Full text: Hessenland (28.1914)

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usw. Die Umdeutung zu Markt hat hie und da 
auch sog. Namenssagen im Gefolge gehabt, wie 
das gleiche der Fall ist mit den zahllosen Hunger 
bergen, Hungerbäeben, Goldbergen, Goldwiesen, 
Teufelsbergen, Höllentälern, Donnerkauten, 
Hexengründen usw. Alle diese Namen sind, wie ich 
an anderer Stelle nachweisen werde, vom Volk 
umgedeutet worden und haben mit Teufeln. Hexen, 
(Schluß 
Höllen usw. nichts zu tun. So hat auch der 
Gemarkungsname aus dem Marktbrunnen in der 
thüringischen Flur Wölfis die Sage gezeitigt, daß 
früher das Dorf einen weit größeren Umfang ge 
habt haben soll. Auf dem Marktborn solle die 
Marktstätte gewesen sein.") 
") Grrbing: Dir Flurnamen de« Herzogtum« Gotha 
(Jena 1910) S. 255. 
folgt.) 
SchmalKalder Erinnerungen von 1866. 
Von Otto Gerland. 
(Fortsetzung.) 
Einstweilen standen die Bayern in und um 
Wernshausen, ihre Jnfanterieposten waren bis 
zur damaligen hessischen Grenze vorgeschoben, wo 
rechts und links ein Mann hinter einem Baum 
stand. Vor Niederschmalkalden auf den Wiesen war 
eine abgespannte Batterie aufgefahren. Es war 
nicht zu empfehlen, sich in das abgesperrte Gebiet 
zu begeben, weil man leicht als Spion angehalten 
werden konnte. So ging es auch tatsächlich unserm 
Kreissekretär v. Heppe und dem der damali 
gen Regierungskommission (der Vorgängerin des 
jetzigen Landratsamts) beigegebenen Regierungs 
referendar S ch e f f e r, die bei einem Gange durch 
die bayrischen Linien auffielen, von Fahrkano 
nieren zu Pferde verfolgt, gefangen genommen 
und erst nach mehreren Stunden wieder losge 
lassen wurden, als bereits von Schmalkalden Gen-, 
darmen zu ihrer Befreiung abgesandt werden sollten. 
Am 2. Juli waren zwei Bataillone des drei 
zehnten preußischen Infanterie-Regiments (Her 
warth v. Bittenfeld) von Berka nach Eisenach 
und von da mit der Eisenbahn nach Marksuhl be 
fördert und marschierten dann von dort nach 
Salzungen. Das 1. Bataillon bezog die Vorposten 
südlich von Salzungen, den linken Flügel bildete 
die dritte Kompagnie unter Hauptmann v. W i ch - 
mann; sie hatte ihren Standpunkt nahe vor Ett 
marshausen an der nach Immelborn führenden 
Landstraße und sicherte sich durch die zu beiden 
Seiten der Straße vorgeschobenen Feldwachen, 
auch befand sich eine Patrouille des 8. Husaren 
regiments noch weiter südlich am oberen Aus 
gange von Barchfeld. Die Bayern wollten nun 
diese Stellung erkunden, und so unternahm dann 
in der Nacht vom 2. zum 3. Juli Oberst Adossar, 
damals meist A l d o s s e r genannt, einen Vorstoß. 
Er nahm IV 2 Kompagnien Jäger und eine Schwa 
dron Chevaulegers, mit denen er vorging. Es 
herrschte damals bei dm Gegnern Preußens die 
ihnen mehrfach so verhängnisvoll gewordene An 
sicht, man könne und müsse das Übergewicht des 
preußischen Hinterladegewehrs durch einen mög 
lichst überraschenden und schnellen Angriff aus 
gleichen. Adossar hatte deshalb von allen Seiten 
Leiterwagen zusammengezogen, auch der Adler 
wirt Pfannstiel hatte einen stellen müssen, auf 
diese wurden die Jäger gesetzt, und so ging der 
Oberst dann in der Dunkelheit vor, so daß er 
etwa gegen 11 % Uhr nachts vor Barchfeld an 
kam. Hier ließ er seine Jäger von den Wagen 
steigen. Es störte ihn nicht, daß die am Ein 
gang von Barchfeld aufgestellten Husaren Signal 
schüsse abgaben und im Galopp auf die Infanterie 
zurückgingen, um dort Meldung vom Anrücken 
der Bayern zu erstatten. Adossar ließ sogar 
auf der Werrabrücke in Barchfeld die Zündhütchen 
von den Gewehren abnehmen, damit nicht etwa 
ein Schuß vorzeitig losginge und den Preußen 
die Ankunft der Bayern verrate (dies Kommando 
hat ein sich unter der Werrabrücke verbergender 
Bewohner Barchfelds selbst gehört), und dann 
ging's im Sturmschritt und in dichten Kolonnen 
vor. Hauptmann v. Wich mann rückte den 
Bayern mit dem Soutien seiner Kompagnie auf 
300 Schritte weit entgegen und empfing die in 
der Dunkelheit nur in allgemeinen Umrissen er 
kennbaren, fortwährend „Hurra" rufenden Feinde 
mit zwei auf 150 Schritt abgegebenen Salven. 
Sogleich verstummten die bayrischen Hurrarufe, 
und an ihre Stelle trat ein unregelmäßiges Ge 
wehrfeuer der Bayern, dem ein kurzes Schnell 
feuer der Preußen folgte, worauf sich Hauptmann 
v. Wichmann mit schlagenden Tambours den 
Bayern entgegenstürzte. Diese entzogen sich jedoch 
dem Nahkampf durch einen eiligen Rückzug, wo 
bei sie einen Toten und fünf Verwundete, dar 
unter einen Offizier mit 5 Schußwunden (man 
sagt, es sei A d 0 s s a r s Adjutant gewesen) zu 
rückließen. Preußischerseits wurden bei der Kom 
pagnie ein Mann schwer und zwei leicht ver 
wundet, von den Husaren wurden ein Mann 
verwundet und zwei Pferde getötet, die Patrouille
	        

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