrichten 
um ein Erkleckliches bereicherte, schuf sein Lehrbuch des 
Gesangs in gedrängter und anschaulicher Form, berück 
sichtigte vieles Neue auf dem Gebiete der Gesangskunst 
und brachte Vereinfachtes in der Technik vor, so daß 
dieses Gesangsschülern sicherlich ein Freund und treuer 
Begleiter in der Zeit ihrer selbsttägen Weiterbildung 
sein wird. Der Herausgeber geht genau auf die Atmung, 
Zungenlage und Mundstellung, Bildung der einzelnen 
Vokale und Konsonanten ein und gibt ein „Übungs 
heft zur Gesangschule" bei, das 4n den Ausgaben für 
Sopran, Alt, Tenor und Baß käuflich ist. Man lernt 
an der Hand dieser köstlichen Übungen in Dur und 
Moll u. a. das absolute Tonbewußtsein, das Übergehen 
aus dem Piano ins Forte und alles das, was einem 
tüchtigen Sänger nötig ist. Auch ist in der Schrift 
Wuzsls auf Lieder von Mendelssohn, Schubert, Schu 
mann vergleichsweise hingewiesen. Wuzsl, der bei einem 
Gesanglehrer ebenso gediegene musikalische und theore 
tische Kenntnis, als auch pädagogische Erfahrungen vor-
	        

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