Full text: Hessenland (28.1914)

Heffenland 
Hessisches Heimaisblatt 
Zeitschrift für hessische Geschichte» Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Rr. 3. 28. Jahrgang. Erstes Februar-Heft 1914. 
Fremdherrschaft und Freiheitskriege in Gttrau. 
Nach Gemeinderechnungen beschriebest von Wilhelm Wagner 
(Fortsetzung.) 
Ließ uns die Rechnung von 1808 sozusagen das 
Morgenrot des westfälischen Königtums schauen, so 
leuchtet uns dessen voller Tag in den Rechnungen 
von 1809—12. Schon äußerlich zeichnen sich diese 
vor ihren Schwestern aus der vorhergehenden und 
folgenden Zeit aus, tragen sie doch klle das stolze 
Wappen des Königreichs Westfalen auf der Stirn. 
Und diesem Wappen entspricht der Inhalt der 
Rechnungen und entsprechen auch die Belege. Alles 
gut westfälisch. Ein Stück westfälischer Geographie 
lehrt uns der Umschlag der „Erheberolle zur 
Deckung des Defizits pro 1811" kennen. Da steht 
geschrieben. Departement Werra, Dbtrict Hers 
feld, Canton Oberaula, Commune Ottrau. Am 
Ende desselben Schriftstücks lesen wir, wer an der 
Spitze des Departements Werra stand. Es war ein 
Präfekt mit dem Wohnsitz in Marburg. Seinen 
Namen hat er unleserlich geschrieben. Deutlicher 
ist die Aufschrift seines Siegels Präfektur des 
Departements der Werra. Den höchsten Beamten 
des Distrikts Hersfeld lernen wir aus den Revi 
sionsbemerkungen zu unserm Rechnungen kennen. 
Es ist der Unterpräfekt Scheffer, wohnhaft in Hers 
feld. Häufig begegnen wir in Rechnungen und Be 
legen dem Oberhaupt des Kantons Oberaula, dem 
Kantons- oder Kreismaire Dunker in Neukirchen. 
Zu seiner Verfügung steht ein Kantons- oder Kreis- 
byte. Ebenfalls in Neukirchen wohnt der Kantons- 
Einnehmer, dem der Huissier (an anderen Stellen 
schlicht deutsch auch Gerichtsbote geheißen) durch 
exekutive Beitreibung rückständiger Abgaben fleißig 
zur Hand geht. 
Um von anderen mehr oder weniger hohen Be 
amten, wie dem Präfekturrat, dem Herrn Tribunal- 
Prokurator Fondy in Hersfeld, dem dressier des 
Tiübunals, sowie verschiedenen Herren Noteiren 
und Secretairen zu schweigen, wenden wir uns nun 
der Verfassung und dem Leben der Commune Ott 
rau zu, soweit unsere Akten etwas darüber sagen. 
An leitender Stelle erblicken wir jetzt statt des 
Greben den Herrn Maire. Freilich sehen wir ihn 
nstr selten in Tätigkeit. Nach unseren Akten hat 
pr weder hie vielen Schreibereien, noch die mancher 
lei Wege seines Vorgängers gehabt. Wir lesen 
wohl einmal, daß er ein von der neuen Feuerleiter 
übrig gebliebenes Stückchen Bauholz für die Ge 
meinde verkauft hat, und finden verschiedene Rech 
nungen von seiner Hand mit einer Anweisung an 
den Ortserheber versehen, aber mehr erfahren wir 
von seiner Amtstätigkeit nicht. Ob er wirklich nicht 
mehr zu tun hatte? Dazu würde die Tatsache 
stimmen, daß der erste Ottrauer Maire auf seine
	        

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