Full text: Hessenland (28.1914)

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Biel zu früh hat der Tod die hochbegabte Dichterin 
dahingerafft, die bis zum letzten Tage trotz schwerem 
körperlichen Leiden rastlos schöpferisch tätig war. Karl 
Engelhard widmet ihr folgenden poetischen Scheidegruß. 
Als Hessenkind zwar bist du nicht geboren, 
Doch hast du frei und froh das Hessenland 
Als deines Herzens Heimat dir erkoren, 
Darin es auch die letzte Ruhe fand. 
Und Hessenland ist stolz auf dich gewesen 
Es nannte dich der besten Kinder eins. 
Zu einem Liebling hat es dich erlesen, 
Und unvergessen bist du ihm wie keins! 
Geweiht vom höchsten Wesen, ward dein Leben 
Ein Kunstwerk reinster, reifster Menschlichkeit. 
Was du auch immer schufest, es verweben 
Versöhnt darin sich innigst Lust und Leid: 
Ein Widerglanz von all den sel'gen Siegen, 
Die du itn Kampfe mit dir selbst errangst, 
Vom schwingenstarken Weltweh-llberfliegen, 
Vom Sinn, mit dem du jedes Schicksal zwangst. 
Geweiht vom höchsten Wesen — und mit allen 
Kräften ihm dienend bis zum letzten Hauch 
Nicht Trauer ziemt uns! Laßt uns fröhlich wallen 
Mit gleichem Mut zu gleichem Ziele auch! 
Die Hessen in Amerika. Die in Newyork 
erscheinenden „Hessischen Blätter" (Hessen-Darmstädtcr 
Zeitung"» vom 24. Januar bringen in ihrer Vereins- 
rubrik Mitteilungen von allein sieben hessischen Ver 
einigungen. Es sind das: Der hessische Volksfestverein, 
Newyork: der Schlüchterner Damenverein, Newyork; der 
Schottener Damenverein, Newyork ; der Äurhessische Ver 
ein „Zur Wilhclmshöhe", Newyork; der Hessische Kran 
ken-Unterstützungsverein „Zur Wilhelmshöhe", Brook 
lyn, der Hessische Sängerbund, Brooklyn und der Hes 
sische Kranken-Nnterstützungsverein, Pittsburg. 
Das neue L a n d g e stü t in Ku r h ess e n. Im 
Abgeordnetenhaus wurde die Verlegung des Graditzer 
Gestüts nach Altenfeld im Kreise Eschwegc genehmigt. 
Schon im Herbst hatte die preußische Gestütsverwal 
tung das dem Landgrafen Chlodwig von Hessen-Phi- 
lippsthal-Barchseld gehörige Rittergut nebst Voriverk 
Altenfeld für rund 5* Millionen Mark erworben, etwa 
2467 Morgen, wozu noch etwa (500 Morgen aus den 
unliegenden Ringgaugebieten angekauft werden sollen. 
So wird vom Frühjahr 1916 an das größte preußische 
Hauptgestüt in Altenfeld seinen Sitz haben. 
Aus Schmalkalden. Nach einer an das Land 
ratsamt ergangenen Benachrichtigung aus dem Mini 
sterium des Innern hat sich bei der am 10. November- 
vorigen Jahres durch Vertreter der einzelnen Mini 
sterien vorgenommenen Besichtigung des Schlosses Wil 
helmsburg ergeben, daß das Schloß zur Unterbringung 
des Landratsamtes, des Kreisausschusses und der land- 
rätlichen Dienstwohnung nicht geeignet ist. Es muß 
deshalb dem Bedürfnis auf Erweiterung des Landrats 
amts auf dem jetzigen Grundstücke (dem HessenhoH 
Rechnung getragen werden. Dies soll dadurch geschehen, 
daß die vorhandene Halle als Sitzungssaal für die 
Zwecke des Landratsamtes ausgebaut wird. Ferner 
soll hinter der Halle im Garten ein zweistöckiger An 
bau für die Geschäftszimmer des Versicherungsamts und 
des Kreisausschusses ausgeführt werden. Eine erfreu 
liche Lösung. 
