Full text: Hessenland (29.1915)

aufs Bett gelegt, um die Autos zu erwarten, das 
erste kam aber erst um kl Uhr. 
6 .1, Um 11 Uhr begann der Abtransport mit den 
Autos. Ein Amputierter und einer mit Lungenschuß 
sind in der Nacht gestorben. Der Gesamtzugang 
betrug gestern 170 Verivundete, darunter 54 Fran 
zosen. 85 Marschfähige wurden heute gleich nach 
Ardeuil in Marsch gesetzt, außerdem 7 Franzosen. 
Heute früh heftiges Artilleriefeuer, scheinbar mehr 
beim ... Korps. Einzelne Schrapnells pfiffen 
wieder hinten in den Grund. Mittags alle Ver 
wundete in Autos abtransportiert. Nachmittags 
starkes Artilleriefeuer in der Gegend von Somme- 
Py. Ging mit M. auf den Berg. Bei uns im 
Laufe des Nachmittag alles ruhig, auch regnete 
es heute nicht. 
7. 1. Bei Tisch wieder heftiges Artilleriefeuer, 
einzelne Schrapnells wieder bis hart an den Süd 
ostausgang des Dorfes. Gingen zu unserer Sicher 
heit auf den Berg, bis auch hierhin 4 Schrapnells 
fielen. Verluste nicht stark bei uns. Nachmittags 
4 Uhr der neue Divisionskommandeur da, hielt eine 
Ansprache an das Regiment. 
8 . 1. Den ganzen Tag über starkes Artillerie 
feuer, schon morgens Verluste. 
9. 1 . Seit 1/2 8 Uhr entsetzliches Artilleriefeuer 
wieder auf die Stellung unserer ... er. R. er 
hält ordentlich Feuer, glücklicherweise nur Schrap 
nells, die im vom Regen tief aufgeweichten Boden 
meist nicht krepieren. Einzelne krepieren beim 
Hauptverbandplatz, eine bei der Döckerschen Baracke 
(große Erregung natürlich bei den darinliegenden 
Schwerverrvundeten), eine schlägt in die Scheune 
hinter meinem Quartier und eine andere in das 
letzte Haus links an der Straße nach Tahure (mir 
schräg gegenüber). Hier wohnen die Ärzte des 
Regiments . . . Mittags, als ich zum Essen 
gehen wollte, krepieren 2 Schrapnells gerade hoch 
über der Straße, die Sprengstücke fliegen bis vor 
die Türen. — Mittags meldete sich Stabsarzt 
Professor H., Vorstand des Untersuchungsamts 
in Koblenz, der vom ... Korps hierher komman 
diert ist, um hier mit den Typhus zu bekämpfen. 
Nimmt mir ein großes Teil meiner Arbeit ab, 
andererseits lerne ich von ihm, da er ein prak 
tischer Hygieniker ist. Nach Tisch legte ich mich 
ein wenig aufs Bett, wurde aber gleich durch 
neueinsetzendes, wirklich infernalisches Artillerie 
feuer aufgescheucht. Der Kampf ging immer weiter. 
Was die Franzosen wieder für eine Munition 
hinausschmissen! Man kann sich überhaupt keinen 
Begriff davon machen, noch weit weniger aber die 
entsetzliche lähmende Wirkung dieses fürchterlichen 
Artilleriefeuers beschreiben. Wie das auf die armen 
Kerls im Schützengraben wirken muß, davon be 
kommt man ja einen deutlichen Begriff durch die 
vielen psychischen Störungen, die man beobachtet. 
Bis abends 12 Uhr hatten wir 230 Verwundete, 
die zum größten Teil noch im Laufe der Nacht 
mit Autos abtransportiert wurden. Ging um 2 
Uhr zu Bett. Viel Verluste hatten tvieder die ... er 
und das Ersatzregiment . . . Die Franzosen sollen 
beim Jnfanterieangriff mit großein Schneid vor 
gegangen sein, toas sich hauptsächlich daraus erklärt, 
daß wieder frische Truppen drüben eingesetzt seien, 
ein ganz neues Korps. Vor den ... ern haben 60 
Tote gelegen. Aber die Schützengräben sind wieder 
ganz zusammengeschossen, nun muß in der Nacht 
wieder alles ausgebaut werden. Beim ... aktiven 
Korps soll ein Vorstoß gelungen sein, sie sollen 
französische Schützengräben genommen und viele 
Gefangene gemacht haben. 
10. 1. Heute Ruhe draußen, es kommt einem 
ordentlich unheimlich vor. Auf dem Verbandplatz 
aber dauernd Tätigkeit. Heute morgen hatte noch 
ein neuer Kampf stattgefunden, die ... er sollen 
einen zum Teil verlorenen Graben wieder stürmen, 
nur ein Teil der Franzosen soll herausgetvorfen 
sein. Bestimmtes war nicht zu erfahren. Auf 
jeden Fall soll wieder eine Verschiebung der Stel 
lungen sein, unser Divisionsabschnitt wird enger 
begrenzt. 
11. 1. Die Sonne scheint, es weht aber ein 
kühler Wind. Nach Tisch wird unsere Artillerie 
etwas lebhafter. Von den Franzosen hört man 
wenig. Nachmittags platzten mal wieder ein paar 
Schrapnells über uns, damit man nicht aus der 
Übung kommt. Um 4 Uhr zum Divisionskomman 
deur General v. A. bestellt, der mich und K. sprechen 
wollte. Er hatte gerade eine zündende Ansprache 
an die Neuangekommenen Pioniere gehalten, die 
wirkungsvoll von dein Krachen der über R. platzen 
den Schrapnells begleitet war. Der Kompagnie- 
chef Hauptmann B. hat seine beiden Jungen, 
17 und 18 jährig, als Kriegsfreiwillige in der 
Kompagnie. A. drückte uns für die Leistungen 
der Sanitätskompagnie seine volle Anerkennung 
aus. Auch über die geplante Verlegung der Kom 
pagnie irach F. sprach A., nur müßten erst die 
Zufahrtsstraßen ausgebessert sein — und die be 
finden sich in einem geradezu unglaublichen Zu 
stand. Um 5 Uhr kam mit dem ersten Kranken 
auto der Korpsarzt in höchsteigener Person, der 
sich über den Abtransport der Verwundeten orien 
tieren wollte. Abends trafen neue Truppen ein. 
Auffallend viele von ihnen haben das Eiserne 
Kreuz. 
11. 1 . Nachts hat unsere Artillerie viel ge 
schossen. Gestern morgen und gestern mittag hatten 
die ... er, d. h. etwa 50 Freiwillige unter einem
	        

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