Full text: Hessenland (28.1914)

SS««- 376 SE. 
liehen: „Die schweren Kämpfe, die Sie in den letzten 
Tagen mit dem 25. Reserve-Armeekorps durchgefochten 
haben, werden für immer ein ruhmvolles Matt in der 
Kriegsgeschichte bleiben. Ich verleihe Ihnen den Orden 
?our le Mérite und ersuche Sie, Ihren unvergleichlichen 
Truppen Meine königliche Anerkennung und Meinen 
Dank auszusprechen. Gott schenke Ihnen weitere Er 
folge. Wilhelm I.R." 
W e t t b e w e r b. In dem Wettbewerb um das Vereins 
blatt des Kasseler Kunstvereins für das Jahr 1914 
wurde dem Maler Heinrich Otto in Düsseldorf, einem 
geborenen Kurhessen, der Preis zuerkannt. Von zehn 
Künstlern waren 29 Blätter zu diesem Wettbewerb ein 
gegangen. 
Todesfälle. Zwei hervorragende Bildhauer, deren 
Werke der Stadt Kassel zur Zierde gereichen, sind dahin 
geschieden. Am 9. Dezember starb, 73 Jahre alt, 
Heinrich Wilhelm Brandt, der Schöpfer des 
Siegesadlers auf dem Autor, der namentlich durch die 
treffliche Wiedergabe des hessischen Wappentieres, des 
Löwen, an Bauten und Denkmälern in unserer Heimat 
und an den Erinnerungsstätten hessischer Truppentelle 
auf den Schlachtfeldern von 1870 allgemein bekannt war. 
Am 13. Dezember folgte ihm im besten Mannesalter 
Hans Everding, dem Kassel das Philippsdenkmal 
und zwei schöne Brunnen dankt. Eine eingehende Wür 
digung der Persönlichkeit und des Schaffens beider 
Künstler kann erst in einem der nächsten Hefte gegeben 
werden. 
Kriegsverluste der Volksschullehrer 
des Regierungsbezirks Kassel. Von den 
700 ins Feld gezogenen kurhessischen Lehrern sind bis 
jetzt 53 den Heldentod gestorben. 
Aus Alsfeld. Eines der schönsten kirOichen Bau 
werke Oberhessens, die Walpurgiskirche, wurde nach müh 
samem Umbau durch Geh. Oberkonsistörialrat D. Petersen 
(Gießen) wieder dem kirchlichen Gebrauch geweiht. Die 
Festfeier vollzog sich in den schlichtesten Formen und 
sah von jedem äußeren Gepränge ab. 
Hessische Bücherschau. 
Erinnerungen aus dem spanischenFeld- 
zugeund aus der englischen Gefangen 
schaft 1808—1814. Bon Karl Christoph Caspary. 
Bearbeitet und herausgegeben von Dr. K a rl Essel 
born. 232 S. 8", Darmstadt (Selbstverlag des 
Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen) 
1914. 
Die hier gebotenen Erinnerungen sind die ältesten, die 
von hessischen Teilnehmern an dem Feldzug Napoleons 
egen Spanien bekannt geworden sind. Der Erzähler 
at den Feldzug als Angehöriger des großherzoglichen 
Artilleriekorps mitgemacht. Seine Aufzeichnungen, die 
nur für seine Kinder bestimmt waren, sind schon in 
Bruchstücken an die Öffentlichkeit gelangt. Hier werden 
sie zum erstenmal als Ganzes vorgelegt. Sie er 
scheinen als wichtigste und ausgiebigste Quelle für die 
Geschichte der nach Spanien gesandten Abteilung des 
großh. hessischen Artilleriekorps. Sie sind auch von 
hohem kulturgeschichtlichen Interesse durch die in ihnen 
berichteten, genau beobachteten zahlreichen Reinen Züge, 
die für das damalige Kriegsleben und die Kriegs 
führung jener Zeit äußerst charakteristisch sind. Wir lesen 
auch hier von der schmachvollen Härte, womit die 
hessischen Mannschaften in den englischen Gefängnissen 
behandelt wurden. Gewaltige Szenen bietet der Bericht 
über den siebenjährigen Kampf auf der pyrenäischen 
Halbinsel. . Dr. A. R. 
