Full text: Hessenland (28.1914)

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Gberhessische Waldkönige. 
Von Heinrich Weber, Reuters. 
(Schluß.) 
Die stolzesten Könige unserer Wälder aber ge 
hören dem Geschlechte der Eichen an. Auf dem 
hohen Steinberg bei Salzschlirf, an der preu 
ßisch-hessischen Landesgrenze, steht die „Stee-eech", 
die Steineiche. An ihr führte früher eine „rund 
herumgeringelte" Holztreppe in die Höhe auf eine 
große Plattform, die auf ihren Ästen befestigt 
war. An der Straße von Schotten nach Laubach, 
in der Nähe des Jägerhauses, stehen die 
Germershäuser Eichen. Ihr Name rührt von dem 
ausgegangenen Dorfe Germanshusen her, das noch 
um 1340 erwähnt wird. Vor dem Nordausgang 
des Dorfes Hopfgarten steht auf einer Wüste 
nei eine Eiche von großem Kronendurchmefser. 
Ihr Stamm ist allerdings hohl. Sie heißt die 
„alt Eich" oder auch die Zigeunereiche, weil das 
fahrende Volk gern unter ihr rastet. Eine statt 
liche Eiche ist die L o l l a r e r Grenzeiche an der 
Gießener Straße vor dem Badenburger Wäldchen. 
Ihr Stamm weist einen Umfang auf von etwa 
4 na, ihre Gesamthöhe beträgt wohl 20 m. Bor 
dem Kirchgönser Gemeindewald, auf einer Hut 
weide, erhebt sich die „dicke Eiche". Ihr Stamm 
hat unten einen Umfang von 7 m, in Brusthöhe 
einen solchen von 5,50 m und ist ausgemauert, 
um ihn vor dem Verfall zu schützen. Ihr Alter 
wird auf 500 Jahre geschätzt. Wenn die Pfingst- 
glocken läuteten, dann zog früher die Jugend von 
Frischborn hinaus auf die Pfingstweid, um 
dort zu spielen, zu singen und sich anderen Zeit 
vertreib zu machen. Kein Wunder darum, wenn 
die „dick Eich" mitten auf dem Platze in hohem 
Ansehen stand. Ein Baum mit einem Gesamt 
inhalt von über 60 cdm ist die „dicke Eiche" in 
der Tiefstrut bei E i ch e l s d o r f. Ein reicher 
Müller der Gegend hatte vor langer Zeit einmal 
seinen Stolz darein gesetzt, seine neue Hofreite 
ganz aus dem Holz dieser gewaltigen Eiche auf 
zubauen und darum ein Gebot von 300 Guldm 
darauf eingereicht. Der Handel zerschlug sich aber, 
und so steht dieser stattliche Sprößling des Vogels 
berges heute noch im stillen Eicheltal. Weniger 
Glück gegenüber fortwirtschaftlicher Sparsamkeit 
hatte die dicke Gche in der Mönchesheg bei 
Heimertshausen. Sie wurde vor mehreren 
Jahren der Axt des Holzfällers ausgeliefert und 
brachte den schönen Ertrag von 2600 Mark. Un 
weit Laubachs, auf dem Ramsberg, findet sich 
die kräftige Königseiche, beliebt als Ziel für kurze 
Spaziergänge aus dem nahen Städtchen. Eine 
andere Königseiche besitzt der B ü d i n g e r Mark 
wald. Auf der Königsplatte erhebt sie sich und 
beschattet einen großen, freien Platz, auf dem 
bei Jagden gern Rast gehalten wird. Das Volk 
erzählt sich, daß an dieser Stelle einstmals ein 
Köhler dem verirrten Kaiser Friedrich Barbarossa 
den rechten Weg gezeigt habe. Der Kaiser schlug 
ihn dafür zum Ritter und gab ihm als Wappen 
einen weißen Schild mit zwei schwarzen Quer 
balken, weil ihm der Köhler den Weg mit seinen 
rußigen Fingern auf den Schnee gezeichnet hatte. 
An einen Herrscher der Jetztzeit erinnerte die Ernst 
Ludwig-Eiche bei Romrod, die unter Denkmal 
schutz gestellt war. Leider vernichtete sie am Mit 
tag des 24. März 1913 ein Brand. Tief ver 
borgen im Distrikt Hunch zwischen Ober-Gleen 
und Billertshausen steht eine Eiche, die ebenfalls 
den Namen einer im Hessenland bekannten Per 
sönlichkeit trägt, die Westerweller-Eiche. Wie ein 
alter Recke steht sie da, der zeitlebens den härtesten 
Stürmen und Kämpfen Trotz bot, den aber nun 
doch das Alter gebeugt und kraftlos gemacht hat. 
Einer der stattlichsten Bäume Oberhessens ist die 
„breit Eich" nördlich von Kirtorf vor dem 
Gemeindewald. Der nach oben gewaltig verästelte 
Stamm hat in Brusthöhe einen Umfang von etwa 
8 m und ist vom Winde schraubenförmig nach rechts 
-gedreht. Das Alter der Eiche wird auf 800 bis 
bis 900 Jahre geschätzt, doch erzählt der Volks 
mund, daß schon Bonifatius auf seinen Reisen 
durch das Chattenland diesen Baum gesucht habe, 
um ihn zu fällen. Er habe ihn jedoch nicht ge 
funden. Auf dem freien Platz unter der breiten 
Eiche wurden früher häufig Kinderfeste gefeiert. 
Eine andere Eiche erinnert mit ihrem Namen 
ebenfalls an den Apostel der Deutschen, die Donner 
eiche bei R e i ch l o s, in der Südwestecke des 
Reichloser Waldes. Eine Namensverwandte von 
ihr, die ihren Stand bei dem kurhessischen Orte 
Geismar hatte, hieb er trotz der abergläubischen 
Warnungen des Volkes um und erbaute eine Ka 
pelle daraus. An dem Pfad von Rainrod 
nach Alsfeld, im „Zannbargk" (Zahlenberg), steht 
eine schöne noch vollständig gesunde Eiche, die 
Jäger-Eiche. Eine „heilige Eiche" findet sich in 
dem Walde zwischen Ober-Sorg und Vaden 
rod. Auch im Schlitzerlande trifft man prächtige 
alte Eichen an. So steht im Distrikt Geflochten 
reis, eine Stunde von Rimbach entfernt, eine 
etwa 20 m hohe und wohl 500 Jahre alte Eiche. 
Beim Richthofe, neben einem Wege, steht die 
sogenannte Schlangeneiche. Ihren Namen ver-
	        

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