Full text: Hessenland (28.1914)

NRttL. 305 PWL, 
für das Wohl seiner Untergebenen besorgt toar, 
ehe er an sich selbst dachte. 
In einem Briefe, den der Großherzog von 
Hessen aus dem Felde an seine Gemahlin richtete, 
heißt es: „Die Hauptsache ist, daß wir den Sieg 
haben. Bei uns fing die Schlacht im dichten Wald 
gestrüpp an. Es war ein furchtbarer Kampf. 
Ich erinnere mich, daß mein Vater sagte, das 
Schlimmste sei ein Waldgefecht, wobei keiner den 
andern sieht. Die folgende Nacht schliefen wir alle 
in einem Haus auf Stroh, hoffend auf den nächsten 
Tag. Dieser brachte uns 
eine siegreiche Verfol 
gung. Gestern stand der 
Feind uns mit neuen 
Kräften gegenüber. Unsre 
Leute mußten nach der 
am vorherigen Tag ge 
schlagenen Schlacht Tag 
und Nacht laufen um 
zur Stelle zu kommen. 
Unsre Regimenter haben 
sich so großartig ge 
schlagen, daß alles davon 
sprach. Friedrich (ge 
meint ist Prinz Friedrich 
Karl von Hessen) i st e i n 
Held, seine Leute 
begeisternd, immer 
voran. Man erlebt zu 
viel. Der Tod wird 
Nebensache. Man sitzt 
zwischen Toten, Verwun 
deten, Pferden usw. Es 
ist, als ob es so sein 
müßte. Aber dann über 
kommt einen doch das 
Gefühl, wie das alles so 
unnatürlich ist." 
.Das selbstlose Wirken 
des Prinzen im Felde 
findet eine prächtige Schilderung in dem Feldpost 
brief eines 81ers, der der „Kl. Pr." schreibt: 
„Jetzt, wo nach Wochen heißen Kämpfers und 
Ringens die Ruhe sich um mich legt wie ein 
kühles Tuch um die fieberheiße Stirn,- wo so 
manche Erlebnisse aus jener Zeit sich zu klaren, 
scharf umrissenen Bildern gestalten, da ist es wohl 
verständlich, wenn eine Kunde, wie ich sie heute 
morgen las, wenn die Nachricht von der Verwun 
dung unsres Regimentskommandeurs, 
des Prinzen Friedrich Karl, manche Erinnerung 
auslöst, die sonst vielleicht erst später sich geklärt 
hätte. Gerade in der letzten Zeit vor meiner 
Verwundung, am 6. September, kam ich als Befehls 
empfänger oft genug mit ihm in Berührung, um 
einen tiefen Eindruck mitzunehmen von der Per 
sönlichkeit dieses Mannes. Es hat ja in allen 
Zeitungen gestanden von dem Mut, den er am 
Tag von Bertrix bewies, und so wie er es dort 
gehalten, so hat er's in der ganzen späteren Zeit 
getan, so hat er's gehalten, bis die Kugel auch 
ihn traf: in der Stunde der Gefahr stand er an 
der Spitze des Regiments. 
Meine letzte Erinnerung an die Kämpfe an der 
Marne, sie gilt ihm, wie er mitten im Gefecht 
mit vollkommener Ruhe 
mich belehrte über einen 
Fehler, den ich gemacht, 
und wie er dann vorn 
an der zerstörten Brücke 
stand im feindlichen Gra 
natfeuer und den Über 
gang seines Regiments 
beobachtete und leitete. 
Worte machte er nicht 
viel, aber schon sein Er 
scheinen wirkt auf die 
Truppen: „unser Prinz 
ist der Erste, wenn's 
gilt, und unser Prinz 
sorgt für uns", das wuß 
ten wir und deshalb 
hängt das Regiment an 
seinem Führer in einem 
Grad, wie ich es noch 
nie zu beobachten Ge 
legenheit hatte. Dann 
kommt bei ihm noch 
etwas hinzu, was der 
Soldat so schnell merkt 
und was mehr auf ihn 
wirkt als lange Reden: 
der Prinz behauptet nicht 
nur der Kamerad 
seiner Soldaten zu 
sein, er ist es auch, ist es auch da, wo diese 
Kameradschaftlichkeit oft aufhört: er ist es in seiner 
Lebensweise. Ich habe Gelegenheit gehabt, ihn zu 
beobachten, und noch jetzt packt es mich, wenn ich 
daran denke; ein Bild mag reden: am Abend 
war's, ich weiß den Namen des Ortes nicht mehr, 
da rief mich der Hauptmann im Biwak und teilte 
mir mit, daß ich zum Befehlsempfänger bestimmt 
sei, d. h. daß ich die Befehle des Divisions 
kommandeurs für das Regiment in der Nacht zu 
holen und dem Regiment zu überbringen habe. 
Nachdem ich also aus unserer herrlich bewährten 
Feldküche kräftig gegessen hatte, machte ich mich auf 
den Weg, um mich beim Prinzen zu melden. 
Pri«r Friedrich Wilhelm Mn Hefte«. 
Phot. Borgt. Frankfurt a. M.
	        

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