Siebert, Karl, Dr. mell, et pdil. Studien zur 
deutschen Kunstgeschichte. Heft 171. Verzeichnis 
der Werke des Malers Georg Corni- 
c e l i u s. Mit 16 Autotypien auf 12 Tafeln. 86 
Seiten. Straßburg (I. H. Ed. Heitz) 1914. 
Preis 6 M. 
Der Biograph utid beste Kenner der Werke von Georg 
Cornicelius läßt hier seiner vor acht Jahren im gleichen 
Verlag erschienenen umfassenden Monographie des auch 
heute leider noch Nicht nach Gebühr geschätzten Künstlers 
einen „Oeuvre"-Katalog folgen, der eine empfindliche 
Lücke auf dem Gebiet der hessischen Kunstgeschichte aufs 
glücklichste ausfüllt. Er hat im ganzen 672 Nummern, 
darunter auch 6 aus Kassel, zusammengebracht, — eine 
ganz erstaunliche Leistung, wenn man weiß, auf welche 
Schwierigkeiten gerade bei Cornicelius, der selbst über 
seine Tätigkeit keinerlei- Notizen hinterließ, eine zu 
verlässige Chronologie stoßen muß. Während die Mono 
graphie Sieberts vorwiegend Reproduktionen abgeschlos 
sener Kunstwerke brachte, gibt das Abbildungsmaterial 
diesmal mehr Zeichnungen, Skizzen, Studien usw. Wir 
sehen hier u. a. das erste Porträt des 15 Jahre alten 
Künstlers (Mina Bauer) und seine letzte Zeichnung, und 
gleichsam als Mittelglied die Reproduktion des Haus 
gärtchens, das den Zugang zu dem Atelier bildete, in 
; dem Cornicelius 24 Jahre hindurch seine besten Sachen 
! schuf. Das Mädchen im Vordergrund ist seine älteste 
! Tochter, im Hintergrund sitzt seine Frau, zu deren 
. Füßen sein treuer Begleiter, der Leonberger „Kosak" 
! liegt. 
Dem eigentlichen Katalog wurde für diejenigen Leser, 
denen der Lebensweg und die Bedeutung von Corni 
celius weniger geläufig sind, ein biographischer Über- 
; blick mit kurzer künstlerischer Würdigung vorangestellt, 
! wobei eine Reihe inzwischen gefundener ForsAmgs- 
resultate mit eingeflochten wurden. So bildet auch 
dieses neue Werk unseres in Freiburg i. Br.'lebenden 
' Landsmannes eine höchst erfreuliche Gabe. Hbach. 
Erinnerungen eines Odenwälders. Von 
Johann Georg Bechtel. Herausgegeben von Dr. Karl 
Esselborn. 21 S. 8". Darmstadt (C. F. Wintersche 
Buchdruckerei) 1912. 
Zu den selteneren Erscheinungen gehören Denkwürdig 
keiten, die uns zeigen, wie sich große rvÄtgeschichtlichc 
Ereignisse in dem Kopfe eines einfachen Mannes aus 
dem Volke, „der dabei gewesen ist", widerspiegeln. Hier 
zu gehören obige Erinnerungen aus den napoleonischen 
Feldzügen. In der Person des Erzählenden liegt der 
Reiz der Aufzeichnungen. Im 19. Lebensjahre, am 
11. August 1808, zum Militär eingerufen, verblieb 
I. G. Bechtel bis zum Jahre 1812 bei der Reserve. 
Zu Anfang des Jahres 1813 rückte er in das Feld. 
Im November 1815 war feine kriegerische Laufbahn 
beendet. In den Jahren 1842—43 verfaßte er feine 
Erinnerungen, „dem inneren Andränge folgeteistend, teils 
um seinen Nachfolgern zu zeigen, wie es überhaupt 
im Kriege hergeht, tells und hauptsächlich, wie es einem 
> ihrer Vorfahren ergangen ist, während er unter den 
I großherzoglich hessischen Truppen dienend, mehrere Feld-
	        

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