Full text: Hessenland (28.1914)

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Sie können sich den Namen verdienen Henker 
von Kurhessen, oder Hyäne von Kassel. Es ist 
nicht Viel, aber es ist doch Etwas! Sie können 
es dahin bringen, daß man vor Ihnen zittert, wo 
Sie gebieten, und Sie massakriert, wo Sie keine 
Gewalt haben. DaswissenSie'Es schmeichelt 
Ihrer 71 jährigen Eitelkeit, die sich hoch und teuer 
vermißt, die Völker lehren und bekehren zu wollen. 
Aber das wissen Sie nicht, daß Sie Ihrem 
Landesherrn den Stuhl vor die Tür setzen helfen, 
daß Sie Ihrem Hause Brabant die altererbte 
Krone zertrümmern und Ihr „Vaterland" an 
seinen lauernden Nachbarn verraten helfen. 
Armer, schwacher Greis' Fahre dahin in Deinem 
Aberwitz. — Der Herr, Dein Gott, hat Dich- hart 
geprüft und Du hast nicht bestanden vor seinem 
Angesicht. Fahre dahin, ein ohnmächtiges Werk 
zeug der Thorheit und des Wahnsinnes. Opfere 
so viel blutige Opfer, wie Du willst, ergrauter 
Verblendeter — an Deinem Grabe wird die Jugend 
dieses Landes stehn — vielleicht unter Fluch 
und Verwünschung — aber gewiß nicht ohne 
ein mitleidiges Lachen." 
Es kann und soll heute nicht Aufgabe sein, den 
Gesamtverlauf der damaligen Ereignisse in seinem 
vollen Umfange darzustellen, nur einige Bilder, 
Ausschnitte aus dem Gesamtgemälde, können ge 
boten werden, die ersten zusammenhängenden und 
auf bislang unbenutztes Material zurückgehenden 
Darstellungen hat W. Hopf gegeben in seinem 
Merkchen „Kurhessens deutsche Politik 
i. I. 1850" und in der 1910 in den „Hessischen 
Blättern" erschienenen Artikelreihe „Der k ur 
li e s s i s ch e V e r f a s s u n g s k a m p f u a ch sei 
ner i n n e r p o l i t i s ch e n Seite" Will man 
diesen Arbeiten nicht völlig folgen, so kann es 
nur in der Weise sein, daß sie der Stellung der 
Demokratie in dem Kampfe nicht gerecht wird, daß 
namentlich deren Bedeutung für Gegenwart und 
Zukunft mit den Trägern des konservativen Ge 
dankens jener Tage verkannt ivard. Daß auch die 
Demokratie jener Tage recht reichlich mit Fehlern 
gesegnet war, soll nicht verkannt werden, das 
einigende Moment der beiden Gegenpole konnte 
aber im Bekenntnis zum Staate gesucht 
werden und im g r o ß d e u t s ch en G e d a n ke n 
dem stand der Liberalismus mit seinen dissoziieren- 
den Prinzipien und seiner kleindeutscheu Auffassung 
entgegen. 
Das beste Urteil, das je über die Manose von 
1850 gesprochen ist, finden wir aber bei W. H. 
Riehl, der in seinem Werke „Land und 
Leute" (10. Aufl. S. 335 u. 337) sagt 
„Gewalt stand gegen Gewalt. Um das kleinere 
Übel — die rechtswidrige Willkür des Ministers - 
zu paralysieren, hatte man das unendlich größere 
Übel, die Lähmung des ganzen Staatsorganismus, 
heraufbeschworen, und eine heillose Verwirrung 
der Rechtsbegriffe im Volke, bei den Beamten, 
Richtern, im Heere dazu. Als ein „Rechts 
spiel" sieht die große Masse des Volkes ihre 
Privatprozesse an, als ein Rechtsspiel ist auch der 
Bevölkerung des Landes der politische Prozeß in 
Kurhessen erschienen, und darin lag die auflösende 
und zersetzende Kraft der kurhessischen Händel." 
<»>••<<*> 
Am Morgen. 
Der Morgen faßt mich bei der Hand 
Führt mich dem Licht entgegen; 
Frau Sonne steht am Bergesrand 
Und spricht den Morgensegen. 
Frau Sonne sieht mich lachend an: 
„Kannst noch nicht auf dich raffen? 
Rinteln. 
Sei munter, und ich helf dir dann 
Auch ein paar Verslein schaffen!" 
Noch träumend setze ich mich hin 
Tn Sommermorgenfrische, 
Da liegt von jener Zauberin 
Ein Lied auf meinem Tische. 
Helene Brehm. 
Zur Neubebauung des Hersfelder Nathausplahes. 
Wir berichteten seinerzeit über die Frcilegitng 
des Hersfelder Rathauses durch Abbruch der Häuser 
gruppe „Am Treppchen" Inzwischen ist von der 
Stadt ein neues Projekt ausgearbeitet worden, 
über das die „Hersfelder Zeitung", vom 27 Ja- 
iruar 1914 eingehend berichtet, durch deren 
Entgegenkommen wir in der Lage sind, unsern 
Lesern die alte und die neugeplante Ansicht des 
Rathausplatzes vorzuführen. Dem Projekt liegt 
die Absicht zugrunde, „das alte vielgerühmte 
Kleinod Hersfelds in ähnlicher, den heutigen Per- 
kehrsverhältnifsen und Anforderungen an gesunde 
Wohn- und Geschäftsräume Rechnung tragender 
Bauweise nach Möglichkeit wieder herzustellen" 
Der Neubau, der die städtische Sparkasse auf 
nehmen soll, erzielt den reizvollen Durchblick nach 
der kleinen Eingangshalle der Stadtkirche, wie ihn 
die alte Häusergruppe bot, und auch die Höhen 
verhältnisse des Neubaus sind wie die Gruppierung 
der Giebel dem alten Motiv entsprechend beibehalten
	        

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