<£>-«* 
Hessische Bücherschau. 
Siegfried, der Held der Nibelungensage. 
Nach nordischen und mittelhochdeutschen Quellen be 
arbeitet von Prof. Dr. Jakob Nover. Mit vier 
Bildern von F. Lecke. Universal-Bibliothek für die 
Jugend. Union Deutsche Verlagsgesellschaft. 
Geheftet 50 Pf., gebunden 90 Pf. 
Aus den verschiedenen Sagenkreisen, den nordischen 
und mittelhochdeutschen Quellen, entnimmt der Verfasser 
die Züge zu seiner Siegfriedgestalt, um diese als ein 
zusammenhängendes Ganzes der Jugend als Vorbild 
hinzustellen. Er beschränkt sich nicht nuv auf das Nibe 
lungenlied, sondern greift weiter zurück auf die Edda 
und nimmt Bezug auf die nordische Wälsungen- und 
norwegische Thidreksage. Anregende Gedanken enthält 
das Schlußkapitel über den Ursprung und die Deutung 
der Siegfried- und Nibelungensage. Und daß in diesen 
wenigen Seiten ein tiefes und gründliches Wissen ver 
borgen, ist bei einem Kenner der alten deutschen Sagen 
welt wie Nover selbstverständlich. In der scheinbar 
schlichten, dem jugendlichen Verständnis und dem Volks 
empfinden angepaßten Form liegt ein tiefes Wissen und 
jahrelanges Studium verborgen. Bei aller Gründlichkeit 
ist jede Überladung vermieden. Die Sprache ist klar und 
anschaulich, ohne in einen allzu belehrenden Ton zu 
verfallen, so daß bei dem jugendlichen Leser kein Ge 
fühl der Langeweile aufkommen wird. Nover's „Sieg 
fried" ist trotz dem gediegenen, auf wissenschaftlichen 
Grundlagen aufgebauten Inhalt ein Buch, wie geschaffen 
für Volk und Fugend und geeignet, den im deutschen 
Wesen verborgenen und oftmals schlummernden Idealis 
mus zu beleben und zur Hellen Flamme anzufachen. 
Mögen Eltern und Erzieher nicht achtlos an diesem 
wertvollen Jugendwerk vorübergehen! 
B. M o r i t o n - v. Mellenthin. 
Personalien. 
Bertiehe« : der Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse 
mit Eichenlaub: Oberpräsident, Wirklicher Geh. Rat 
Hengstenberg zu Kassel. 
Roter Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub Regie 
rungs-Präsident Graf von Bernstorff zu Kassel. 
König!. Kronenorden 3. Klasse: Univ.-Professor, Geh. 
Konstistorialrat D. Budde zu Marburg; Oberregie 
rungsrat Dr. Grapow zu Kassel, Oberregierungsrat 
Leis zu Kassel; K. K. Hauptmann d. R. von Trott 
zu Solz in Solz. 
Adler der Ritter des Hausordens von Hohenzollern; 
Provinzialschulrat Kanzow zu Kassel, Geh. Regie 
rungs- und Schulrat Dr. Q u e h l zu Kassel. 
Roter Adlerorden 4. Klasse: Forstmeister Appel zu 
Bischhausen, Forstmeister von Baumbach zu Haina; 
Rentner Binder zu Marburg, Rechnungsrat Böhne 
zu Schmalkalden: Univ.-Professor D. Dr. Böhmer 
zu Marburg, Baurat D r e e s zu Kassel, Oberbibliothekar 
Dr. Falken Heiner zu Göttingen, Reichsbankdirektor 
Hein zu Kassel, Pfarrer a. D. Hellwig zu Arolsen, 
Rechnungsrat Horn zu Kassel; Univ.-Professor Dr. 
I e n s e n zu Marburg; Rechnungsrat K n i e r i m zu
	        

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